erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

Ausstellung: erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus
Ausstellung: erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus
14.03.2018

Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart

Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart und der Landtag von Baden-Württemberg präsentieren vom 28. Februar 2018 bis 27. April 2018 die Wanderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) "erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus". Die Ausstellung nimmt die Euthanasieverbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus in den Blick und widmet sich dabei gleichermaßen den strukturellen Rahmenbedingungen wie auch den ausführenden Verantwortlichen und den Opfern.

Kranke und behinderte Menschen gehörten zu den Verfolgten des Nationalsozialismus. Bis zu 400.000 Menschen wurden ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert, etwa 300.000 Männer, Frauen und Kinder wurden im Rahmen der NS–"Euthanasie" in Heil– und Pflegeanstalten ermordet. Bei der Selektion der Patienten wurde der vermeintliche "Wert" des Menschen zum leitenden Gesichtspunkt. Ärzte, Pflegepersonal und Funktionäre urteilten nach Maßgabe von "Heilbarkeit", "Bildungsfähigkeit" oder "Arbeitsfähigkeit" über die ihnen Anvertrauten. Menschen, die nach Maßgabe der NS–Rassenhygieniker als "lebensunwert" eingestuft wurden, waren aus der Volksgemeinschaft zu entfernen. Ihre Tötung sollte der "Gesundung des Volkskörpers" dienen und wurde gar noch als "Erlösung von ihrem Leiden" als gerechte Tat pervertiert.

Die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung auffälliger, kranker und als "störend" empfundener Menschen fand innerhalb des damaligen Anstalts– und Krankenhauswesens statt. Die Mordaktion verlief in verschiedenen Phasen. Mit Kriegsbeginn 1939 begann die Ermordung von Behinderten in den besetzten Gebieten. Ebenfalls bereits 1939 setzte die Tötung von Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen in den "Kinderfachabteilungen" ein. Schließlich folgte die mit dem Kürzel "T 4" (benannt nach dem Sitz der Reichskanzlei des Führers in der Berliner Tiergartenstraße 4) bezeichnete systematische Ermordung von Patientinnen und Patienten aus Anstalten des Deutschen Reichs. Bereits im Januar 1940 wurde als erste Anstalt in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb eine Gaskammer installiert; über 10.000 Menschen vor allem aus dem süddeutschen Raum kamen darin um.

Ergänzend zur Ausstellung finden im Hauptstaatsarchiv Stuttgart zwei Begleitveranstaltungen statt:

Mittwoch, 14. März 2018, 19.00 Uhr
Vortrag von Dr. Gudrun Silberzahn–Jandt
erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus am Beispiel Württembergs

Donnerstag, 12. April 2018, 19.00 Uhr
Vortrag von Thomas Stöckle M. A.
Bürokratie und Massenmord. Grafeneck und die NS-„Euthanasie“-Verbrechen 1940

Zur Ausstellung sind ein Ausstellungskatalog sowie ein Katalog in leichter Sprache an der Pforte des Hauptstaatsarchivs, im Buchhandel oder direkt über die DKPPN erhältlich.

Öffnungszeiten:

Montag 09.15–17.00 Uhr

Dienstag, Mittwoch 8.30–17.00 Uhr

Donnerstag 8.30–19.00 Uhr

Freitag 8.30–16.00 Uhr

Die Ausstellung bleibt an Karfreitag, 30.03.2018, und Ostermontag, 02.04.2018, geschlossen.

Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Vorträgen ist frei.

Öffentliche Führungen mittwochs 11.30 Uhr.


Informationen:

Landesarchiv Baden–Württemberg
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Konrad–Adenauer–Str. 4
70173 Stuttgart
Tel. 0711⁄2124335
Telefax 0711⁄212–4360
E-Mail: hstastuttgart@la–bw.de


Tags:

Ausstellung, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, 20. Jahrhundert