Digitalisierung von Entnazifizierungsakten aus dem Diplomatischen Archiv des Französischen Außenministeriums

 

Übergabe der ersten Digitalisate
Landesarchivpräsident Prof. Dr. Gerald Maier und der Direktor des Diplomatischen Archivs Nicolas Chibaeff bei der Übergabe der ersten Digitalisate im französischen Generalkonsulat Stuttgart am 14. Oktober 2021. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

Im August 2021 haben das Diplomatische Archiv des französischen Außenministeriums und das Landesarchiv Baden-Württemberg eine wegweisende Kooperation geschlossen. Vereinbart wurde die Digitalisierung und Onlinestellung der in La Courneuve bei Paris verwahrten Teile der südbadischen Entnazifizierungsakten aus der französischen Besatzungszone. Diese Unterlagen, die in insgesamt 912 Archivkartons mit einem Umfang von 90 laufenden Metern lagern, schließen wichtige Lücken im Spruchkammerbestand LABW, StAF D 180/2 des Staatsarchivs Freiburg.

Erwartet werden rund 1,6 Millionen Digitalisate, die im Laufe der nächsten Jahre sukzessive mit Erschließungsdaten des Staatsarchivs Freiburg verknüpft und unter Berücksichtigung der archivgesetzlichen Vorgaben online zugänglich gemacht werden. Die ersten Bilder übergab der Direktor des Diplomatischen Archivs dem Präsidenten des Landesarchivs bei einer Pressekonferenz im französischen Generalkonsulat in Stuttgart am 14. Oktober 2021.

Mit dem in dieser grenzüberschreitenden Form erstmaligen Digitalisierungsprojekt werden deutsche und französische Unterlagen zur Entnazifizierung parallel zugänglich gemacht und damit beide Sichten auf diesen Prozess der politischen Säuberung nach 1945 ermöglicht. Somit werden nicht nur wichtige genealogische, biografische sowie orts- und regionalgeschichtliche Fragestellungen unterstützt, sondern auch ein neuer Blick auf die französische Entnazifizierungspolitik ermöglicht. Das Vorhaben wird durch eine Förderung der Stiftung Kulturgut des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert.