Digitale Präsentation

Ludwig Marum - Mensch. Politiker. Opfer

IV. "Ich will mit Dir alt werden"

Familie Marum, Osterferien 1930, v.l.n.r. Ludwig, Brigitte, Johanna, Hans, Elisabeth; Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III o 1294

Ludwig Marums Vater verstarb im Jahre 1889 im Alter von nur 39 Jahren an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung; Ludwig war zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre. Die Mutter Helene Marum, zog ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes nach Bruchsal um und widmete sich ganz der Erziehung ihrer Kinder. Ihre Strenge und die hohen Leistungsanforderungen, die sie an Ludwig stellte, ließen wenig Raum für ein zärtliches Verhältnis zwischen Mutter und Sohn, der Wärme und Zuwendung in der Familie seines Onkels Jonas Katz suchte und fand. Bis zum Ende seiner Studienzeit im Jahre 1908 war Marums Beziehung zu seiner Mutter geprägt von Unfreiheit und Abhängigkeit, nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht.

Johanna und Ludwig Marum, um 1915; Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III o 1936

Seine spätere Ehefrau Johanna Benedick - eine Fabrikantentochter aus wohlhabender jüdischer Familie aus Albersweiler nahe Annweiler in der Pfalz - lernte Marum bereits im Jahre 1904 kennen. Nach einer behüteten Kindheit genoss Johanna eine höhere Schulbildung und entwickelte eine anhaltende Liebe zur Literatur, eine Leidenschaft, die sie mit ihrem künftigen Ehemann teilte. Marum warb jahrelang um seine große Liebe und im März 1910 heirateten sie schließlich. Im selben Jahr wurde Tochter Elisabeth geboren, 1913 kam Hans auf die Welt, 1919 die Tochter Brigitte.

Nicht nur der gemeinsamen Lektüre von Autoren wie Heine und Dostojewskij widmete das Ehepaar gerne seine Freizeit; auch weitreichendere künstlerische wie kulturelle Interessen bereicherten ihr gemeinsames Leben. So gesellten sich unter die zahlreichen Freunde und Bekannten, mit denen die Marums gerne und häufig verkehrten, nicht selten Schriftsteller und Künstler wie der jüdische Maler Leo Kahn (1894-1983), der unter anderem das Innere der Synagoge in Bruchsal ausgemalt hat. Durch zahlreiche gemeinsame Reisen sowie Besuche von Museen, Theater und bei Vereinen gestaltete sich das familiäre Leben der Marums vielfältig und abwechslungsreich. Ein Leben, das sich aufgrund des politischen Engagements Ludwigs zu einem erheblichen Teil in der Öffentlichkeit abspielte.