Historische Ortsansichten: Trochtelfingen (Landkreis Reutlingen), Ansicht von 1717

Ausschnitt aus der Hohenzollern-Hechingischen Landkarte (Signatur: Staatsarchiv Sigmaringen K I Z/2 Bl.1) Kartograf: Johann Ulrich Stierlin, Zeugwart und Feldmesser auf Hohentübingen (1660 - nach 1717)
Ausschnitt aus der Hohenzollern-Hechingischen Landkarte (Signatur: Staatsarchiv Sigmaringen K I Z/2 Bl.1) Kartograf: Johann Ulrich Stierlin, Zeugwart und Feldmesser auf Hohentübingen (1660 - nach 1717)

Geschichtlicher Hintergrund:

Die erste Erwähnung Trochtelfingens stammt aus dem Jahr 1161. Der Ort wurde vermutlich im 13. Jahrhundert zur Stadt ausgebaut. Er war Mittelpunkt der von den Grafen von Werdenberg gebildeten kleinen Herrschaft Trochtelfingen. Im Jahre 1534 fiel diese im Erbweg an die Grafen von Fürstenberg. Im Zuge der Mediatisierung erhielt das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen 1806 die Souveränität über die Herrschaft. Trochtelfingen war bis 1861 Sitz eines eigenen Oberamtes. Danach gehörte es zum Oberamt Gammertingen, ab 1925 zum Landkreis Sigmaringen. Seit 1972 zählt Trochtelfingen zum Landkreis Reutlingen.

Johann Ulrich Stierlin bereiste im Sommer 1716 das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen, um im Auftrag des Fürsten Friedrich Wilhelm das Fürstentum zu kartieren. Als er sie in Hechingen überreichte, fand man dort eine ältere Karte. Stierlin überarbeitete deshalb sein Werk und stellte im Januar 1717 eine neue Version fertig, auf der die abgebildete Ortsansicht eingezeichnet ist.

 

Besonderheiten:

Die Ansicht zeigt Trochtelfingen von Norden. Der Kartograf bemühte sich um eine realistische Darstellung der stadtbildprägenden Gebäude. So sind hinter der Stadtmauer unschwer der Hohe Turm, das Schloss der Grafen von Werdenberg und die katholische Pfarrkirche St. Martin zu erkennen. Die rechts abgebildeten Wappen Württembergs (Hirschstangen), Hohenzollerns (Quadrierung) und Fürstenbergs (Adler) kennzeichnen die territorialen Besitzverhältnisse. Zur Vereinfachung der Waldzeichnungen druckte Stierlin die Baumbilder mit Hilfe eines Stempels auf die Karte. Mit der Anwendung dieser kartografischen Reproduktionstechnik war er seiner Zeit weit voraus.

 

Literatur:

Ruthardt Oehme: Geschichte der Kartographie des deutschen Südwestens. 1961


Tags:

Staatsarchiv Sigmaringen, Ortsgeschichte