Am 4. Mai 1917 wurden im Winterberg-Tunnel bei Craonne am Chemin des Dames in Nordfrankreich circa 100 bis 150 Soldaten verschüttet. Die meisten Soldaten entstammten dem badischen Reserveinfanterieregiment 111. Ihre Leichen wurden nie geborgen, denn der Ort des Geschehens war nach Ende der Kampfhandlungen nicht mehr auffindbar.
Als jedoch mehr als ein Jahrhundert später der Eingang des Tunnels im Jahr 2020 wiederentdeckt wurde, entschloss sich das Landesarchiv Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., die damaligen Geschehnisse anhand der im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrten Quellen zu rekonstruieren und das Schicksal der betroffenen Menschen der interessierten Öffentlichkeit in einer Wanderausstellung näher zu bringen. Die Ausstellung startete 2022 im Generallandesarchiv in Karlsruhe und reist seither durch Deutschland, Frankreich und Belgien. Ab dem 19. Oktober gastiert die Ausstellung im Staatsarchiv Sigmaringen.
Zehn Stationen bieten eine eindrückliche Darstellung der Kampfhandlungen rund um den Winterberg-Tunnel, zeigen das Schicksal der verschütteten Soldaten des 111. Reserveinfanterieregiments und machen die Aufarbeitung der Tragödie sowie die archäologische Wiederentdeckung des Tunnels anschaulich. Darüber hinaus ergänzt das Staatsarchiv Sigmaringen die Ausstellung um eigene Exponate – schließlich waren auch zehn Soldaten aus Hohenzollern unter den Verschütteten. Neben einem Blick auf Einzelschicksale zeigen die Exponate zudem, wie der Erste Weltkrieg im ländlichen Hohenzollern erlebt wurde und wie durch staatliche Propaganda und Pressezensur der Tod von Millionen Menschen zum ‚Heldentod‘ verklärt wurde.
Die gesamte Ausstellung ist mit ihrem pädagogischen Begleitmaterial zugleich auf der landeskundlichen Internetplattform LEO-BW präsent, ergänzt durch eine wissenschaftliche Darstellung der damaligen Ereignisse sowie eine Datenbank mit 320 Biogrammen von beteiligten Soldaten.
Die Ausstellung wird am 19. Oktober um 18 Uhr im Staatsarchiv eröffnet. Zu diesem Anlass wird der Kurator der Ausstellung, Dr. Rainer Brüning (Generallandesarchiv Karlsruhe) einen Einführungsvortrag halten. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. spricht Oliver Wasem ein Grußwort. Wer an der Ausstellungseröffnung teilnehmen möchte, wird um eine Anmeldung per Mail oder Telefon gebeten. Das Staatsarchiv Sigmaringen freut sich, alle Interessierten zur Ausstellungseröffnung willkommen heißen zu dürfen.