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23.01.2018

Der Dank des Vaterlands

Kriegsauszeichnung (glak)
Verleihung der Silbernen Verdienstmedaille am Bande der Militärischen Karl–Friedrich–Verdienstmedaille an den Gefreiten Karl Siegel 1918, der im Jahr 1944 durch das Sondergericht Mannheim verurteilt wegen Rundfunkverbrechen wurde.
Vorlage: GLA Karlsruhe 507 Nr. 5344

Im Jahr 2014 startete das Generallandesarchiv Karlsruhe seine preisgekrönte grenzüberschreitende und zweisprachige Wanderausstellung Menschen im Krieg 1914–1918 am Oberrhein — Vivre en temps de guerre des deux côtés du Rhin 1914-1918. Damit einhergehend wurde die Überlieferung des XIV. (Badischen) Armeekorps vollständig erschlossen. "100 Jahre Erster Weltkrieg 1914–1918" ist nicht nur ein Thema für die akademische Wissenschaft. Auch Heimat– und Familienforscher befassen sich im lokalen und familiären Kontext mit der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", wie viele Historiker den Ersten Weltkrieg bezeichnen.


Das Generallandesarchiv Karlsruhe verwahrt in der Überlieferung eine Fülle personenbezogener Unterlagen zu den badischen Kriegsteilnehmern des Ersten Weltkriegs. Ein sehr großer Teil von ihnen, die Kriegsstammrollen (Bestand 456 c), wird gegenwärtig digitalisiert. Es ist allerdings oft nicht einfach, in diesen Unterlagen gezielt Informationen zu einer gesuchten Person zu finden, besonders nicht bei Mannschaftsdienstgraden. Wenn die Einheit, bei der jemand seinen Militärdienst ableistete, nicht bekannt ist, gab es bis vor kurzem kaum eine Möglichkeit, fündig zu werden. Um die militärische Einheit zu ermitteln, konnte man hilfsweise die Lazarettunterlagen im Bundesarchiv–Militärarchiv Freiburg auswerten, oder man musste die über 20.000 Sammelakten des Badischen Staatsministeriums über die Ordensverleihungen des Ersten Weltkriegs durchsuchen. Dies war allerdings ein zeitraubendes Unterfangen, musste doch in jedem Einzelfall zuerst der Badische Staatsanzeiger ausgewertet und anschließend über die Ordenslisten die zugehörige Akte ermittelt werden. Dieses Verfahren war bei häufig vorkommenden Familiennamen praktisch nicht durchführbar.


Daher entschloss sich das Generallandesarchiv, jede einzelne Kriegsauszeichnung des Ersten Weltkriegs in den Sammelakten des Badischen Staatsministeriums (Bestand 233) zu erfassen. Hierbei wurden auch die nicht berücksichtigten Verleihungsvorschläge aufgenommen. Erst nach Abschluss der Arbeit offenbarte sich die Dimension dieses Projektes: fast 220.000 Namen können recherchiert werden. Über den Namen erfährt man im Regelfall die militärische Einheit, der der Gesuchte angehörte. Sofern diese Einheit bei Kriegsende 1918 noch bestanden hat, kann man über die Publikation des Reichsarchivs Potsdam "Die Abwicklungsstellen des deutschen Heeres" eruieren, wo die Akten dieser Einheit archiviert sein müssen. Die Unterlagen des XIV. Armeekorps sind im Generallandesarchiv Karlsruhe überliefert, die des XIII. Armeekorps im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, die Akten der beiden sächsischen Korps im Hauptstaatsarchiv Dresden und die der drei bayerischen Korps im Hauptstaatsarchiv München. Die Unterlagen der preußischen Armee wurden durch Kriegseinwirkung 1945 im Reichsarchiv Potsdam vernichtet. Da die Ordensakten nicht vollständig erhalten geblieben sind, kann auch die Auswertung der vorhandenen Registerbände zum Erfolg führen.