Aufbruch in ein fremdes Land – 200 Jahre deutschsprachige Einwanderung nach Brasilien
Auswanderungsgeschichten aus dem deutschen Südwesten
Überfahrtsvertrag der Schiffsagenten Steinmann & Co. in Antwerpen, 1860er-Jahre (LABW, HStAS E 146 Bü 1855)
Brasilien gehörte zu den prominentesten Auswanderungsländern im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei nimmt die deutschsprachige Einwanderung einen herausgehobenen Platz ein. Dies ist daran abzulesen, dass die deutsche Gemeinschaft in dem lateinamerikanischen Land zu den fünf größten zählt. Besonders die südlichen Bundesstaaten von São Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul waren das Ziel der deutschen Migrationsbewegung. Unter den Einwanderern befanden sich auch zahlreiche Menschen aus dem deutschen Südwesten. Sie machten sich aus vielerlei Gründen auf den Weg über den Atlantik. Einige wollten sich in der südlichen Hemisphäre eine neue Existenz aufbauen. Andere wollten der Verfolgung in Deutschland entgehen und in Lateinamerika Schutz suchen. Wieder andere bewegte ein missionarischer Gedanke zur Emigration. So manche kehrten nach Deutschland zurück, sodass die Migrationsgeschichte Brasiliens zugleich als deutsch-brasilianische Beziehungsgeschichte erzählt werden kann.
Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart präsentiert zu diesem Themenkomplex eine Wanderausstellung, die zuvor in Berlin (2024/2025) und Kiel (2025) zu sehen war und auf eine Initiative der Brasilianischen Botschaft in Berlin und des Instituto Guimarães Rosa zurückgeht. Durch die Ergänzung von ausgewählten Filmen, Fotografien, Schriftzeugnissen und audiovisuellem Material aus den Beständen des Landesarchivs Baden-Württemberg wird dabei eine dezidierte südwestdeutsche Perspektive eingenommen.
Das Titelbild zeigt das Gemälde „Die Bucht von Rio de Janeiro“ von Fritz Steisslinger (1891–1957) aus dem Jahr 1934.
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Ausgewählte Ausstellungsobjekte
Überfahrtsvertrag der Schiffsagenten Steinmann & Co. in Antwerpen, 1860er-Jahre (LABW, HStAS E 146 Bü 1855)
Siedler in der Kolonie Neu-Württemberg, um 1900, aus: „Korrespondenzblatt von Dr. Herrmann Meyer’s Ackerbaukolonien“, Nr. 3, März 1904 (LABW, HStAS M 660/034 Bü 6)
Kriegsstammrollenauszug von Ernst Naschold, 1917–1919 (LABW, HStAS M 430/2 Bü 1507)
Panorama der Stadt Ibirama von Martin Schmölz, Mitte 20. Jh. (LABW, HStAS P 45 Nr. 362)
Büste von Paul Aldinger in Ibirama, nach 20. April 1952 (LABW, HStAS P 45 Nr. 363)
Besiedelungsplan von Paul Aldinger für das Gebiet nördlich des Río Uruguay an der argentinisch-brasilianischen Grenze, 1928 (LABW, HStAS E 151/02 Bü 1165)
Porträt von Hugo Lindemann, ehemaliger württembergischer Arbeits- und Innenminister, ca. 1930 (LABW, HStAS EA 2/113 Nr. 21)