Stätten des Lebens – Eine Einführung in tausend Jahre jüdische Sepulkralkultur in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des jüdischen Friedhofs in Wertheim

Termin

07.06.2021 19:30 Uhr

Online-Vortrag von Nathanja Hüttenmeister, Essen

Jüdische Friedhöfe sind vielerorts die letzten noch sichtbaren Zeugnisse der langen jüdischen Geschichte in Deutschland. Über Jahrhunderte bewahren diese Orte wie ein steinernes Archiv das Andenken an die hier Ruhenden und nennen uns nicht nur die individuellen Namen und Daten, vielmehr zeichnen sie ein Bild von den Werten und Idealen einer Zeit und dem Wandel dieser Werte im Laufe der Jahrhunderte.

An der Gestaltung der Friedhöfe und der Grabmale lässt sich die Entwicklung ablesen von selten wohlhabenden, aber religiös hochgebildeten und traditionsbewussten kleinen jüdischen Gemeinden zum aufgeklärten, modernen städtischen Bürgertum.

Doch das Ensemble, die Zeichenwelt eines Friedhofs, gilt es zu deuten. Der Vortrag möchte eine Einführung geben in die Geschichte und Entwicklung jüdischer Friedhöfe in Deutschland, von ihrer Lage sowie Art und Weise der Belegung über die Gestaltung der Grabmale, die Bedeutung der vielfältigen Symbolik, den Inhalten der hebräischen und deutschen Inschriften bis hin zu den Spuren, die die junge und jüngste Geschichte hinterlassen haben.

Besondere Berücksichtigung findet dabei der jüdische Friedhof in Wertheim, der älteste erhaltene und bis ins 20. Jahrhundert genutzte jüdische Friedhof in Baden-Württemberg. Aufgrund der (fast) ununterbrochenen Tradition der Wertheimer jüdischen Gemeinde hat dieser Friedhof, der auch Verbandsfriedhof war und dessen ältester Grabstein aus dem Jahr 1405 stammt, eine besondere Bedeutung.

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