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Landeskunde & Bildung >> Präsentationen und Inventare >> 20. Jahrhundert >> Nachweise für ehemalige Zwangsarbeiter >> Unterlagen über ehemalige NS-Zwangsarbeiter im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Unterlagen über ehemalige NS-Zwangsarbeiter im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS) erhält täglich Anfragen zu Nachweisen über Zwangsarbeit während des NS-Regimes. Im vergangenen Jahr haben uns rund 400 Briefe erreicht, im ersten Halbjahr 2001 etwa 270.
Die meisten von ihnen kommen aus der Ukraine und aus Polen, der Rest aus Russland, Slowenien etc. Die Anfragen werden direkt von den Betroffenen oder ihren Interessenvertretungen in den jeweiligen Ländern eingereicht. Sie können auch von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg bzw. verschiedenen Archiven anderer Bundesländer an das HStAS weitergeleitet werden.

Beispiel für eine individuelle Anfrage
So kann eine Anfrage aussehen. Bitte klicken Sie auf das Bild für eine lesbare Ansicht.

Seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im August 2000 ist die Zahl der Anfragen von ehemaligen NS Zwangsarbeitern deutlich gestiegen. Deshalb wurde im Juli 2000 beim HStAS eine zentrale Verteiler- und Koordinierungsstelle zur zügigen Bearbeitung dieser Anfragen eingerichtet.

Die meisten Betroffenen wissen aber nicht, dass das HStAS selbst über keine Akten mit Einzelfällen von Zwangsarbeit verfügt. Die Unterlagen zum Nachweis von Zwangsarbeitereinsätzen in Deutschland sind unvollständig, weit verstreut und zum Teil unübersichtlich. In vielen Fällen sind solche Unterlagen in Besitz von den Städten und Gemeinden, in denen Zwangsarbeit stattfand. Sie sind teilweise auch bundesweit in den Staatsarchiven zu finden.

Für das HStAS ergibt sich daraus die primäre Aufgabe, die Anfragen an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Meist an Kommunalarchive oder Staatsarchive Baden-Württembergs und anderer Bundesländer, ggf. auch ins Ausland (z.B. nach Frankreich oder Polen). Dort kann nach Überlieferungen und Nachweisen für einzelne Personen gesucht werden.

Doch bevor das HStAS die Anfrage an die zuständige Stelle weiterleiten kann, muss es den angegebenen Einsatzort eindeutig lokalisieren. Und das ist meistens der schwierigste Teil der Arbeit. Oft werden Einsatzorte falsch geschrieben, die geografische Beschreibung der Umgebung passt nicht zusammen usw. In solchen Fällen sind längere Recherchen und mitunter detektivisches Gespür notwendig, um die Orte genau zu identifizieren (z.B., "Jetzgrube" statt Erzgrube, "Geidegein" für Heidenheim u.ä.).

Titelblatt "Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich auf Grund der Volkszählung 1939"
Titelblatt eines der wichtigsten Nachschlagewerke

Um die Bearbeitung vor Ort zu beschleunigen, werden beim HStAS alle Anfragen, die auf Russisch oder Ukrainisch eingehen, ins Deutsche übersetzt, alle für die Suche relevanten Daten aussortiert und in ein speziell dazu entwickeltes Datenblatt eingetragen.

Mit dieser sorgfältigen Aufbereitung der Daten hofft das HStAS, die Recherchen an der Quelle so gut wie möglich zu unterstützen, damit die Betroffenen nicht lange auf Nachweise ihrer Zwangsarbeit warten müssen.

Akten zum Thema "Zwangsarbeit" im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Begriffsproblematik

Bei der Einsichtnahme in die einzelnen Büschel ergibt sich ein spezifisches Begriffsproblem. Bei der Bezeichnung "Zwangsarbeiter" handelt es sich um keinen Quellenbegriff. Vielmehr beschönigte der nationalsozialistische Sprachgebrauch den Umstand der Zwangsarbeit, indem er die Betroffenen meist als "Zivilarbeiter" oder "Ostarbeiter" ansprach. Diese die tatsächlichen Verhältnisse verschleiernde Ausdrucksweise findet sich auch anderweitig, so etwa in Formulierungen, wonach die Arbeiter "angeworben", aus dem Ausland "vermittelt" oder zum Arbeitseinsatz "hereingenommen" wurden. Es wird also sorgfältig vermieden, den Eindruck einer unfreiwilligen Arbeitsleistung zu erwecken. Für die Arbeit mit den Quellen bedeutet dies häufig, dass eine gewisse Unsicherheit darüber aufkommt, ob es sich tatsächlich um Zwangsarbeiter handelt. Eine Klärung ist daher oft nur aus dem Kontext möglich.

