Archivale des Monats April/Mai 2005

Besetzt - befreit. Dokumente zum Kriegsende 1945

Foto der zerstörten Stuttgarter Stiftskirche
Die zerstörte Stiftskirche in Stuttgart

Zerstörte Städte und millionenfacher Tod, entwurzelte Menschen und unsägliches Leid sind die Bilanz des Zweiten Weltkrieges. Mit der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 endeten die Kampfhandlungen in Deutschland. Bereits am 22. April 1945 waren französische Truppen in Stuttgart eingerückt; Bad Cannstatt wurde von den Amerikanern besetzt.

In seiner Reihe "Archivale des Monats" erinnert das Hauptstaatsarchiv mit Fotos und Originaldokumenten an die Ereignisse vor 60 Jahren. Gezeigt wird das Elend der letzten Kriegsjahre: der tägliche Bombenterror, das Leben in Trümmern, die fanatischen Durchhalteparolen der NS-Führung, wie sie in den letzten Kriegsausgaben der damaligen deutschen Presse nachzulesen sind. Unscheinbar und doch beklemmend wirken einige Schriftstücke, die sich mit der Verbrennung toter KZ-Häftlinge in württembergischen Krematorien beschäftigen.

Nach der "Stunde Null" werden die kollektive Trümmerbeseitigung, die Internierung belasteter Nationalsozialisten, das Gedenken an die Opfer des Faschismus, die Unterbringung von Heimatvertriebenen und nicht zuletzt die Sorge ums tägliche Brot dargestellt. Der demokratische Neubeginn spiegelt sich in der ersten Kabinettssitzung der Regierung Reinhold Maiers vom 19. September 1945, in der man des von den Nazis hingerichteten Staatspräsidenten Eugen Bolz gedachte.

Für viele Stuttgarter Kultureinrichtungen bedeutete der Zweite Weltkrieg nicht nur den Verlust ihrer historischen Gebäude, sondern auch schwere Einbußen in den Sammlungsbeständen. Schon während der ersten Kriegsjahre hatte das Hauptstaatsarchiv besonders wertvolle Pergamenturkunden und Bände in Kellerräume des Württembergischen Landtags in der Kronprinzenstraße ausgelagert. Im Juli 1944 brannte das Gebäude bei einem Fliegerangriff vollständig aus. Erst 1946/47 konnten die verschütteten Panzerschränke aufgeschweißt und die teils ausgeglühten, teils verschmorten Dokumente geborgen werden. Im Mittelpunkt der Präsentation ist eine Auswahl des damals geborgenen und doch irreparabel zerstörten Kulturguts zu sehen, darunter ein Exemplar des Tübinger Vertrags von 1514, der "Magna Charta" des Herzogtums Württemberg. Darüber hinaus zeigt ein Ölgemälde des Kunstmalers Paul Kälberer (1896-1974) die Ruine des klassizistischen Archivgebäudes, die zu Beginn der 1960er Jahre abgetragen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Glücklicherweise hatte man das Gros der historischen Archivbestände frühzeitig aufs Land, in Bergwerke und Schlösser, verlagert, von wo sie nach Kriegsende ohne größere Verluste zurückgeholt werden konnten.


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Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Archivale des Monats, 20. Jahrhundert