Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart

Landschaft, Land und Leute. Politische Partizipation in Württemberg 1457-2007

Kapitel 2. Die württembergischen Landtage von 1457

Karte: Landesteilung der Grafschaft Württemberg
Landesteilung der Grafschaft Württemberg 1442
Grafische Darstellung der getrennten Landesteile Württemberg-Stuttgart und Württemberg-Urach.

 

Schwarzer Adler, Ständehaus in Leonberg
Ein Versammlungsort des Landtags- Der "Schwarze Adler" in Leonberg.

In der Zeit der politischen und herrschaftlichen Krise, während der Teilung der Herrschaft Württemberg, entstehen erstmals im Jahr 1457 Landtage als politische Versammlungen der sich formierenden Landstände. Dabei erscheint die "Landschaft" im politischen Sinne als Vertretung der württembergischen Städte und Ämter. Sie rekrutiert sich aus den führenden bürgerlichen Schichten der Amtsstädte, der "Ehrbarkeit", und repräsentiert damit gleichzeitig auch die Untertanenschaft im Land.

 

Steinfigur Graf Ulrichs. 15. Jh.
Graf Ulrich der Vielgeliebte in Stein. Spätes 15. Jh.
Fotografie: Landesmuseum Württemberg

Wohl im Juli/August 1457 in Stuttgart und dann im November 1457 in Leonberg traten die Landtage von Ritterschaft und Landschaft - je für eine Landeshälfte - zusammen. Die Stuttgarter Versammlung wurde einberufen, weil sich Ulrich V. angesichts des drohenden Krieges mit der Pfalz der Unterstützung der Landstände versichern wollte. Anlass zum Leonberger Landtag waren Ulrichs Auseinandersetzungen mit der Pfalz wegen der Vormundschaft über seinen Neffen Eberhard, den späteren Eberhard im Bart. Bereits bei diesem Zusammentritt entschied die Uracher Landschaft nicht nur über die Vormundschaftsfrage zugunsten des Württembergers, sondern sie gewann gleichzeitig politische Mitsprache, sollten doch auch Vertreter aus der Landschaft in den neuen Vormundschaftsrat berufen werden.

 

Graf Ulrich V.
Graf Ulrich V. Um 1472/80.
Altarflügel. WLM Inv. Nr. 13721

Es waren prekäre Notlagen, in denen sich der württembergische Graf Ulrich V. bzw. die Vormundschaftsregierung in Urach an die Landstände wandten. An die 'Landschaft' appellierte Ulrich V. in einer politischen Situation, als Land und Herrschaft Württemberg in der Auseinandersetzung mit der Kurpfalz endgültig auseinanderzubrechen drohten. Dabei geht es nicht nur um das Verlangen nach finanzieller Unterstützung zur militärischen Bewegungsfreiheit, sondern auch konkret um den gemeinsamen Zusammenhalt von Land und Herrschaft Württemberg.


Die gemeinsame Herkunft, Name, Stamm und Verwandtschaft über die beiden nun getrennten Landesteile Württemberg-Stuttgart und Württemberg-Urach hinweg werden betont, um das verbindende Landesbewusstsein für die Sache der Herrschaft einzunehmen. Die Identifizierung der Untertanen und ihrer Vertreter mit ihrem Land scheint zumal bei der "Ehrbarkeit" von großer Bedeutung gewesen zu sein, denn ihre Unterstützung sollte Graf Ulrich vor allem entlasten. War die Regierungsgewalt zuvor auf den Herrscher und dessen meist niederadelige Räte und Diener beschränkt, so erhält nun die breitere Gesellschaft in Württemberg erstmals die Möglichkeit zur politischen Partizipation.

 

Appell Graf Ulrichs an die Uracher Landschaft


Archivalische Quellen

Quellen im Bestand A 602 "Württembergische Regesten", die den Großteil der altwürttembergischen Überlieferung aus der Zeit von
1301 bis 1500 vereinigt:

HStAS A 602 Nr. 269
Appell Graf Ulrichs an die Uracher Landschaft. [1457]
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Siegel von Kaiser Friedrich, der dem Grafen Ulrich V. in der Vormundschaft über Graf Eberhard bestätigt, Quelle: HStAS A 602 Nr. 280
Siegel von Kaiser Friedrich III.

Kaiser Friedrich III. bestätigt Graf Ulrich V. die
Vormundschaft über dessen Neffen Eberhard. 1458
Textedition:hier anklicken

 

Kaiser Friedrich III. Standfigur auf Marktbrunnen in Rottenburg.
Kaiser Friedrich III.
Standfigur auf Marktbrunnen in Rottenburg.