Ausstellung

Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen

Highlights der Ausstellung

Modische Details wie das Mi-Parti und zu Hörnern geformter Kopfschmuck in „Lohengrin“, um 1470, wohl Stuttgart, Werkstatt Ludwig Henfflin. Vorlage: Universitätsbibliothek Heidelberg

Altarflügel mit den drei Ehefrauen (ganz rechts Margarethe) Graf Ulrichs V. von Württemberg, um 1470. Vorlage: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Wappenscheibe Graf Ulrichs V. von Württemberg und seiner drei Gemahlinnen, Straßburg, um 1480/90. Vorlage: Schloss Altshausen, CVMA Freiburg

Brief an Margarethe: Der Arzt Johannes Kettner berichtet Margarethe über die Seuche in Stuttgart, 1457 Februar 6. Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Die Hohenloher Kette, Mitte 15. Jahrhundert, Frankreich/Burgund, Landesmuseum Württemberg, Leihgabe des Fürstlichen Gesamthauses Hohenlohe. In der Ausstellung als digitale Präsentation zu sehen.

Bisamkugel (Anhänger): Nicht nur kostbares Schmuckstück, sondern auch wohltuender Duftspender des späten Mittelalters, 15. Jahrhundert. Vorlage: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Altarflügel mit Graf Ulrich V. von Württemberg, um 1470. Vorlage: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Digitale Präsentation

Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen

Zeittafel: Das Haus Savoyen und der deutsche Südwesten im 15. Jahrhundert

Haus und Herrschaft Savoyen im 15. Jahrhundert

Savoyen verband im späteren Mittelalter die Kulturbereiche von Romania und Germania. Die Grafen und späteren Herzöge von Savoyen beherrschten den wesentlichen Teil der westlichen Alpen; ihr Territorium reichte vom Genfersee über die Alpenpässe nach Oberitalien und nach Süden bis zum Mittelmeer. Zwischen Frankreich und Burgund einerseits und dem römisch–deutschen Reich mit den italienischen Signorien im Piemont und in der Lombardei andererseits kam Savoyen eine herausragende Bedeutung als politische und kulturelle Kontaktzone zu.

Kunst, Literatur und Musik am savoyischen Hof

Amadeus VIII. / Felix V.: Vater und Papst

Die Erhebung zum Herzog durch König Sigismund 1416 war für Amadeus VIII. von Savoyen ein großer Triumph und von eminenter politischer Bedeutung. Sein Ansehen und seine persönlichen Verbindungen konnte er auch in eine ambitionierte dynastische Politik einbringen: Die Ehen seiner Kinder verknüpften das Haus Savoyen bald mit den Herzögen von Mailand sowie den königlichen Kronen von Zypern sowie Neapel, Sizilien und Jerusalem, welche durch die Heirat von Margarethe mit Ludwig III. von Anjou gewonnen werden sollten.

Königin von Sizilien: Der italienische Traum

Die Ehe zwischen Margarethe von Savoyen und Ludwig III., Herzog von Anjou, Titularkönig von Neapel, Sizilien und Jerusalem, sollte die beiden Häuser dynastisch wie politisch miteinander verbinden und dem Haus Savoyen den königlichen Titel einbringen. Die Braut war bei Abschluss des Ehevertrags 1431 gerade 11 Jahre alt und trat erst im Frühjahr 1434 die Reise zu ihrem Bräutigam nach Süditalien an. Festliche Empfänge begleiteten zunächst ihren Weg, bis Margarethe nach einer stürmischen Überfahrt im Juli 1434 in Cosenza in Empfang genommen wurde.

Da König Ludwig in den Krieg ziehen musste, war dem Ehepaar allerdings nur eine kurze gemeinsame Zeit gegönnt. Schon wenige Monate später verstarb er, und Margarethe wurde schon als 14–jährige zur Witwe. Der „italienische Traum“ war zerplatzt, die Königin konnte ihre Krone nicht verteidigen. Eine Gesandtschaft ihres Vaters holte sie im Herbst 1435 nach Savoyen zurück; Margarethe sollte sich in den folgenden zehn Jahren wieder in ihrer Heimat aufhalten.

Kurfürstin von der Pfalz: Ein neues Leben

Als junge Witwe, Königin von Sizilien, war Margarethe von Savoyen eine begehrte Partie auf dem europäischen Heiratsmarkt. Nachdem ihr Vater, Herzog Amadeus VIII., 1439 vom Basler Konzil zum Papst Felix V. gewählt worden war, fanden sogar Verhandlungen für eine Ehe Margarethes mit dem neuen römisch–deutschen König Friedrich III. statt. 1442 trafen Friedrich III. und Margarethe am Genfer See persönlich zusammen, doch verliefen die Verhandlungen erfolglos.

Drei Jahre später heiratete Margarethe dann Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz, den nach dem König bedeutendsten Mann im Reich. Margarethe wurde Mittelpunkt der kurfürstlichen Familie und des kulturellen wie politischen Lebens am kurpfälzischen Hof. Doch schon bald nachdem ihr Sohn Philipp geboren wurde, starb ihr Ehemann 1449, und Margarethe wurde zum zweiten Mal Witwe. Sie hatte sich nun — ohne ihren Sohn, der zur Erziehung bei seinem Onkel Friedrich I. von der Pfalz in Heidelberg blieb — auf ihre Witwengüter Möckmühl und Löwenstein zurückzuziehen.

