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HZAN Oe 200 Bd. 100

2. Urbare (Lagerbücher, Beraine, Salbücher)

Urbare sind eine Vorform der Güterbücher (19. Jahrhundert) und der heutigen Grundbücher (als Nachfolger der Güterbücher eingeführt ab dem 1.1.1900). Dabei handelt es sich um Verzeichnisse über Besitzungen und regelmäßige Einkünfte aus den Liegenschaften, die einer bestimmten Herrschaft an einem konkreten Ort gehören. Urbare führen neben den Einkünften und den Besitzungen, aus denen diese Einkünfte hervorgehen, aber auch die Personen auf, welche die jeweiligen Abgaben zu erbringen hatten. Im Zusammenhang mit der Nennung von Gebäuden oder Grundstücken werden zudem die Besitzer der angrenzenden Gebäude oder Grundstücke (sog. "Anstößer") genannt, je nach Örtlichkeit aber auch angrenzende Gassen, Bäche oder benachbarte Gebäude usw., unabhängig davon, ob die jeweilige Herrschaft auch Rechte an diesen angrenzenden Gebäuden oder Grundstücken besaß.
Ausgegebene Lehen und abgabenfreies Eigentum der Untertan werden eher selten aufgenommen.

HZAN Oe 200 Bd. 304

Urbare wurden oft über mehrere Jahrzehnte fortgeschrieben, ehe man sich entschloss, ein neues Exemplar mit den aktuellen Besitzverhältnissen anzufertigen. Ein solches Urbar führt dann nicht nur den Besitzer zum Anlagezeitpunkt des Urbars, sondern auch seine Besitznachfolger auf – ohne dass die Reihenfolge im Urbar allerdings immer mit der zeitlichen Abfolge identisch wäre.

Urbare wurden von Klöstern, vom Adel, Kirchen, Spitälern, aber auch von bürgerlichen Grundbesitzern angelegt, also von Herrschaften, Institutionen und Personen, die Abgaben aus von anderen Personen bewirtschafteten Liegenschaften erhielten. Aufgrund ihrer Bedeutung sind sie fast überall und (fast) vollständig bis heute erhalten. Urbare sind insofern eine wertvolle Hilfe auch für die Familienforschung – zumal es sie schon im 14. Jahrhundert gab, während Kirchenbücher erst im 16./17. oder gar 18. Jahrhundert angelegt wurden.

Aufbau

Wurde ein Urbar im Spätmittelalter oft zu mehreren benachbarten Orten angelegt, so umfassen sie später häufig nur mehr einen einzigen Ort. Häufig beginnt das Urbar mit einer Übersicht der Rechte, die die Herrschaft vor Ort beanspruchte. Auf die sonstigen Regeln und Gewohnheiten des Ortes folgt das eigentliche Herzstück der Bände: die Übersicht über Besitzungen und Einkünfte der jeweiligen Herrschaft.

Dieser zentrale Teil kann nach Personen geordnet sein, deren ganzen Besitz dann in einem Block erläutert wird; üblich ist aber auch die Ordnung nach den Grundstücksarten, so dass zuerst die Höfe, dann die Äcker, Wiesen, Weinberge, Waldungen usf. aufgeführt werden – in diesem Fall findet sich der Besitz einer einzelnen Person über das ganze Urbar zerstreut an verschiedensten Stellen wieder. Die Anstößer (Anrainer) werden jeweils zum betroffenen Grundstück genannt, dessen Lage ihre Nennung näher beschreiben soll.

Es kann vorkommen, dass ein Urbar am Ende durch ein Namensverzeichnis erschlossen wird. Allerdings ist es möglich, dass ein solcher Index dann nur diejenigen Personen aufführt, welche die jeweiligen Gebäude und Grundstücke zum Zeitpunkt der Niederschrift des Urbars innehatten und Nachträge unberücksichtigt blieben.

