Provenienzforschung im Staatsarchiv Sigmaringen – Die Herkunftsgeschichte der Kunstsammlung Otto Staebler (Tuttlingen)

Termin

23.05.2022 20:00 Uhr

Vortrag von Dr. Marius Golgath

Provenienzforschung beleuchtet die Herkunfts- und Besitzgeschichte von Kulturgütern mit dem Schwerpunkt auf der NS-Zeit. 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Herkunft von zahlreichen Kunstwerken im öffentlichen Raum noch nicht geklärt. Der Eberbacher Stadtarchivar Dr. Marius Golgath, der bis 2019 mit einem Provenienzforschungsprojekt in der Abteilung Staatsarchiv Sigmaringen des Landesarchivs Baden-Württemberg betraut war, stellt in seinem Vortrag mit der Sammlung Otto Staebler den für Südwürttemberg bedeutendsten Fall seines Projektes vor. Die Historie der Kunstsammlung konnte anhand der Akten des Staatsarchivs geklärt werden.

Der Tuttlinger Industrielle Otto Staebler erwarb um 1942/43 wertvolle Gemälde bekannter Maler. Im Zuge des Projekts konnte im Januar 2019 eine von der Provenienzforschung gesuchte Liste mit 33 Gemälden ermittelt werden, darunter das Ölbild "Dame mit zwei Herren nach dem Diner" von Lovis Corinth, das aus einer jüdischen Kunstsammlung aus Berlin stammt und als verschollen gilt. Es wird auf der Website "lost.art" des Zentrums für Kulturgutverluste als gesucht gemeldet. Die neuen Forschungsergebnisse zu Otto Staebler werden aus der Perspektive der nach 1945 von Restitutionsforderungen betroffenen Personen thematisiert.

Anhand der Kunstsammlung Staebler wird aufgezeigt, wie die durch das Projekt gezielt in den Beständen des Staatsarchivs Sigmaringen erschlossenen Quellen zur Klärung bisher ungeklärter Abläufe beitragen und neue Ansatzpunkte für die Provenienzforschung liefern. Die detektivische Spurensuche in den archivischen Unterlagen ermöglicht Einblicke in die Entzugsmechanismen der NS-Zeit, in die dabei wirksamen lokalen Netzwerke und in die Praxis der Wiedergutmachung nach 1945.

Der Vortrag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Abteilung Staatsarchiv Sigmaringen des Landesarchivs Baden-Württemberg und des Hohenzollerischen Geschichtsvereins.

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