Bausteine zur Geschichte der Grafen von Löwenstein-Wertheim

Streit um drei Dörfer

Die Streitigkeiten zwischen den Löwenstein-Wertheimer Grafen und dem Kloster Bronnbach sowie dem Bischof von Würzburg um die drei Dörfer Reicholzheim, Nassig und Dörlesberg begannen nach der Rekatholisierung des Klosters. Das Bistum Würzburg beanspruchte die Landesherrschaft über das Kloster, das Kloster selbst die Herrschaft über die drei Dörfer. Die damit eingeläuteten Streitigkeiten zwischen Wertheim und Bronnbach wurden erst in den 1670er Jahren beigelegt, die Streitigkeiten zwischen Wertheim und Würzburg dauerten bis zum Ende des alten Reiches.

1624 standen die Dörfer unter wertheimischer Oberhoheit. 1628 und erneut 1634 wurden sie durch das Kloster Bronnbach in Besitz genommen. Durch den Westfälischen Frieden wurden die Dörfer den Grafen von Löwenstein-Wertheim zugesprochen, man orientierte sich am Zustand des Jahres 1624. Mit jedem Herrschaftswechsel war auch ein Wechsel der Konfession verbunden.

Das Kloster klagte gegen die Regelung des westfälischen Friedens beim Reichskammergericht, das 1672 sein Schlussurteil sprach. Dieses Urteil konnte nicht einfach umgesetzt werden, sondern musste durch eine Kommission vermittelt werden. Ergebnis war ein Kompromiss, der 1673 beschlossenen wurde, an den man sich aber nicht hielt. Denn entgegen der Vereinbarung, die für die Bevölkerung den Bekenntnisstand des Jahres 1624 (protestantisch) vorsah, hat das Kloster, dem die meisten Rechte an den Dörfern zugesprochen wurden, die Dörfer Reicholzheim und Dörlesberg umgehend der katholischen Konfession zugeführt. Mit dem Hochstift Würzburg stritten sich die Grafen von Löwenstein-Wertheim noch bis zum Ende des alten Reichs um ihre Rechte in den Dörfern.

Weiterführende Literatur:

Ehmer, Hermann: Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989, bes. S. 181f.