"Bedienungsanleitung" für die genealogische Auswertung von Lagerbüchern

Um eine Person oder Familie in einem Urbar nachweisen zu können, muss man zunächst deren Wohnort kennen. Über Hilfsmittel wie das landeskundliche Informationssystem www.leo-bw.de (dort unter dem jeweiligen Ort in der Rubrik "Ortsgeschichte") ist dann zu ermitteln, welche Person oder Institution damals Besitz oder Herrschaftsrechte im betreffenden Ort hatte; denn in deren Urbar-Serie muss nun weiter gesucht werden. Infrage kommen der Landes- und Ortsherr, Adelsfamilien, Hochstifte und Klöster, Spitäler, Kirchen ... Bitte beachten Sie dabei, dass auch in ein und demselben Dorf oft nicht nur eine, sondern mehrere unterschiedliche Personen und Institutionen Besitz und Herrschaftsrechte innehatten. Sie müssen also oft in den Urbar-Serien mehrerer Herrschaften suchen, um die gewünschten Personen zu finden.
Liegt eine Edition von Urbaren der ermittelten Orts- oder Grundherren vor, greifen Sie auf diese und das enthaltene Personenregister zurück. Ist eine Edition nicht vorhanden, finden Sie die gewünschte Information im Original im Archiv.

Urbare verzeichnen die Einkünfte gegliedert nach Orten. Suchen Sie daher zunächst den Abschnitt zum jeweiligen Ort, bevor Sie nun die aufgeführten Personennamen durchgehen. Beschränken Sie sich dabei zunächst auf die Namen der meist am Seitenkopf oder am Zeilenanfang stehenden oder durch eine Auszeichnungsschrift hervorgehobenen Abgabepflichtigen sowie die Namen von deren Besitznachfolgern (sofern das Urbar fortgeführt wurde).

Finden Sie den gesuchten Namen nicht, sehen Sie in einem zweiten Schritt die Anstößer durch.

HZAN Ki Bd. 74

Die zeitliche Abfolge der Besitzer eines Hofes ergibt sich am Ende des 18. und im 19. Jahrhundert oft daraus, dass die Nachtragungen in einem fortgeführten Urbar mit Jahreszahlen versehen sind.

Davor hilft in vielen Fällen die Reihenfolge der Eintragungen, mitunter aber auch ein Vergleich der Tintenfarbe, der Handschrift oder überhaupt deren zeitliche Einordnung.

HZAN Oe 200 Bd 180

Dabei korrespondiert die Tintenfarbe, mit der ein Name durchgestrichen wurde, normalerweise mit derjenigen, in der der nächste Besitzer notiert wurde – schließlich geschah dies in einem Zug. Suchen Sie also zunächst die ursprüngliche Eintragung, die an der ursprünglich vorgesehenen, dominanten Stelle notiert ist und die Tintenfarbe sowie die Handschrift des Gesamteintrags aufweist. Diejenige Tintenfarbe, mit der dieser Name durchgestrichen ist, ist dann im Normalfall identisch mit der Tintenfarbe, in welcher der erste Nachbesitzer (oft schon in einer anderen Handschrift) eintragen ist usw. Dabei ist der erste Besitznachfolger häufig an eine Stelle geschrieben, die ebenso gut ins Auge fällt, während die letzten Nachtragungen irgendwo zwischen die Zeile "hineingequetscht" oder unter oder über den Namensblock geschrieben werden.
Kommen Sie auf diese Weise nicht weiter, weil die Tintenfarbe nicht unterscheidbar ist, die Tinte im Schreibprozess gewechselt wurde oder die Handschriften zeitlich nicht klar einordnbar sind, so hilft nur der Blick in andere Quellen derselben Zeit, etwa die Kirchenbücher (um die genannten Personen auf diese Weise in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen) oder die Kaufbücher (um den Besitzwechsel dort verzeichnet zu finden).

Vertiefte Informationen zur Quellengattung der Urbare finden Sie in der Südwestdeutschen Archivalienkunde, Artikel Urbare.