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Die virtuelle Ausstellung soll allen Interessierten vermitteln, was das für Dokumente sind, die in Archiven liegen und Möglichkeiten ihrer Auswertung aufzeigen.

Inhaltlich entspricht sie der Ständigen Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, zu der auch ein gedruckter Katalog vorliegt.

Spuren menschlichen Wollens, Handelns und Erleidens - der Titel greift eine Formulierung aus der archivarischen Fachdiskussion auf, die den Charakter des nutzbaren Archivguts besonders zutreffend beschreibt.1  Die Ausstellung soll Betrachter dafür sensibilisieren, dass archivalische Quellen immer nur Spuren sind, die es zu deuten, zu interpretieren gilt, dass das Vergangene nicht umfassend dokumentiert ist, sondern nur im Ausschnitt und stets aus einer bestimmten Perspektive. Und dass wir heute aus unserer eigenen, zeitbedingten Sichtweise heraus im Archiv in einen Dialog mit den Dokumenten treten, wenn wir diese Spuren "lesen".

Die Ausstellung richtet sich dabei an Besucher, die keine oder nur geringe Vorkenntnisse haben, nicht an den erfahrenen Archivbenutzer. Sie soll interessierten Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, was das für Dokumente sind, die in Archiven liegen, und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen. Gezielt wurde sie auch darauf ausgerichtet, Schülerinnen und Schülern sowie Studentinnen und Studenten einen Einstieg in den Welt der archivalischen Quellen zu bieten.

Die virtuelle Präsentation im Netz hat dabei freilich eine andere Qualität und bietet andere Zugänge als die begehbare Ausstellung im Hauptstaatsarchiv, in der das Archivgut unmittelbar gezeigt wird. Während die direkte Begegnung mit dem Exponat in der Vitrine die Aura und Faszination des Authentischen hat und das einzelne Stück in die sinnlich erfahrbare Gestaltung des Ausstellungsraums eingebunden ist, um dort zusammen mit anderen Exponaten auf der Grundlage eines ganzheitlichen Gestaltungskonzepts emotionale Wirkungen zu erzielen, steht auf dem Bildschirm stets isoliert das jeweilige Stück im Vordergrund, zu dem man aber über unterschiedliche Zugänge gelangen kann, die vor Ort in dieser Weise nicht möglich sind. Virtuelle Präsentationen können und sollen nicht das Abbild einer physischen Ausstellung sein, auch wenn in ihnen dieselben Exponate aufbereitet sind und dieselben Inhalte vermittelt werden.

Als unmittelbare Begegnung mit dem Archivgut, als sinnliche Erfahrung des vorsichtig ausgeleuchteten Archivguts in einem dunklen Raum, der so den starken Eindruck einer Schatzkammer hinterlässt, kann nur die begehbare Ausstellung wirken, dies kann die virtuelle Präsentation am Bildschirm nicht ersetzen. Dafür bietet sie aber Zugänge, die als solche im Ausstellungsraum nicht gegeben sind und hinsichtlich der Zugriffsmöglichkeiten einen "Mehrwert" darstellen: Mit einem Mausklick können Verknüpfungen und Sortierungen bewirkt werden, die eine inhaltliche Durchdringung und Auswertung erleichtern: So kann man sich unter dem Stichwort Siegel alle Exponate mit Siegeln zusammenstellen, auch wenn sie in der realen Ausstellung in verschiedenen Vitrinen liegen, unter "Bildliche Darstellungen" alle Archivalien mit Bildern oder unter "Bauern und Leibeigene" alle Dokumente, die etwas über die bäuerliche Bevölkerung aussagen. Mithilfe einer Zeitleiste, die vom 9. bis zum 21. Jahrhundert reicht, kann eine Zeitreise durch die Welt der historischen Überlieferung unternommen werden.

Natürlich ist am Bildschirm auch ein Gang durch die Ausstellung in der Abfolge der Exponate möglich. Und da in der physischen Ausstellung vertiefende Informationen zu einzelnen Stücken in Schubladen geboten werden, die bei Interesse aufgezogen werden können, war dies natürlich ganz besonders dazu geeignet, im Internet umgesetzt zu werden. Dasselbe gilt für alle interaktiven Elemente der Dauerausstellung, vor allem für die darin zunächst anonym präsentierten Autographen berühmt-berüchtigter Persönlichkeiten, die man erraten soll. Finden sich im Ausstellungsraum die Lösungen dazu ganz einfach in der Schublade, so ist dieser Teil der Ausstellung im Internet zu einem kleinen interaktiven Ratespiel mit Punktezählung ausgestaltet. Mittelfristig soll die virtuelle Ausstellung um ein entsprechendes Modul zur Schriftdatierung erweitert werden.

