"Tötung in einer Minute." Quellen zur Euthanasie im Staatsarchiv Ludwigsburg.

Juristische Aufarbeitung nach 1945 I

Bald nach Kriegsende wurden die Verantwortlichen an den Morden in Grafeneck zur Rechenschaft gezogen.

Unten sind folgende Zeitungsartikel abgebildet:

  • "Euthanasie - Verbrechen vor Gericht" (Den acht Angeklagten wird die Beteiligung an der "Euthanasie" - Aktion in Grafeneck vorgeworfen. Vor Gericht stehen: Dr. Otto Mauthe, der ehemalige Landesjugendarzt und Psychiater Dr. Max Eyrich, der ehemalige Arzt in der Heilsanstalt Zwiefalten Dr. Alfons Stegmann, die leitende Ärztin in Zwiefalten Dr. Meta Fauser, die beiden Beamten des Standesamtes Jakob Wöger und Hermann Holzschuh, der ehemalige Krankenpfleger Heinrich Unvertau sowie die Krankenschwester Maria Appinger.)
  • "Der Grafeneck - Prozeß" (Das Ergebnis des zweiten Verhandlungstages: Dr. Mauthes Reaktion auf die zahlreichen Entlassungsanträge wird als sehr "bürokratisch" bewertet, wodurch seine Schuld bestärkt wird.)
  • "Vernehmung Dr. Mauthes abgeschlossen".(Die abschließende Vernehmung verbessert die Situation des Angeklagten. Er kann beweisen, dass der Begriff "arbeitsfähig" breit ausgelegt wurde, wodurch einige Kranke nicht nach Grafeneck "verlegt" wurden. Außerdem machten einige Anstaltsleiter das Innenministerium Stuttgart auf die wachsende Beunruhigung innerhalb der Bevölkerung aufmerksam, was für den Richter als Grund für die Schließung Grafenecks im Dezember 1940 angesehen wird.)
  • "Gnadentod gesetzlich geregelt" (Im "Gaswagenprozess" vor dem Stuttgarter Schwurgericht vesucht sich der Angeklagte Dr. Albert Widmann zu verteidigen: Er sei ein "im Obrigkeitsdenken verhafteter Mensch " gewesen. Widmann wurde gesagt, dass der "Gnadentod" dieser Menschen gesetzlich geregelt sei, ihm keine Schuld zu kommen werde und er sich nicht dafür verantworten müsse. Daher beschaffte er im Auftrag der Reichskanzlei "Gift für Tiere in Menschengestalt." In den 1938 gebauten Gaswagen wurden während der NS - Zeit tausende Menschen mit Kohlenmonoxyd getötet. Dass Juden in Gaswagen hingerichtet wurden, habe Dr. Widmann nicht gewusst. (Insgesamt starben 700.00 Juden in Gaswagen.) Als er jedoch von der Tötung "geistig normaler Menschen" hörte, protestierte er dagegen.)
  • "Geisteskranke in die Luft gesprengt" (Bericht über die Gerichtsverhandlung des Angeklagten Dr. Albert Widmann, der wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht steht.)

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 1967.

 

 

 

 

 

Weitere Informationen zu Beteiligten