Die systematische Verfolgung und Ermordung von kranken, behinderten oder sozial stigmatisierten Menschen im Rahmen der sogenannten „Aktion T4" ab dem Jahr 1939 legte den Grundstein für weitere Massenmorde unter den Nationalsozialisten. Alleine die Aktion "T4" kostete bis zu ihrer Einstellung im August 1941 etwa 70.000 Menschen das Leben. Den darauffolgenden dezentralen Tötungsaktionen in Kliniken und Krankenhäusern fielen wohl mindestens 30.000 weitere behinderte und kranke Menschen zum Opfer. Auch kranke Zwangsarbeiter und Häftlinge in Konzentrationslagern wurden gezielt getötet. Insgesamt wurden im Rahmen der "Euthanasie"-Aktionen in ganz Europa etwa 200.000 bis 300.000 Menschen umgebracht. Opfervertreter gehen von einer noch größeren Zahl aus.
Seit 2014 gibt es in Berlin in der Tiergartenstraße 4 einen Gedenk- und Informationsort für die Opfer dieser Verbrechen. Hier wurde die Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen geplant und organisiert. Damit wird am historischen Ort der Täter über die »Euthanasie«-Verbrechen informiert und an die Opfer erinnert. Die Wanderausstellung »Die nationalsozialistischen ›Euthanasie‹-Morde« präsentiert die Inhalte, die am Gedenk- und Informationsort in Berlin gezeigt werden. Sie informiert über Vorgeschichte, Voraussetzungen und Durchführung der Patientenmorde, beschreibt die Bedeutung der Organisationszentrale in der Tiergartenstraße und erläutert weitere Mordaktionen gegen psychisch kranke und geistig behinderte Männer, Frauen und Kinder. Sie zeigt die Verbindungslinien zur Ermordung der europäischen Juden auf und beleuchtet das Verdrängen und Verschweigen der Morde nach 1945. Zehn biographische Skizzen von Opfern der Patientenmorde verdeutlichen die individuelle Dimension dieser Verbrechen. Ergänzend wird die Entwicklung des Gedenkens an die Morde dargestellt.
Das Staatsarchiv Ludwigsburg erinnert mit der Ausstellung an den Beginn der Krankenmorde in der württembergischen Tötungsanstalt Grafeneck vor 85 Jahren. Ergänzend zur Wanderausstellung werden Dokumente aus dem Staatsarchiv präsentiert, die das Schicksal der Opfer und die Reaktion der Angehörigen beleuchten, aber auch zeigen, mit welch bürokratischer Präzision die Morde durchgeführt wurden, und so einen Überblick über die im Staatsarchiv vorhandenen Archivalien über die Krankenmorde vermitteln.