Überhaupt steht das interaktive Element in der virtuellen Ausstellung im Vordergrund. Die einzelnen Exponate können in einem neuen, besonderen Modul betrachtet werden, dass die Möglichkeit bietet, die Darstellung des Objektes in vielfältiger Weise zu modifizieren. Nicht nur die Größe des Gesamtbildes kann verändert werden, sondern es kann auch, wie mit einer Lupe, ausschnittweise untersucht werden. Das ist besonders bei Archivalien mit sehr großem Format von Vorteil, die gleichzeitig eine sehr starke Detaillierung aufweisen, wie z.B. Pläne oder umfangreiche Urkunden. Der Betrachter behält so den Überblick über das Gesamtdokument und kann gleichzeitig jeden beliebigen Bildbereich genau fokusieren. Das Ausschnittfenster kann auch in ein Zeilenzoom verwandelt werden. Somit kann der Benutzer das Dokument in bequemer Weise lesen, ohne das Gesamtbild so stark vergrößern zu müssen, dass die Datenübertragungsrate des Internet zum Problem wird. Andererseits haben Benutzer, die über einen Internetzugang mit hoher Übertragungsrate verfügen, die Möglichkeit das gesamte Bild sehr stark zu vergrößern und mit der Maus unter Ausnutzung der gesamten Bildschirmfläche frei zu verschieben.

Zu einzelnen Exponaten werden außerdem Transkriptionen bereitgestellt. Das paläografische Selbststudium wird dadurch erleichtert, dass der Benutzer in einem eigenen kleinen Fenster die Umschrift des jeweiligen Textabschnitts einsehen kann, während er das Dokument von Zeile zu Zeile abtastet. Tafeln mit Schriften aus den verschiedenen Epochen bieten weitere Hilfestellung beim Studium der historischen Objekte.

Das Bildpräsentationsmodul ermöglicht auch das Drehen des Bildes, was z.B. bei Siegeln von Vorteil sein kann. Bei Objekten die nicht gleichmäßig belichtet werden können, wie z.B. Urkunden mit sehr hartem, welligem und an verschiedenen Stellen gefalztem Papier, kann die Lesbarkeit durch Variieren des Helligkeitswert des Bildes verbessert werden. Funktionen, die bereits in den Bereich der Bildverarbeitung gehören, können also direkt im Internet genutzt werden, um die detaillierte wissenschaftliche Untersuchung historischer Quellen zu erleichtern und für einen großen Benutzerkreis überhaupt erst zu ermöglichen, ohne dass das Archivale selbst in Mitleidenschaft gezogen wird.

Innerhalb der virtuellen Ausstellung führen Links zu einschlägigen Angeboten im Netz im wahrsten Sinne des Wortes weiter. Selbstverständlich ist sie auch in vielfältiger Weise mit dem übrigen Internetangebot des Landesarchivs verknüpft. Es lassen sich von den einzelnen Exponaten aus die entsprechenden Seiten der Online-Gesamtübersicht oder des Online-Findbuchs aufrufen, so dass man sich über ihren Überlieferungszusammenhang und Entstehungskontext informieren kann. Und so kann man zum Beispiel von einem Abschnitt, der sich mit der Übernahme von Unterlagen aus den Ministerien in Baden-Württemberg befasst, auf die im Netz hinterlegten Informationen zur Aktenaussonderung und Überlieferungsbildung gelangen.

Inhaltlich wurde die virtuelle Ausstellung ebenso wie ihre begehbare Vorlage vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart bearbeitet, während die technische Umsetzung, also die Stukturierung, Programmierung und optische Gestaltung der Internetpräsentation, beim IUK-Referat des Landesarchivs lag.

Robert Kretzschmar und Thomas Fricke



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1) Vgl. Siegfried Büttner: Ressortprinzip und Überlieferungsbildung. In: Aus der Arbeit der Archive, Beiträge zum Archivwesen, zur Quellenkunde und zur Geschichte. Festschrift für Hans Booms. Hrsg. von Friedrich P. Kahlenberg (Schriften des Bundesarchivs 36). Boppard 1989. S. 160. - Die in der Ausstellung zitierte Textstelle aus diesem Beitrag (vgl. unten den Beginn des Katalogs), wurde in den letzten Jahren mehrfach im Rahmen der Bewertungsdiskussion zitiert; vgl. z.B. Robert Kretzschmar: Die "neue archivische Bewertungsdiskussion" und ihre Fußnoten. Zur Standortbestimmung einer fast zehnjährigen Kontroverse. In: Archivalische Zeitschrift 82 (1999) S. 28.





























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