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Landesarchiv >> Projekte >> Aufbau eines Archivportals-D

Aufbau eines Archivportals-D

gefördert durch die DFG
Projektbeginn: 01.10.2012, Projektende: 30.04.2017

Logo des Archivportals-D

Mit dem Abschluss des Projektes zum Aufbau eines deutschen Archivportals (Archivportal-D) werden nun dauerhaft archivische Kontaktinformationen, Erschließungsleistungen (Beständeübersicht, Findbücher mit Titelaufnahmen) und digitalisiertes und digitales Archivgut im Internet für die Nutzung bereitgestellt und präsentiert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie alle Nutzer von Archiven können hier übergreifend in allen verfügbaren Findmitteln der teilnehmenden Archive recherchieren und sich Suchergebnisse und ggf. digitalisierte Archivalien aus verschiedenen Archiven unterschiedlichster Träger wie Landes- und Staatsarchiven, Kommunalarchiven, Kirchenarchiven usw. anzeigen lassen. Vergleichende Recherchen in den Beständestrukturen mehrerer Archive werden dadurch wesentlich erleichtert und beschleunigt.

Die Präsentation von digitalisiertem Archivgut im Internet zählt zu den großen Herausforderungen von Archiven im Informationszeitalter. Institutionen- und spartenübergreifende Online-Informationssysteme für digitalisiertes Kulturgut und wissenschaftliche Informationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bislang wurden digital verfügbare Erschließungsdaten und Digitalisate lediglich von einzelnen archivischen Einrichtungen – sofern diese über Online-Informationssysteme verfügen – oder vereinzelt in regionalen oder archivtypspezifischen Portalen nachgewiesen; eine übergreifende Recherche war damit nicht möglich.

Daher realisierten das Landesarchiv Baden-Württemberg (Projektleitung), die Archivschule Marburg, das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, das Sächsische Staatsarchiv und FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektphasen das Archivportal-D.

Das zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt begann am 1.10.2012 und wurde von der Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder (KLA, vormals ARK), der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag (BKK) und dem Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) nachdrücklich unterstützt. Während der Eröffnungsveranstaltung des 84. Deutschen Archivtags am 24. September 2014 in Magdeburg wurde das Portal dann öffentlich freigeschaltet und ist seither für jedermann kostenfrei zugänglich. Die DFG bewilligte nach dem erfolgreichen Start des Archivportals-D eine weitere Förderung, so dass die Arbeiten seit 1. Juni 2015 in einem Fortsetzungsprojekt weitergeführt werden konnten (s.u.).

Das Vorhaben wurde als Teilprojekt der "Deutschen Digitalen Bibliothek" (DDB) umgesetzt, die allen Bürgerinnen und Bürgern einen spartenübergreifenden Zugang zu Kulturgut in deutschen Bibliotheken, Archiven, Museen, Mediatheken, Wissenschaftseinrichtungen und der Denkmalpflege bietet. Die Verknüpfung mit dem übergreifenden Portal ermöglicht es, dauerhaft von wertvollen Synergien zu profitieren, beispielsweise durch die Mitnutzung der Infrastruktur der DDB und der Prozesse zur Einbindung von Daten und Inhalten. Im Herbst 2016 verständigten sich nun die Deutsche Digitale Bibliothek und das Landesarchiv Baden-Württemberg auf ein Konzept, das den nachhaltigen Betrieb des Archivportals-D gewährleistet.

Schwerpunkte der Aufbauphase 2012-15

Da die Abbildung archivischer Erschließungsinformationen im spartenübergreifenden Kontext mit Informationsverlusten einhergeht, wurden für das Archivportal-D die datenhaltende Schicht angepasst und eine archivspartenspezifische Präsentationsschicht entwickelt, die die fachgerechte Darstellung von Tektonik, Klassifikation und digitalisiertem Archivgut ermöglicht. Außer der Anzeige sowie einem navigierenden Zugriff wurde auch die Recherche speziell auf die fachlichen Erfordernisse zugeschnitten. Personalisierte Funktionalitäten (Erstellung von Merklisten, Druck- und Downloadfunktion) sowie Serviceinformationen für die Nutzung von Archivgut sind ebenso realisiert worden.

