Ausstellung des Generallandesarchivs Karlsruhe

Ludwig Marum - Mensch. Politiker. Opfer

Ludwig Marum - Mensch. Politiker. Opfer

Ludwig Marum wird 1882 in eine jüdische Familie im pfälzischen Frankenthal hineingeboren. Er wächst später in Bruchsal auf und studiert Jura in Heidelberg und München, bevor er sich als Anwalt in Karlsruhe niederlässt. Über den Badischen Arbeitersängerbund wird Marum populär, bevor er 1914 Mitglied des Badischen Landtags in Karlsruhe wird. In der Revolution 1918 steigt er zu einer zentralen Figur der badischen Politik auf, wird Justizminister, und 1919 im Landtag Fraktionsvorsitzender der SPD. 1928 wird er in den Reichstag gewählt. Bis zum Untergang der Weimarer Republik Anfang 1933 kämpft er für die Ideale des demokratischen Rechtsstaats. Als dieser Kampf mit einer Niederlage endet, bekommt Marum den vernichtenden Hass der neuen Machthaber zu spüren. Für sie ist er nicht nur als Sozialdemokrat politischer Gegner, sondern als Jude auch Adressat schlimmster antisemitischer Ausbrüche. Im März 1933 wird Marum unter Verletzung seiner Immunität verhaftet, bevor er im Mai desselben Jahres nach einer entwürdigenden Schaufahrt durch die Karlsruher Innenstadt ins KZ Kislau bei Bruchsal eingesperrt wird.

Doch bis zum Schluss verliert Marum seinen Lebensmut nicht. Einen zweitägigen Freigang nutzt er nicht zur Flucht, weil er sein Ehrenwort gegeben hat, wieder zurückzukehren. Noch sein letzter Brief aus dem KZ ist trotz widrigster Umstände von Hoffnung geprägt. Im März 1934 wird Marum in der Zelle ermordet. Nach dem Krieg werden die Mörder in Karlsruhe verurteilt.

Wanderausstellung "Ludwig Marum 1882-1934. Ein Leben für Recht und Republik" (seit 2018)

Eine Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, des Landesarchivs Baden-Württemberg und des Forums Ludwig Marum e.V.

Ludwig Marum gehört 1918/19 zu den Wegbereitern der parlamentarischen Demokratie in Baden und zählt zu den beeindruckenden Persönlichkeiten der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Seine politische Biographie spiegelt zentrale Entwicklungen deutscher Geschichte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wider. In dieser Zeit fördert er die Demokratisierung Deutschlands und setzt sich für soziale Gerechtigkeit und religiöse Toleranz ein. Marum, der dem Judentum entstammt, wirkt zunächst als badischer Politiker, später als Mitglied des Reichstags in der konfliktreichen Zeit vom Kaiserreich bis zum Ende der Weimarer Republik.

Die Biographie Ludwig Marums und das Exil und die Lebenswege seiner Angehörigen beschreiben exemplarisch eine deutsch-jüdische Familiengeschichte, die als "Mikrokosmos des 20. Jahrhunderts" gelten kann.

Begleitpublikation
Ein Leben für Recht und Republik. Ludwig Marum (1882–1934)
Begleitband zur Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand,
des Landesarchivs Baden-Württemberg und des Forums Ludwig Marum e.V.
Berlin 2018, 194 Seiten

Weitere Informationen auf der Website der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Wanderausstellung "Ludwig Marum - Mensch. Politik. Opfer" (seit 2005)

Durch die Ausstellung wird das Leben einer der zentralen Gestalten badischer Politik in der Weimarer Republik der Vergangenheit entrissen. Seine pragmatische Art, Probleme anzugehen, hat die badische SPD geprägt und ihm persönlich weit über die Parteigrenzen Anerkennung eingetragen. Er wirkt heute, als hätte er das Godesberger Programm vorweggenommen.

Viel zu oft wurde Marum, wie viele Protagonisten, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind, von seinem schlimmen Ende her gesehen. Durch die Ausstellung wird offenkundig, dass gerade das tatkräftige Wirken des Sozialdemokraten und Juden Ludwig Marum erinnernswert ist.

Auf Initiative des Forums Ludwig Marum e.V., dass sich die Erinnerung an den 1934 ermordeten Reichstagsabgeordneten, seine Ziele und sein Wirken zur Aufgabe gemacht hat, haben Studierende der Universität Karlsruhe (TH) im Rahmen der "berufsorientierten Zusatzqualifikation" im Landesarchiv Baden–Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe eine Online–Version dieser Ausstellung erarbeitet:


Tags:

Ausstellung, Generallandesarchiv Karlsruhe, 20. Jahrhundert