Am württembergischen Hof: Margarethe und Ulrich

Margarethes zweite Witwenschaft währte nicht lange, denn schon 1453 heiratete sie Graf Ulrich V. von Württemberg, der ebenfalls schon zweimal verheiratet gewesen war. Durch die Ehe mit der „Tochter des Papstes“ und der dynastischen Verbindung mit den Häusern Savoyen und Burgund gewann das Prestige des Hauses Württemberg beträchtlich. Margarethe sollte nun die zweite Hälfte ihres Lebens in ihrer neuen Residenz im Stuttgarter Schloss an der Seite Graf Ulrichs verbringen.


Trotz dieser politischen Krise setzte sich das Grafenpaar Margarethe und Ulrich gerade in ihrer Residenzstadt Stuttgart in Bildnissen und repräsentativer Architektur wie einer glänzenden Hofhaltung und Festkultur in Szene, besonders bei fürstlichen Besuchen und Hochzeiten. Gemeinsame Stiftungen sowie kostbare persönliche Geschenke zeugen von der engen Verbindung zwischen den Eheleuten. Margarethes literarische Interessen treten eindrucksvoll durch eine ganze Reihe kostbar illuminierter Handschriften hervor.

Eine „europäische“ Fürstin und ihre Netzwerke

Die europaweit gespannten sozialen Netzwerke Margarethes spiegeln sich in ihrer mehrsprachigen Korrespondenz. Auf regionaler wie internationaler Ebene zeigen sich die vielfältigen persönlichen wie dynastischen, politischen und kulturellen Verbindungen Margarethes.

Frömmigkeit und Erinnerung

Die innige Frömmigkeit Margarethes von Savoyen kam in persönlichen Wohltaten ebenso zum Ausdruck wie in repräsentativen Stiftungen, die sie oft gemeinsam mit ihrem Mann Graf Ulrich V. unternahm. Die Gründung des Dominikanerklosters in Stuttgart und die Aufnahme der gräflichen Familie in die Gebetsbruderschaft der Dominikaner zeigen ihre persönliche Nähe zu diesem Orden. Die intensive Heiligenverehrung, vor allem für die Gottesmutter Maria, brachte Margarethe in zahlreichen Pilgerfahrten und Votivgaben zum Ausdruck. Eine reiche Almosenstiftung für die Bedürftigen in ihrer Residenzstadt Stuttgart sollte Margarethe nachhaltig als Wohltäterin im Gedächtnis halten.

Weitere Informationen

Bildnachweise:
  • Residenzen und Reiseorte der Margarethe von Savoyen (Entwurf: A. Thaller/P. Rückert, Grafik: A. Vogel)
  • „Apokalypse der Herzöge von Savoyen“, 1428-1434 (Real Biblioteca de San Lorenzo, El Escorial, Ms. E.Vitr. 5, Bl. 14v)
  • Die Statuten des Halsbandordens, nach 1434 (Archivio di Stato di Torino, Ordini militari, Ordine dell’Annunziata, m. 1, fasc. 4)
  • “De doctrina dicendi et tacendi”/”De amore et dilectione Dei”, Albertanus von Brescia, um 1430-1435 (Bibliothèque royale de Bruxelles, Ms. 10317-18)
  • Die hl. Maria rettet Margarethe von Savoyen bei einem Schiffsunglück, um 1434 (Museo Abbaziale di Montevergine, Mercogliano)
  • Margarethe von Savoyen im Ahnenzyklus der Wittelsbacher, 1772/73, Kopie aus dem Amberger Schloss (Bayerisches Nationalmuseum München, NN3611)
  • Graf Ulrich V. von Württemberg und seine Ehefrauen, Altartafeln, um 1470 (Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, WLM 13721 und WLM 13722)
  • Briefe aus dem Bestand A 620 Nr. 260, Korrespondenz der Gräfin Margarethe von Savoyen, Hauptstaatsarchiv Stuttgart
  • Die „Hohenloher Kette“, um 1430 (Leihgabe des Fürstlichen Gesamthauses Hohenlohe, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, L 1984-252)


Kuratoren der Ausstellung: Prof. Dr. Peter Rückert, Dr. Anja Thaller

Ausstellungsmanagement: Julia Bischoff

Webredaktion: Eva Lanz, Inka Friesen, Johannes Renz, Julia Bischoff

Digitale Angebote: Julia Bischoff, Eva Lanz, Wolfgang Krauth, Kevin Körner, Teresa Möhrle, Anna Lena Weinmann, Ina Hensinger, Maximilian Koch-Erpach, Kevin Lesar, Maria-Magdalena Kühnhardt, Lina Dahlhaus, Katharina Ußling, Christian Müllerschön

Pädagogische Programme: Julia Bischoff, Eva Lanz, Tatjana Voll, Simon Männle