Schon während der ersten Projektphase wurden mit Hilfe von Beratungs- und Datenaufbereitungsleistungen durch das Projektteam Erschließungsinformationen und Digitalisate in das Archivportal-D integriert. Mit einer Datenlieferung können gleichzeitig die DDB und das Archivportal-D bedient werden, da die beiden Anwendungen auf einer Schnittstelle aufsetzen. Um den hohen Aufwand bei der Erstellung und Anpassung von "Datenmappings" auf Dauer zu reduzieren und den Prozess der Datenintegration insgesamt zu vereinfachen, wurden vorhandene Ingest-Werkzeuge weiterentwickelt. Als Standardformat für Datenlieferungen dient EAD(DDB), ein Profil des internationalen Standards für den Austausch archivischer Daten – EAD (Encoded Archival Description). Dieses Profil wurde seit 2010 durch eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Landesarchivs Baden-Württemberg entwickelt und liegt seit Mai 2012 in einer ersten Version vor; Version 1.1 wurde im Sommer 2013 veröffentlicht.

Durch die Entwicklung von Schnittstellen zu anderen archivischen Portalen wie dem Archivportal Europa wurde das Archivportal-D in der Welt digitaler archivischer Angebote vernetzt und eingebunden.

Schwerpunkte des Fortsetzungsprojekts ab Juni 2015

Die zweite Förderphase diente der weiteren Konsolidierung des Systems und der Anreicherung des Archivportals-D mit einer größeren Menge an Inhalten (Daten-Ingest). So konnte beispielsweise die Portalteilnahme von Archiven, die bereits mit konkreten Vorarbeiten zur Beteiligung begonnen hatten, durch das Projektteam bei der Datenaufbereitung weiter unterstützt werden. Zum anderen sollten natürlich weitere Archiveinrichtungen für eine Lieferung von Erschließungsinformationen gewonnen werden. Ein weiteres Ziel war es, die Informationen über Archiveinrichtungen in Deutschland möglichst umfassend zu erfassen und im Portal nachzuweisen – die Adressen von über 2.500 Archiven sind nun online recherchierbar.

Weitere Ziele stellten die Gewinnung von Aggregatoren sowie die Dezentralisierung der Datenaufbereitungs- und Lieferungsprozesse dar. Archive wurden u.a. durch die Durchführung von Schulungen sowie durch die Bereitstellung von Dokumentationen und Workflows dazu unterstützt, selbstständig valide Datenlieferungen im Datenformat EAD(DDB) zu erstellen. Zudem wurde im Rahmen des Projektes eine Selbstbedienungskomponente umgesetzt.

Desweiteren war es von zentraler Bedeutung, mit Softwareherstellern hinsichtlich der Etablierung standardisierter EAD(DDB)-Schnittstellen in den Archiv- bzw. Erschließungssoftwares in Kontakt zu bleiben, denn hier gab es großen Handlungsbedarf. Zudem wurden die Funktionalität des Archivportals-D für die Anforderungen wissenschaftlicher Nutzer sinnvoll weiter ausgebaut. Insbesondere wurde ein normdatenbasierter Zugang zu Personen auf der Basis semantischer Verknüpfungen mit Entitäten der Gemeinsamen Normdatei (GND) für die Archivportal-D-Oberfläche eingerichtet. Voraussetzung für die institutionenübergreifende Vernetzung archivischer Erschließungsinformationen und ihre bessere Zugänglichkeit ist ihre Verknüpfung mit Normdaten bzw. der GND. Hierbei wurden im Zuge des Projekts Verfahren zur automatisierten Zusammenführung von archivischen Erschließungsinformationen mit Normdaten erprobt und evaluiert. Da die Verwendung von mobilen Endgeräten auch im wissenschaftlichen Umfeld rasant an Bedeutung gewinnt, wurde die Darstellung des Archivportals-D hierfür optimiert.

Siehe auch:

Informationsflyer zum Archivportal-D:

Ansprechpartner

Daniel Fähle M.A.
Christina Wolf