Akten und Bestände:

Grundlage für die vorliegende Aufstellung war eine systematische Überprüfung der primär als relevant betrachteten Ministerialbestände bis 1945 (EBestände des Hauptstaatsarchivs). Einschlägige Unterlagen fanden sich im Wesentlichen in den Ressorts des Staatsministeriums, des Innenministeriums, des Finanzministeriums und des Wirtschaftsministeriums. Der Begriff "Zwangsarbeiter" taucht in den Repertorien nur sehr selten auf, weshalb bei der Durchsicht der Findmittel insbesondere auf Schlüsselbegriffe aus den Themengebieten "Arbeit" und "Ausländer" geachtet wurde. Dies erwies sich als ein weitgehend zuverlässiges Kriterium.

Die überprüften, als relevant erachteten Büschel sind im Folgenden aufgelistet:

E 130 b: Staatsministerium

Bü. 1053 (1934-1944): Erlass des Reichsführers SS über die Ausstattung "ausländischer Arbeiter" mit Pass oder Passersatz (28.10.1941)

Bü. 1775 (1940-1945): Gesuche und Beschwerden, u.a. Einsatz von Arbeitskräften, darunter von Ostarbeitern

Bü. 1171 (1882, 1919-1944): Erlass des Reichsministers des Innern über die Teilnahme von Abordnungen der Beschäftigungsstelle an Beisetzungen von "Ostarbeitern und Polen" (27.10.1944)

Bü. 2813 (1920, 1940-1945): Erlasse des Reichsministers des Innern, des Beauftragten für den Vierteljahresplan sowie des Oberkommandos der Wehrmacht über Untersuchung und Entlausung von "Ostarbeitern" zur Bekämpfung des Fleckfiebers sowie über die Rückführung "nichteinsatzfähiger Ostarbeiter" (1940-1943)
Darin: Leeres Formblatt "Besichtigungsergebnis des Arbeitslagers der Ostarbeiter" (für Gesundheitsdienststellen und Gewerbemedizinalbeamte)

Bü. 2816 (1902, 1903, 1925, 1938-1943): Schnellbrief des Reichsministers des Innern zur Untersuchung französischer Arbeiter auf Typhus und Maßnahmen bei Krankheitsfällen (10.1.1942)

Bü. 3255 (1932-1935, 1941-1945): Rundschreiben verschiedener Stellen (Reichsminister des Innern, Reichsarbeitsminister, Reichswirtschaftskammer, Chef der Ordnungspolizei, Reichsführer SS) zur Errichtung von Bordellen für "fremdvölkische" Arbeiter, zum Vorgehen bei "Anwerbung", Transport und Überwachung sowjetischer Arbeiter, zu passtechnischer und ausländerpolizeilicher Behandlung von Arbeitern, zum Umgang mit nichtarbeitsfähigen Ostarbeitern, zur Beisetzung ausländischer Arbeitskräfte sowie zur Behandlung tuberkulosekranker Arbeiter (1941-1945)
Reichsgesetzblatt: "Verordnung über die Einsatzbedingungen der Ostarbeiter" (mit Entgelttabelle; Juli 42), Verordnung zur Durchführung und Änderung der Verordnung (mit Entgelttabelle, April 1943), "Verordnung über die Einsatzbedingungen der Ostarbeiter" (April 1944), "Polizeiverordnung über die Kenntlichmachung der im Reich befindlichen Ostarbeiter und -arbeiterinnen" (Juli 1944)
Broschüre "Die Arbeiter aus dem Osten. Ein Leitheft für deutsche Führungskräfte" (o.J.)

