Spektakuläre Mordfälle und ihre Dokumentation im Staatsarchiv Ludwigsburg

Mordakte Ludwigsburg

Ein Stiefvater mordet aus Habgier

Ein ausführliches Medizin-Gutachten bestätigt den Verdacht des Giftmordes (an Johann Schneider).
Ein ausführliches gutachten bestätigt den Verdacht des Giftmordes. Bilder: Alfred Drossel

Der Seifensieder Gottfried Michael Schneider hat in Untergröningen keinen guten Ruf. Als hartherzig ist er bekannt, besonders intelligent soll er zudem nicht sein. Doch Sofie Frey lässt sich vom Gerede der Untergröninger nicht abschrecken. Sie lernt den Seifensieder kennen und lieben.

Sofie Frey lebt allerdings nicht allein. Sofie ist alleinerziehend, lebt mit ihrem dreijährigen Kind Johann unter einem Dach. Und Gottfried Michael Schneider gelingt es nicht, ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem jungen Spross aufzubauen. Allerdings bemüht er sich darum auch nicht sonderlich, so dass das Pfarramt frühzeitig von einer Heirat der beiden abrät. Man befürchtet, Schneider würde mit seinem Stiefkind nicht herzlich genug umgehen.

Doch Sofie Frey schlägt alle Warnungen in den Wind. Sie will den Seifensieder heiraten. Selbst bei der Hochzeitspredigt kann sich der Pfarrer nicht zurückhalten und macht den Bräutigam auf seine Pflichten aufmerksam. "Die Hochzeitspredigt, die beinahe ausschließlich diesen Gegenstand abgehandelt, von dem Standpunkte der Religion aus, seine Verpflichtungen gegen sein Stiefkind eindringlich ans Herz gelegt..." wird man später notieren. Tatsächlich bestätigen sich die Befürchtungen des Pfarrers. Gottfried Michael Schneider behandelt das Stiefkind unfreundlich. Immer wieder versucht man, Frieden zu stiften - es gelingt den Geistlichen aber nicht.

Einen Grund für das Verhalten des Stiefvaters hat man schnell ausgemacht: Stolze 100 Gulden besitzt der kleine Johann. Ein persönliches Vermögen, vermacht vom leiblichen Vater. Zu gerne wäre der Stiefvater in den Besitz des Geldes gekommen. So nah und doch so fern ist ihm dieses Vermögen, das dem Seifensieder das Leben zumindest kurzfristig versüßt hätte.

Nach dieser Skizze wurde die Richtstatt (für Gottfried Michael Schneider) in Gaildorf aufgebaut.
Nach dieser Skizze wurde die Richtstatt in Gaildorf aufgebaut.

Der Artikel wurde am 17. September 2005 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der LKZ.

Akteneinsicht
Die Akte kann im Staatsarchiv Ludwigsburg unter der Signatur E 332 Bü 38 bestellt und eingesehen werden. Der Lesesaal ist unter der Telefonnummer 07141/18-6337 erreichbar.