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27.04.2026

Digitales Themenportal „Rechte Gewalt“ ist online

Themenportal Rechte Gewalt

Projekt von Bundesarchiv, Landesarchiv Baden-Württemberg und Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur

Ein neues Online-Themenportal „Rechte Gewalt“ ist ab sofort für Informationen und Recherchen nutzbar. Bundesarchiv und Landesarchiv Baden-Württemberg haben die digitale Plattform gemeinsam mit FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur aufgebaut. Das Angebot www.themenportal-rechtegewalt.de dokumentiert in einer ersten Ausbaustufe Ereignisse rechtsextremer und rechtsterroristischer Gewalt in Deutschland und gibt einen Überblick über relevante Archivunterlagen. Angesiedelt ist das Portal im Archivportal-D, einem Rechercheportal der Deutschen Digitalen Bibliothek. Perspektivisch sollen weitere Inhalte seit 1945 über einen Zeitstrahl sichtbar gemacht werden.

„Das Portal ,Rechte Gewalt‘ leistet einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Aufarbeitung in Deutschland sowie zur Sensibilisierung mit Blick auf fremdenfeindliche und rechtsextremistische Entwicklungen in der Gegenwart“, erklärte Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs. „Mit diesem Portal werden die Morde des NSU und auch alle anderen Opfer rechter Gewalt Teil der deutschen Erinnerungskultur. Sie sind nicht vergessen. Gleichzeitig wollen wir mit dem Portal die juristische Verfolgung der Taten dokumentieren“, sagt Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg.

Rechte Gewalt zieht sich durch die Geschichte Deutschlands, sowohl in der Bundesrepublik, als auch in der DDR. Ereignisse wie das Oktoberfestattentat in München 1980, die rassistischen Brandanschläge in Mölln und Solingen sowie die Pogrome von Erfurt 1975 sowie Hoyerswerda und Rostock Anfang der 1990er Jahre stehen für Tausende weiterer Ereignisse. In das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit waren sie zuletzt mit den Morden, Sprengstoffanschlägen und Banküberfällen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gerückt. Bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 hatten Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste einen rechtsextremen und rassistischen Hintergrund weitestgehend ausgeschlossen. Diese Fehleinschätzung löste eine breite Debatte aus und führte zur Einrichtung mehrerer Untersuchungsausschüsse auf Bundes- und Länderebene. Der Plan für die Aufarbeitung des NSU-Komplexes und für ein Archiv zu Rechtsterrorismus wurde 2021 in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) hatte darauf aufbauend Ende 2024 Bundesarchiv und Landesarchiv Baden-Württemberg mit der Entwicklung eines zunächst prototypischen Onlineportals im Zeitraum von 1945 bis heute beauftragt.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden in der ersten Ausbaustufe Dossiers als quellenbasierte Aufarbeitung zentraler Ereignisse rechter Gewalt. Die ersten sieben dieser Dossiers beschäftigen sich mit den Pogromen in Erfurt 1975 und Rostock-Lichtenhagen 1992, den Sendemasten-Sprengungen der „Lembke-Naumann-Gruppe“ 1979, dem tödlichen Anschlag der „Deutschen Aktionsgruppen“ 1980 sowie den Terroranschlägen der „Hepp-Kexel-Gruppe“ 1982 und mit zwei der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds von 2004 und 2007.

Das Themenportal übernimmt unterschiedliche Klassifikationssysteme rechter Gewalt von staatlichen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Beim Aufbau war es besonders wichtig, dass die Opfer und deren persönliches Umfeld in angemessener Form berücksichtigt werden. Angestrebt wird eine Dokumentation und Kontextualisierung der Ereignisse. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, einen Überblick über Unterlagen zu geben, die an verschiedenen Orten, bei staatlichen Stellen sowie zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen vorhanden sind. Für freie Archive besteht die Möglichkeit, ihre Sammlungen auf dem Themenportal zugänglich zu machen.

Koordiniert wird das Projekt vom Bundesarchiv, das auch die inhaltliche Konzeption des Themenportals steuert. Das Landesarchiv Baden-Württemberg ist für die Aufbereitung und Präsentation von Archivdaten verantwortlich. Die Dokumentationsstelle Rechtsextremismus in der Abteilung Generallandesarchiv Karlsruhe des Landesarchivs trägt als deutschlandweit einzige Einrichtung dieser Art an einem staatlichen Archiv mit ihrer fachlichen Expertise zum Projekt bei. FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur verantwortet technische Realisierung und den Betrieb des Themenportals. Zur fachlichen Auseinandersetzung ist für Oktober 2026 in Berlin eine Tagung unter dem Titel „Rechte Gewalt dokumentieren und archivieren: Herausforderungen und Lösungsansätze“ geplant.