Fließende Räume

Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800
Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800
05.07.2017

Karten des Donauraums 1650–1800

Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800

Mit der “schönen blauen Donau” verbinden wir spätestens seit dem Walzer von Johann Strauß eine europäische Landschaft, deren Zentren Wien und Budapest zugleich Mittelpunkte des Habsburgerreichs bildeten. Das war nicht immer so: Erst in den militärischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen wurden im 18. Jahrhundert weite Teile Südosteuropas für den Kaiser erobert. Als ‘Türkenlouis’ erwarb sich Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden–Baden, Oberbefehlshaber der Truppen, militärischen Ruhm.

Doch erst die Werke von Kartografen brachten die unbekannten Landschaften ins Bild und erschufen so neue Regionen. Die Donau war das verbindende Element, das die im Zug der Türkenkriege erworbenen Gegenden zu einem einheitlichen europäischen Raum verknüpfte: vom Ursprung des Flusses bei Donaueschingen bis zur Mündung in das Schwarze Meer.

In subtiler Weise legitimierten die neu geschaffenen Donaukarten herrschaftliche Ansprüche und kulturelle Abhängigkeiten. Das Feindbild des “heidnischen und barbarischen Türken” fand auch auf diesem Weg schnelle Verbreitung. Es war nicht zuletzt die “Macht der Kartografen”, die den Donauraum erfand.

Die Ausstellung zeigt anhand von 70 wertvollen, oft erstmals ausgestellten Stücken die Entwicklung der Kartografie des Donauraums von 1650 bis 1800. Grundlage der Präsentation bildet die umfangreiche Sammlung von Karten und Plänen, die von den badischen Markgrafen zu militärischen Zwecken angelegt worden war. Stücke aus der Sammlung des Tübinger Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und privater Leihgeber aus dem In– und Ausland bereichern diese einmalige Schau.

Nach der Eröffnung in Karlsruhe macht die Präsentation als internationale Wanderausstellung Halt in zahlreichen Städten des Donauraums in Österreich, Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien. Sie lädt ein zu einer Reise in ein vielfach "unbekanntes" Europa und stellt die Frage, was wir in der Gegenwart als Europa begreifen und mit welchen Bildern wir einzelne Regionen in diesem “gemeinsamen Haus” verbinden.

Ergänzend zur Ausstellung finden vier Begleitveranstaltungen statt:

Freitag, 14. Juli 2017, 16 Uhr

Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts und der deutsche Südwesten: Räume — Akteure — Mythen

Josef Wolf M.A., Tübingen

Raumwissen und Kartografie, 1650–1800

Prof. Dr. Márta Fata, Tübingen

Karl Alexander von Württemberg. “Türkenkämpfer” und Statthalter Serbiens

Dr. Martin Stingl, Karlsruhe

Die Instrumentalisierung des ‘Türkenlouis’ in der NS–Zeit

Donnerstag, 21. September 2017, 18 Uhr

Dr. Olivia Spiridon, Tübingen

Brückenarmer Fluss. Literarische Überquerungen entlang der Donau

Dienstag, 10. Oktober 2017, 18 Uhr

Dr. Robert Born, Leipzig

Zwischen Furcht und Faszination. Ostmitteleuropa und der osmanische Orient in der Frühen Neuzeit

Dienstag, 24. Oktober 2017, 18 Uhr

Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann, Karlsruhe

‘Türkenfurcht’ am Oberrhein. Die Wandlung eines Feindbildes zwischen Mittelalter und Neuzeit

Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei. Vor den Veranstaltungen findet jeweils um 17 Uhr (am 14. Juli um 15 Uhr) eine öffentliche Kuratorenführung durch die Ausstellung statt.

Zur Ausstellung erscheinen zwei Begleitpublikationen:

“Fließende Räume. Karten des Donauraums, 1650–1800”, Ausstellungskatalog (Verlag Schnell & Steiner) und “Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts. Wahrnehmen — Wissen — Erinnern”, Aufsatzband (Verlag Schnell & Steiner).

Eine Auswahl digitalisierter Karten aus dem Bestand des Generallandesarchivs Karlsruhe finden Sie hier und hier.

Informationen

Öffnungszeiten:

Di–Do 8.30–17.30 Uhr

Fr 8.30–19 Uhr

So 13–17.30 Uhr

Mo und Sa geschlossen

Eintritt frei

Führungen nach Vereinbarung


Tags:

Ausstellung, Generallandesarchiv Karlsruhe, Ortsgeschichte