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Archivale des Monats Dezember 2019

Briefe aus dem Priesterblock des KZ Dachau

"Wir KZ-Häftlinge haben hineingeschaut in das Gesicht des Teufels!"

Kurt Habich in Häftlingsuniform.
Kurt Habich in Häftlingsuniform.

79 Briefe aus der Hölle – die Schreiben des katholischen Priesters Kurt Habich sind ein einzigartiges Dokument über die Barbarei und Willkür im SS-Staat. Die Briefe des Häftlings Nr. 33687 aus Block 26 dokumentieren Alltag, Terror und Erniedrigung im Dachauer Konzentrationslager.

Kurt Habich wurde am 30. Januar 1912 in Lahr geboren. Nach dem Studium der katholischen Theologie und der Priesterweihe in Freiburg 1937 wirkte er als Vikar in Karlsdorf, wo er bereits die Unvereinbarkeit von christlich-katholischem Glauben mit dem NS-Weltanschauungsmonopol zu spüren bekam. Die Gestapo schrieb seine Predigten mit und durchsuchte das Pfarrhaus nach Flugblättern. Nach Pforzheim versetzt, protestierte er 1941 gegen die Ausstrahlung des Propagandafilms "Ich klage an", der den Krankenmord legitimieren sollte. Nachdem ein Schüler Habich denunziert hatte, den Film mit den Worten, "dass das Beseitigen von sog. lebensunwerten Leben Mord sei" kommentiert zu haben, verhaftete ihn die Gestapo am 25. März 1942. Am 8. Juni 1942 nahm ihn die Gestapo erneut in sogenannte Schutzhaft und warf ihm vor, "das Vertrauen der Jugend zur politischen Führung untergraben" zu haben.

Habich wurde am 7. August 1942 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Von den SS–Wachmännern mit den Worten "Hier kommen Sie nie wieder raus! Sie Verbrecher!" empfangen, wurde der Häftling Nr. 33687 im (Priester–)Block 26 zu schwerer körperlicher Arbeit im Häftlingskommando Kräutergarten ("Plantage") gezwungen sowie mit Folter und Isolationshaft bedroht. Hunger und Erniedrigung waren seine steten Begleiter. Auf Seelsorge, insbesondere die Einbeziehung von Polen oder Russen, derer Habich sich annahm, stand in Dachau ebenso die Todesstrafe wie auf Taufe oder Beichte.

Am 28. März 1945 aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen, litt Habich unter den gesundheitlichen Folgeschäden seines Freiheitsentzugs. Als Überlebender des NS–Terrors war ihm ein besonderes Anliegen, seine Erlebnisse mitzuteilen. Bereits im Frühjahr 1945 berichtete er in Bräunlingen über seine Leidenszeit im KZ Dachau. In der Nachkriegszeit hielt er in der Erzdiözese Freiburg Vorträge über die Rolle der katholischen Kirche in der NS–Zeit, in denen er sich kritisch mit dem Verhalten der Kirchenleitung auseinandersetzte. 1993 erhielt er für sein beharrliches Engagement als Zeitzeuge der NS–Willkürherrschaft das Bundesverdienstkreuz. Er starb am 9. September 1997 in Staufen.

Der durch Schenkung an das Generallandesarchiv Karlsruhe gelangte Nachlass Kurt Habichs enthält neben Unterlagen über das Nachleben des Geistlichen vor allem eine umfangreiche Sammlung seiner Briefe aus verschiedenen Haftanstalten des "Dritten Reichs".

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden–Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe N Habich 1.