Digitale Präsentation

Ludwig Marum - Mensch. Politiker. Opfer

IX. "Unsere Partei fordert Lehrmittelfreiheit"

Ludwig Marum (rechts) im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses; Stadtarchiv Karlsruhe 11/DigB 2r

Der erste Bereich des öffentlichen politischen Wirkens ergab sich für Ludwig Marum in Karlsruhe. Nachdem 1910 in Baden das Dreiklassenwahlrecht modifiziert worden war, das den besitzenden Schichten trotz geringer Kopfzahl eine Mehrheit in den Stadt und Gemeindeparlamenten verschafft hatte, war die Zeit von Sozialdemokratie und Zentrum, die eher die "kleinen Leute" vertraten angebrochen. Bei der Wahl zum Stadtrat 1911 konnte die SPD ihre Zahl der Räte von 2 auf 6 erhöhen und im Bürgerausschuss 30 der 96 Stadtverordneten-Sitze erringen. Ludwig Marum, 1909 nach Karlsruhe gezogen, errang hier sein erstes politisches Mandat. Im Bürgerausschuss setzte er als "Parteimann" keine persönlichen Akzente, sondern verkörperte den pragmatischen Sozialdemokraten.

Seine Kompetenz konnte er in der Rheinhafen- und in der Schulkommission einbringen. Damit hatte sich Marum für Arbeitsbereiche entschieden, die den Sozialdemokraten dringen am Herzen lagen. Der Rheinhafen war gleichsam das Symbol der Industrialisierung Karlsruhes zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die Entwicklung des Hafens war wesentlich für das Gedeihen der Wirtschaftbetriebe und wirkte damit indirekt auf die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft. Die Bildungspolitik war ein sozialdemokratisches Thema auch auf Landes- und Reichsebene, weil der Zugang zur Bildung mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten und Teilhabe am politischen und kulturellen Leben gleichzusetzen war.

In der Rheinhafen-Kommission waren vor allem Sachprobleme wie Verpachtungen oder Grundstücksgeschäfte zu diskutieren, bei den juristisches Fachwissen gefragt war. Marum wirkte als kompetenter, konstruktiver Mitgestalter.

Die Arbeit in der Schulkommission ermöglichte Marum, sein kulturpolitisches Profil zu schärfen. Der Kampf gegen den Abbau der Bildungsprivilegien bedeutete vor allem Öffnung der Bildungseinrichtungen für Arbeiterkinder und die Förderung der Volksschule. Schulhausneubauten und der - vergebliche - Kampf um die Abschaffung der Elternbeiträge für Lehrmittel standen zur Zeit von Marums Tätigkeit in Karlsruhe im Zentrum. Marum hat sich besonders für Chancengleichheit im Bildungsbereich eingesetzt - wohl nicht zuletzt weil er seinen Aufstieg der Bildung verdankte und lebenslang ein ausgesprochenes Interesse an Bildung und Kultur hatte.

In der Kommunalpolitik - er blieb bis 1921 Stadtverordneter - gewann Marum Erfahrungen sowohl in der Gremienarbeit als auch in Behandlung zentraler sozialdemokratischer Sachfragen. Seine Tätigkeit im Bürgerausschuss bildete das Sprungbrett für seine weitere politische Karriere.