25.11.2026 18:00 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Stephan Trüby, Stuttgart
Seit 90 Jahren ist das Deutsche Weintor im pfälzischen Schweigen ein beliebtes Ausflugsziel am Eingang zur Deutschen Weinstraße unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Die dem Elsass zugewandte Südseite des Bauwerks ziert ein Reichsadler. Unschwer ist zu erkennen, dass er einst in seinen Fängen ein von Eichenlaub umkränztes Hakenkreuz hielt. Das Weintor steht in einer Blickachse zum französischen Gefallenendankmal auf dem elsässischen Geisberg, dem Ort der Schlacht bei Weißenburg, wo im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erstmals ein gesamtdeutscher Heeresverband auf französische Truppen getroffen war. Die architektonische Gestaltung des Weintors und die Positionierung der beiden Bauwerke zueinander machen deutlich, dass Architektur mehr ist als Baustruktur - als soziales, historisches und ideologisches Äquivalent erzählt sie auch vom Selbstverständnis der Bauherren und deren Epoche.
Die multimediale Wanderausstellung Horizon/t, konzipiert von Arthur Schuman (Karlsruhe) und produziert von der Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand CCFA Karlsruhe und dem Europäischen Architekturhaus Straßburg, widmet sich dem Thema Architektur und Landschaft. Sie ist ab dem 6. November in der Stiftung CFFA in Karlsruhe, Karlstraße 52-54, zu sehen. Schuman macht es sich in seinem Projekt zur Aufgabe, die geschichtliche, architektonische und symbolische Einschreibung dieser Monumente in die Landschaft ringsherum filmisch zu erfassen. In einer neuen Videoarbeit wagt er den Versuch einer kollektiven Geschichtsinterpretation, die über Landesgrenzen hinweg auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen in Form radikaler, populistischer Strömungen verweist.
Begleitend zu dieser Ausstellung laden die Stiftung CCFA und das Generallandesarchiv Karlsruhe ein zu einem Abendvortrag von Stephan Trüby, Professor für Architekturtheorie und seit 2018 Direktor des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart. Von 2007 bis 2009 war er Gastprofessor für temporäre Architektur an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2020 betreibt er das Rechercheprojekt Rechte Räume und untersucht, wie Architektur und Stadtplanung zum Vektor der neuen Rechten werden. Gibt es eine rechtsradikale oder rechtspopulistische Vereinnahmung des bebauten Raums, und wie wird diese von breiten Gesellschaftsschichten unwissentlich mitgetragen?
Dieses Projekt ist ein EU-finanziertes Projekt im Rahmen des PAMINA-Kleinprojektefonds.