Ausstellung des Hauptstaatsarchivs

Pinselstriche in der Todeszone. Württembergische Künstler sehen den Ersten Weltkrieg

Albert Heim

Albert Heim
HStAS, M660⁄260 Nr.9

Einen ganz und gar ungewohnten Blick auf das Kriegsgeschehen werfen die Aquarelle und Gouachen des gelernten Lithographen Albert Heim. Seine Bilder, die überwiegend in den Jahren 1915/1916 entstanden, brechen mit den stereotypen Mustern militärischer Selbstinszenierung; sie überraschen mit einer unbeschwert-persönlichen, ja geradezu schelmischen Note.

Den Anstoß zur Entstehung der bemerkenswerten Kriegsbilder hatte Heims Kommandeur, der württembergische Generalleutnant Theodor von Wundt, gegeben. Der ranghohe Offizier, der zu den Pionieren des Alpinismus gehört, war durch seine heitere, urwüchsige und kraftvolle Art in der Truppe überaus beliebt. Unter der preußischen Generalität erregte seine offenherzige Sprache jedoch Aufsehen. Auf Weisung Kaiser Wilhelms II. musste das schwäbische Original im August 1917 seinen Dienst quittieren.

Mit feinem Sinn für Ironie und Groteske vermitteln Heims Aquarelle, die in Wundts Nachlass die Zeiten überdauerten, einen spannenden Eindruck vom täglichen Leben in den Quartieren in Courcelette und Miraumont. Sie zeichnen eine fast ländliche Idylle, dokumentieren humorvoll das kameradschaftliche Miteinander und karikieren das unmittelbare Umfeld des Generals: beim Kartenspiel, bei Höhlenfesten, beim Kontakt mit Literaten.