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21.10.2020

Gurs 1940. Die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Baden, der Pfalz und dem Saarland

Internierungslager Gurs (Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart EA 99/001 Bü 304 Nr. 1)

Am 22. Oktober 1940, dem vorletzten Tag des jüdischen Laubhüttenfestes, holten in Baden, dem Saargebiet und der Pfalz Polizeibeamte und Gestapoleute in der ersten großen Deportationsaktion deutscher Staatsbürger aus dem damaligen Deutschen Reich rund 6.500 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die jüdischen Glaubens waren oder die den Nationalsozialisten als Juden galten, aus ihren Häusern und Wohnungen. Sie wurden von Sammelpunkten aus in tagelangen strapaziösen Zugtransporten nach Gurs ins Vorland der französischen Pyrenäen verschleppt. Für zwei Drittel von ihnen bedeutete die Deportation den Tod. Entweder starben sie an Entkräftung, Krankheiten und Unterversorgung oder sie wurden ab August 1942 in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa verbracht und ermordet.

Anlässlich des 80. Gedenktags der Deportation nach Gurs hat das Landesarchiv Baden-Württemberg begonnen, eine Datenbank mit den Biogrammen der verschleppten Bürgerinnen und Bürger zu erarbeiten, um die Erinnerung an dieses Verbrechen wach zu halten. Jedes einzelnen Menschen soll in seiner Individualität und Würde gedacht werden.

Die Datenbank versteht sich als Einstiegshilfe zu den verstreuten biografischen Informationen über die Deportationsaktion des 22. Oktober 1940 und stützt sich somit stark auf die Forschungsergebnisse zahlreicher ehrenamtlicher Initiativen, Archive und anderer Kultureinrichtungen sowie von Institutionen der historisch-politischen Bildungsarbeit in den Ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Datenbank soll im Herbst 2021 fertig gestellt werden.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung der Stadt Karlsruhe zum 80. Jahrestag der Deportation am 22. Oktober 2020 wird die Datenbank in einer ersten Vorschau mit einigen Beispieldatensätzen präsentiert. Die Gedenkveranstaltung, die im Generallandesarchiv Karlsruhe stattfindet, wird durch einen Livestream am 22. Oktober 2020 ab 18.00 Uhr ins Internet übertragen.

Das Projekt wird federführend betreut durch das Generallandesarchiv Karlsruhe. Es entsteht in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie die Städte, Gemeinden und den Bezirksverband Pfalz, die in der Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs zusammenarbeiten.

Rückfragen und Anregungen zu dem Projekt sind willkommen: glakarlsruhe@la-bw.de


Tags:

Generallandesarchiv Karlsruhe, Berichte/Meldung/Information, Archivnutzung, Fachöffentlichkeit, Wissenschaft und Forschung, 20. Jahrhundert, Landeskunde