Virtueller Ausstellungskatalog

"Freiheit – Wahrheit – Evangelium" – Reformation in Württemberg

III. Martin Luther und seine Ausstrahlung im deutschen Südwesten

Titelbild Kapitel 3
Kolorierter Titelholzschnitt der Lutherschrift: Eyn frage / Ob Christus seyne Gemeyn / odder Kirch / auff Petrum / vnnd nachuolgende Baepst gepawet hab?

Vorlage: Wartburg-Stiftung Eisenach

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Das öffentliche Auftreten des Augustinermönchs Martin Luther, der mit seinen Thesen und Schriften gegen den Ablasshandel seit Ende 1517 breite Aufmerksamkeit erreichte, wurde auch im deutschen Südwesten intensiv verfolgt. Bereits Luthers Heidelberger Disputation, sein öffentlicher Auftritt bei seiner Ordenskongregation vor zahlreichen Theologen und Studenten 1518, muss mächtigen Eindruck hinterlassen haben, zählten doch bald zahlreiche Teilnehmer gerade aus dieser Region zu seinen Anhängern und Schülern.

Auch Luthers Weigerung, seine Lehrsätze zu widerrufen, seine öffentliche Verbrennung der Bannandrohungsbulle des Papstes und der standhafte Eindruck auf dem Reichstag in Worms 1521 vor Kaiser Karl V. hatten sein Renommee noch verstärkt. Der so vollzogene, öffentliche Bruch mit der römischen Kirche brachte Martin Luther in weiten Teilen der Bevölkerung Sympathien ein; er wurde bald wie ein Held, ja gar wie ein Heiliger verehrt.

Die durch den Buchdruck schnell verbreiteten Schriften Luthers und seiner Anhänger fanden gerade auch in Südwestdeutschland großen Absatz; seine programmatischen kirchenpolitischen und theologischen Texte ebenso wie seine Bibelübersetzung. Der aus dem pfälzischen Städtchen Bretten stammende Philipp Melanchthon spielte dabei eine wesentliche Rolle für die Vermittlung humanistischer Gelehrsamkeit in Verbindung mit der neuen Lehre. Melanchthon sollte schließlich auch das Augsburger Bekenntnis der evangelischen Reichsstände formulieren, das 1530 die Entwicklung des Luthertums zur selbstständigen Kirche vorzeichnete.

In dem inzwischen unter kaiserlicher Hoheit stehenden Herzogtum Württemberg wurde die evangelische Lehre Luthers indessen gewaltsam unterdrückt. Auch zahlreiche Mandate des Kaisers und seines Bruders Erzherzog Ferdinand zeigen das religiöse Aufbegehren der Bevölkerung gegen ihre altgläubige Obrigkeit an; die Anhänger der neuen Lehre wurden als "Sektierer" verfolgt.