Von Mantua nach Württemberg: Barbara Gonzaga und ihr Hof

II. In der Herrschaftskrise: Das Haus Württemberg im 15. Jahrhundert

Im beginnenden 15. Jahrhundert hatte sich die politische Landschaft im deutschen Südwesten neu formiert: Neben der Kurpfalz und der Markgrafschaft Baden kam hier jetzt auch der Grafschaft Württemberg zentrale Bedeutung zu. Damals hatte das württembergische Territorium bereits weitgehend seine späteren Konturen erreicht und sich mit dem Erwerb der Grafschaft Mömpelgard / Montbéliard an der burgundischen Pforte langfristig auch über den Rhein hinaus ausgedehnt. Doch sollte mit der Teilung der Herrschaft unter den Grafenbrüdern Ludwig und Ulrich V. im Jahr 1442 eine nachhaltige herrschaftliche und dynastische Krise des Hauses Württemberg einhergehen. Diese wurde noch verstärkt durch die schmerzliche Niederlage Graf Ulrichs im Bund mit den Markgrafen von Baden gegen Pfalzgraf Friedrich I. in der Schlacht bei Seckenheim 1462. Graf Ulrich und seine Herrschaft in Württemberg-Stuttgart war nun auch politisch und wirtschaftlich deutlich geschwächt. In Württemberg-Urach musste indessen sein junger Neffe, Graf Eberhard, noch an politischem Profil gewinnen. Die höfische Kultur in den Residenzen Stuttgart und Urach trat entsprechend deutlich hinter den repräsentativen Hofhaltungen der benachbarten Fürstenhäuser zurück. Allein die verwitwete Mutter Eberhards, Mechthild, hielt in Rottenburg bald einen literarisch ambitionierten Hof mit weithin beachteter Ausstrahlung.


Mömpelgarder Genealogie

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Die Mömpelgarder Genealogie, 1474
Ausfertigung, Pergamentlibell, 8 Bll.
HStA Stuttgart G 400 Bü 14
Aufgeschlagen: Bl. 7 r

Die kostbare Handschrift, die in mehrere Ausfertigungen und zeitgenössischen Abschriften erhalten ist, beschreibt die genealogische Abfolge und Verwandtschaftsverhältnisse der Grafen von Mömpelgard bis zur Verbindung der Erbtochter Henriette mit Graf Eberhard IV, von Württemberg. Der Text der Handschrift wurde offenbar in Mömpelgard/Montbéliard für Graf Eberhard im Bart verfasst und weist mit der Jahreszahl 1474 und seiner Devise "Attempto" auf die Hochzeit mit Barbara Gonzaga in diesem Jahr hin. Besondere Bedeutung kommt der Abhandlung wegen ihres kostbaren Buchschmucks zu, der wohl von dem Schreiber und Illustrator Stephan Schriber am Uracher Hof gestaltet wurde. So gerade eine Darstellung, welche die idealisierte Figur Graf Eberhards mit den Wappen seiner Eltern Ludwig und Mechthild, seiner Großeltern und der Mömpelgarder Ahnenpaare zeigt. Vor allem spricht hieraus der Stolz Eberhards auf seine vornehme Abstammung aufgrund seiner weiblichen Vorfahren.