26.03.2026 19:00 Uhr - 21:00 Uhr
Vortrag von Martin Rexer
Seit den 1980er Jahren tauchten Fotografien von Deportationen aus südwestdeutschen Krankenanstalten und Heimen (Eichberg, Stetten, Ursberg und Liebenau) in der Öffentlichkeit auf. Bilder, die vor Kliniken wartende Reisebusse zeigen, oft mit Patienten - Frauen, Männer und Kinder – welche vom Begleitpersonal der Busse, aber auch von Ärzten, Schwestern und Pflegern der betroffenen Anstalten zu den Fahrzeugen gebracht werden. Die Busfahrten gingen in eine der T4-Mordstätten, wo die „Fahrgäste“ in einer Gaskammer ermordet wurden. Einige der Aufnahmen haben geradezu ikonischen Charakter. Sie sind visuelles Zeugnis für den ersten organisierten Massenmord, der von 1940 bis August 1941 im Deutschen Reich stattfand. Das nach 40 Jahren des ‚Beschweigens‘ der heimischen Verbrechen die alten ‚Beweisfotos‘ nun an die Öffentlichkeit gelangen, deutet auf einen veränderten Umgang mit diesem staatlichen Verbrechen hin. Die Bilder der Gewalt und des Verbrechens, das legt auch das bundesweit agierende Sammel-Projekt „lastSeen: Bilder der NS-Deportationen“ nahe, sind heute wichtige Hilfsmittel, um die Krankenmorde zu thematisieren und die Dimensionen des Unrechts auszuloten.
Martin Rexer hat in den 1980er Jahren in Tübingen Kulturwissenschaft studiert und im Anschluss ein Volontariat am Landesmuseum Württemberg absolviert. Er hat 1990 zusammen mit Bodo Rüdenburg in Zwiefalten die erste Ausstellung zu den NS-Medizin-Verbrechen 1934 – 1946 an der dortigen staatlichen Heilanstalt erarbeitet. Die Ausstellung, die zum ersten Mal die Rolle der Zwiefalter Einrichtung als „Zwischenanstalt“ zur nahe gelegenen Gasmordanstalt Grafeneck thematisierte, ging danach an mehrere Ausstellungsorte in Württemberg. In der jüngsten Vergangenheit befasst er sich mit Formen der Gedenkkultur und speziell mit den Deportationen von Kliniken und Heimen im Zusammenhang mit den NS-Medizinverbrechen.
Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Förderverein Zentrale Stelle