Angebote für Schulklassen Staatsarchiv Wertheim

Die Bedeutung des außerschulischen Lernorts Archiv für den Unterricht sämtlicher Schularten und Klassenstufen ist heute allgemein anerkannt. Infolgedessen bekennt sich der Archivverbund Main-Tauber zur Archivpädagogik als einer seiner wichtigen Aufgaben und bietet den Schulen unterschiedlichste Möglichkeiten an: Das Angebot reicht von einfachen Archivführungen über interaktive Archiverkundungen bis hin zu intensiver Projektarbeit und ist für Schüler aller Jahrgangsklassen geeignet.

Um den für die Arbeit mit Archivalien nötigen Vorbereitungsaufwand auf beiden Seiten zu minimieren, entwickelte der Archivverbund Main-Tauber einen Themenkanon. Als erster Schritt wurde zunächst für (fast) jede Jahrgangsstufe ein Thema ausgewählt, zu dem eine Unterrichtseinheit im Archiv so vorbereitet wurde, dass sowohl die Lehrer als auch das Archiv diese "nur noch aus der Schublade ziehen" müssen. Da die Themen und die dazu ausgewählten Quellen in der Schule bekannt sind, kann zudem für die Archivarbeit der ideale Zeitpunkt im Verlauf des Schuljahres gewählt werden. Der Zusammenhang innerhalb des Lernfortgangs wird gewahrt.

Dieser Themen- und Quellenkanon wird im Folgenden mit seinen einzelnen Quellen konkret vorgestellt, die angegebenen Klassenstufen sind dabei nur als Richtwert zu betrachten. Er wird laufend erweitert. Auf besondere Interessen und Schwerpunkte einzelner Klassen und Gruppen wurde und wird dabei gerne eingegangen.

Allgemeine Lernziele

Die Schüler lernen im Archiv den Umgang mit authentischen Quellen - teilweise direkt am Original. Von Vorteil ist es, wenn bereits Übung in der Quellenarbeit besteht, unabdingbare Voraussetzung ist dies jedoch nicht. Da der an Quellen ausgerichtete Geschichtsunterricht im Klassenzimmer heute jedoch üblich ist, bringen die Schüler in der Regel nicht nur Erfahrungen mit Quellen, sondern auch das nötige Handwerkszeug zur Quelleninterpretation, wie etwa wichtige Fragen an den Text, und die Notwendigkeit zur Quellenkritik bereits mit. Gerade die Quellenkritik - und damit ganz allgemein die Medienkritik - lässt sich an Originalquellen besonders anschaulich erarbeiten. Allein schon die Tatsache, dass es sich bei den Quellen um einzelne Schriftstücke aus einem größeren Aktenzusammenhang handelt und nicht etwa um vereinzelte (bearbeitete) Texte in einem gedruckten (Lehr-)Buch, wirft unweigerlich die Frage nach der Herkunft und dem Entstehungszusammenhang des Schreibens, nach dem Schreiber sowie nach dessen mutmaßlicher Einstellung zum geschilderten Sachverhalt auf. Ganz nebenbei vollziehen die Schüler so im Kleinen den wissenschaftlichen Weg von unterschiedlichen Quellen zu einer fundierten Aussage nach.

Darüber hinaus führt der Archivbesuch an regional- und lokalgeschichtliche Themen heran. Da im Archivverbund Main-Tauber mit seinen Verbundpartnern Staatsarchiv Wertheim, Stadtarchiv Wertheim und Archiv des Main-Tauber-Kreises Unterlagen der Stadt Wertheim und der Region vorhanden sind, stehen die Texte der Lebenswelt der Schüler nicht nur in Hinblick auf die vorkommenden örtlichen Gegebenheiten und Personen, sondern auch auf manche Inhalte nahe, selbst wenn die Archivalien bereits mehrere Jahrhunderte alt sind.

Nicht zuletzt hat die Aura des authentischen Geschichtszeugnisses eine stark motivationssteigernde Wirkung, die allenthalben zu beobachten ist.

Ablauf einer Unterrichtseinheit

Eine Unterrichtseinheit im Archiv dauert insgesamt ca. 3 Stunden (inkl. Pausen). Der eigenen Quellenarbeit der Schüler ist eine an deren jeweiliges Alter angepasste Archivführung vorangestellt, in der die Institution Archiv und die Arbeit der Archivare allgemein und der Archivverbund Main-Tauber im Besonderen vorgestellt werden. Breiten Raum nehmen hierbei Originalquellen unterschiedlicher Art ein (Urkunden, Bände und Akten aus mehreren Jahrhunderten). Daneben wird auch eine propädeutische Einführung in die Archivarbeit unter den Fragen "Wie arbeite ich im Archiv" Wie finde ich zu meinen Quellen?" gegeben. (Gesamtdauer ca. 60 Minuten)

Daran schließt sich die Quellenarbeit der Schüler an. Zu einzelnen Themenkomplexen werden Arbeitsgruppen gebildet, in denen die Schüler jeweils unterschiedliche Quellen bearbeiten, deren Ergebnisse sie anschließend in Gruppenarbeit zusammentragen. Als Arbeitsgrundlagen werden Kopien bereitgestellt, doch auch die Originale liegen zur Einsicht bereit. Kurze Informationen zu den jeweiligen Themenkomplexen und Texten durch das Archivpersonal, das auch für weitere Rückfragen jederzeit zur Verfügung steht, erleichtern den Einstieg. (Gesamtdauer ca. 60 Minuten)

Abschließend stellen die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse dem Rest der Klasse vor, idealerweise am Overheadprojektor. (ca. 30 Minuten) Eine Schlussdiskussion beschließt den Archivbesuch. (ca. 15 Minuten)

Dem Leseproblem wird dadurch begegnet, dass möglichst Druckschriften oder - für das 20. Jahrhundert - maschinenschriftliche Quellen ausgewählt wurden. Stehen sinnvollerweise nur handschriftliche Archivalien zur Verfügungen, wurden diese für die Quellenarbeit transkribiert, wobei die Schüler durchaus zuerst mit den Handschriften konfrontiert und erst nach einer kurzen Bearbeitungszeit durch die Transkriptionen "erlöst" werden.