E151/03: Württembergisches Ministerium des Innern, Abt. III (Polizeiwesen)

Bü. 213 (1940): Anordnung über die Behandlung polnischer Fremdarbeiter

Bü. 1190 ((1883), 1913-1943): Einrichtung von Bordellen für "fremdvölkische Arbeiter" (u.a. in Friedrichshafen, Stuttgart, Sulz, Ulm). Insbesondere Errichtung eines Bordells für die in einem geschlossenen Barackenlager der Waffenfabrik Mauser in Oberndorf a.N. untergebrachten polnischen Arbeiter

E 151/54: Innenministerium, Abt. X (Gesundheitswesen)

Bü 115 (1900-1945): Medizinische Betreuung (Untersuchungen, Desinfizierungen, Behandlung in Krankenhäusern usw.) von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen; Erkrankungen (Fleckfieber u.ä.) unter den Zwangsarbeitern, Einsatz russischer Ärzte zur medizinischen Betreuung; zahlenmäßige Erfassung der in Baden-Württemberg befindlichen "polnischen Zivilarbeiter" nach Arbeitsämtern; Aufstellung von Gemeinschaftsunterkünften von Zwangsarbeiterinnen in Stuttgart; Mehrfertigung eines Fragebogens zu Besichtigungen von Arbeitslagern
Darin: Erkrankungen, Einzelfälle (jeweils mit Angabe der Beschäftigungsstelle)

Bü. 120 (1934-1945): Schnellbrief des Reichsministers des Innern zur seuchenhygienischen Überwachung von Arbeiterlagern (4.11.1941); Vermerk des Leiters des Staatlichen Gesundheitsamtes Göppingen über die ärztliche Versorgung der OT-Bauleitung Geislingen/Steige (mit griechischen und russischen Arbeitern) durch den Betriebsarzt der WMF (18.9.1944); Wehrkreisärztlicher Kurzbericht über einen Besuch des O.T.-Lagers Leonberg (14.3.1945)

Bü. 315 (1941-1944): Bestattungen von russischen "Zivilarbeitern" (mit Anfragen des Oberbürgermeisters von Ulm und des Landrats von Tettnang)

E 222 a: Finanzministerium

Bü. 39 (1937, 1940, 1943-März 1945): Staatl. Saline Wilhelmshall: Arbeiterstatistik Rechnungsjahr 1943; Staatl. Saline Friedrichshall: Arbeiterstatistik Geschäftsjahr 1943 (jeweils mit Erwähnung ausländischer Arbeiter); Lohnstatistiken der Salinen Wilhelmshall und Friedrichshall für das Jahr 1943 (mit Aufführung der Ostarbeiter in Friedrichshall); Bitte der Leitung der Staatl. Saline Friedrichshall um Ermächtigung zur Auszahlung einer Weihnachtsgratifikation an ausländische und Ostarbeiter

E 397: Wirtschaftsministerium

Bü. 45 (1939-1943): Mehrere Rundschreiben des Reichsarbeitsministers zur Rückbeförderung und Verpflegung von "polnischen Zivilarbeitern" und ehemaligen Kriegsgefangenen nach dem Ernteeinsatz (Juli-Dez. 40)

Bü. 65 (1939-1945): Diverse Rundschreiben und -erlasse des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, des Präsidenten des Landesarbeitsamts Südwestdeutschland und des Vorsitzenden des Getreidewirtschaftsverbandes über die Ernährung von Zivilarbeitern (u.a. Verpflegungssätze; Abgabe von Lebensmittelkarten); verschiedene Anfragen und Anträge von Landräten, Bürgermeistern und Firmen zur Lebensmittelversorgung polnischer und russischer "Zivilarbeiter" (1939-42); Namentliche Liste von ukrainischen Zwangsarbeitern der Firma Feinbau Maschinen-Gesellschaft (1943); Antrag auf Bewilligung einer Krankenzulage einer Arbeiterin aus dem Arbeiterinnenlager Schützenhaus in Weil im Dorf (1943)

Bü. 66 (1940-1945): Wie Bü 65; Aufstellung von Arbeiterrationen (nach Nationalitäten); Lebensmittelkarten; Aufstellung der bei der Firma Montanwerke Walter beschäftigen ausländischen Zivilarbeiter (Aug. 42); einzelne Namensnennungen im Zusammenhang mit Anträgen auf bes. Lebenmittelversorgung, Bezugsscheine

Bü. 67 (1940-1945): Verpflegung der Justizgefangenen; Häftlinge; Konzentrationslager

EA 2/801: Innenministerium, Staatsbeauftragter für das Flüchtlingswesen

Bü. 130, 131, 133, 134, 137, 149-186 (1945-1952): Aufnahme und Unterbringung von "heimatlosen Ausländern" (Displaced Persons):
Allgemeines und einzelne Lager

Siehe auch "Rechercheführer Zwangsarbeiter"