Der Landesvater — Historische Anmerkungen zu einem Topos der deutschen politischen Kultur

"Landesväter": Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern Hechingen (+1869)und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Vorlage: Stadt Hechingen, Aufnahme Thomas Jauch)
"Landesväter": Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern Hechingen (+1869)und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Vorlage: Stadt Hechingen, Aufnahme Thomas Jauch)
08.04.2019 20:00 Uhr

Vortrag von Professor Dr. Paul Münch, Bisingen–Wessingen

Die Bezeichnung "Landesvater" für Ministerpräsidenten deutscher Bundesländer begegnet in der Presse fast täglich. Wenn man verstehen will, warum dieser Ehrenname so populär ist, muss man weit in die Geschichte zurückblicken, genau genommen bis in die Römerzeit.

Professor Dr. Paul Münch erklärt in seinem bebilderten Vortrag, warum sich der "Landesvater"–Titel in Deutschland bis zum Ende der Fürstenherrlichkeit vor 100 Jahren, aber auch noch später einer großen Beliebtheit erfreute. Der letzte Hechinger Hohenzollernfürst Friedrich Wilhelm Konstantin wurde "Landesvater" genannt und gab selbst gerne den "Landesvater". Auch mancher Ministerpräsident unserer Tage findet Gefallen an dieser Rolle, obgleich die Unvereinbarkeit des gemütvollen Titels mit der Verfassung demokratischer Staaten auf der Hand liegt. Immanuel Kant hat schon vor zweieinhalb Jahrhunderten eine "väterliche Regierung" als "größten denkbaren Despotismus" gebrandmarkt.

Der Referent war einige Jahre als Volksschullehrer tätig, bevor er nach Studium, Promotion und Habilitation in Tübingen an der Universität Duisburg–Essen von 1984 bis 2006 als ordentlicher Professor Neuere Geschichte lehrte. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind Konfessions–, Sozial– und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit sowie Historische Anthropologie


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Vortrag, Staatsarchiv Sigmaringen