Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart

Landschaft, Land und Leute. Politische Partizipation in Württemberg 1457-2007

Kapitel 8. Der Landtag von Baden-Württemberg: Demokratisches Zentrum eines neuen Landes

Karte: Die allierte Vierzonenaufteilung Deutschlands und Österreichs nach dem Potsdammer Abkommen vom 2. August 1945
Karte: Die allierte Vierzonenaufteilung Deutschlands und Österreichs nach dem Potsdammer Abkommen vom 2. August 1945

Nach dem Untergang des NS-Regimes im Frühjahr 1945 gab es keine deutsche Staatsautorität und keine deutsche Regierung mehr. Die uneingeschränkte politische Gewalt war an die Siegermächte übergegangen. Deutschland lag politisch und wirtschaftlich am Boden. Die Amerikaner gestanden schon rasch, die Franzosen nur zögernd der deutschen Bevölkerung wieder politische Rechte zu. Im Juni 1946 fanden in der amerikanischen Besatzungszone allgemeine Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden statt, die ersten freien Wahlen nach 14 Jahren. Noch im November 1946 wurde auch der 1. Landtag von Württemberg-Baden gewählt.

 

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Grafik: Die Verfassung des (Bundes-) Landes Württemberg-Baden
von 1946-52

 

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Grafik: Die Verfassung des Bundeslandes Baden-Württemberg
vom 11.11.1953

In den französisch besetzten Ländern Baden und Württemberg-Hohenzollern wurden im Jahr 1947 eigene Verfassungen ausgearbeitet und Landtage gewählt, die in Freiburg bzw. im Kloster Bebenhausen tagten. Nachdem im Juli 1948 die westlichen Alliierten die deutschen Regierungschefs zu Vorschlägen über territoriale Neugliederungen der Länder in ihren Besatzungszonen ermächtigt hatten, setzte in Südwestdeutschland für mehrere Jahre ein zähes Ringen um den neuen Südweststaat ein, bis sich dieser auch politisch durchsetzen und 1952 aus den drei bisherigen Ländern das neue Bundesland Baden-Württemberg gebildet werden konnte. Ausschlaggebend hierfür war das Votum der Bevölkerung, die sich im Dezember 1951 mehrheitlich für einen gemeinsamen Staat im deutschen Südwesten ausgesprochen hatte.

 

Verfassungsurkunde von Baden-Württemberg. 1953
Verfassungsurkunde von Baden-Württemberg. 1953
HStAS EA 1-101 Bü 12

Am Beginn der Geschichte des Landtags von Baden-Württemberg steht die Wahl der Verfassungsgebenden Landesversammlung vom März 1952. Ihr Präsident wurde der Heidelberger Oberbürgermeister Carl Neinhaus, der anschließend auch Präsident des 1. Landtags von Baden-Württemberg werden sollte. Aus der Verfassungsgebenden Landesversammlung wurde nach Verabschiedung der Verfassung von Baden-Württemberg der 1. Landtag als demokratisches Zentrum des neuen Bundeslandes. Nach Reinhold Maier (FDP/DVP) führte Gebhard Müller (CDU) als Ministerpräsident eine Allparteienregierung, bevor Kurt Georg Kiesinger (CDU) 1958 im Amt folgte.

 

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Grafik: Sitzordnung Landtagsabgeordnete. 1956
Reproduktion nach Landtagshandbuch.

Hatte der Stuttgarter Landtag seit dem 16. Jahrhundert in der Kronprinzenstraße getagt, wo das Landesparlament bis zu seiner Auflösung 1933 in repräsentativen Gebäuden untergebracht war, so mussten nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zunächst Notunterkünfte für die Volksvertretungen gesucht werden. Ein Neubau für den Landtag des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg stand länger in der öffentlichen Diskussion, bis das "Haus des Landtags" als neues repräsentatives Zentrum der politischen Vertretung des Landes 1961 eingewiehen wurde. Es steht - ergänzt um das 1987 fertiggestellte Haus der Abgeordneten - gleichzeitig für den Neubeginn wie für die demokratische Tradition im deutschen Südwesten.

 

Der neue Plenarsaals im Modell. Um 1958
Der neue Plenarsaals im Modell. Um 1958
Haus der Geschichte Baden-Württemberg

 

Plenarsaal 2007
Blick in den Landtag. Plenarsaal 2007
Fotografie: LMZ

 

Das Haus des Landtags 1961 (G. Ferroni)
Das "Haus des Landtags" 2007, eingeweiht 1961.
Fotografie: G. Ferroni