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Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Aktuelles der Abteilung >> Ans Licht geholt >> Verzeichnung des Bestandes M 33/1 Generalkommando des XIII. (königlich–württembergischen) Armeekorps, 1871–1914

Verzeichnung des Bestandes M 33/1 Generalkommando des XIII. (königlich–württembergischen) Armeekorps, 1871–1914

M 33/1: Wertvolle Unterlagen aus der "Friedenszeit"

16.05.2019

Albrecht Herzog von Württemberg in Uniform zu Pferd (Gemälde 1917/18)
Albrecht Herzog von Württemberg in Uniform zu Pferd (Gemälde 1917/18)

Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 703 R104N1

Der Bestand M 33/1 umfasst das Schriftgut des württembergischen Generalkommandos, das im Dezember 1871 in Stuttgart errichtet wurde. Als oberste Kommando– und Verwaltungsbehörde im Bereich des XIII. Armeekorps war es für die württembergischen Truppen verantwortlich, die einen Großverband der deutschen Armee bildeten.

Das Generalkommando war insbesondere für die Mobilmachung und Landesverteidigung zuständig. Im Frieden kümmerte sich die Behörde um die Ausbildung und Ausrüstung der Truppen sowie um ihre Verpflegung, Unterbringung und ärztliche Versorgung. Geführt wurde das Generalkommando von einem Kommandierenden General, der vom württembergischen König im Einvernehmen mit dem Kaiser ernannt wurde. Der bekannteste Kommandierende General des XIII. Armeekorps war Albrecht Herzog von Württemberg (1865–1939), der die hohe militärische Führungsstelle von 1908 bis 1913 bekleidete. Die Mobilmachung im Sommer 1914 führte zu einer Aufgliederung des württembergischen Generalkommandos. Im Großen Krieg bestand neben dem an die Front verlegten mobilen Generalkommando ein sogenanntes "Stellvertretendes Generalkommando" in Stuttgart.

Da die Unterlagen des Generalkommandos aus der Zeit vor 1914 im Unterschied zu den Akten des Generalkommandos beziehungsweise des Stellvertretenden Generalkommandos aus den Kriegsjahren (Bestände M 33/2 und M 77/1) bisher nur unzureichend erschlossen sind, begann das Hauptstaatsarchiv Stuttgart Anfang 2019 mit einer Neuverzeichnung des historisch bedeutenden Schriftguts.

Die Archivalien des Bestandes M 33/1 informieren vor allem über das "innere Funktionieren" (Dieter Storz) des württembergischen Heeres zwischen 1871 und 1914. Sie bilden damit in vielerlei Hinsicht einen Spiegel für Entwicklungen, die die gesamte preußisch–deutsche Armee betrafen. In den Unterlagen finden sich jedoch auch Analysen über den Zustand der englischen, russischen und vor allem französischen Streitmacht.

Einen Schwerpunkt der Überlieferung stellt das Aktenmaterial zur zeitgenössischen Technisierung im Kriegswesen dar. Die Zeit des Kaiserreichs war eine Epoche des rasanten technischen Wandels, der auch vor dem Militär nicht haltmachte. Technische Innovationen prägten im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert alle Waffengattungen und führten zu grundlegenden organisatorischen Veränderungen in den europäischen Heeren. Die Akten des Generalkommandos dokumentieren unter anderem die Einführung neuer Kommunikationsmittel wie des Telefons, die Anfänge der Luftstreitkräfte sowie die Weiterentwicklung im Bereich der großkalibrigen Geschütze. Doch belegen die zahlreichen Schriftstücke zu den Kaisermanövern, welch hohe Bedeutung – trotz Maschinengewehr und Brisanzgranate – vom Großen Generalstab traditionellen militärischen Taktiken, beispielsweise Kavallerieattacken, immer noch zugemessen wurde.

Daneben handelt der Bestand vom soldatischen Alltag, wie beispielsweise von der grassierenden Wohnungsnot in den Garnisonstädten, von Pferdekrankheiten oder von Masernepidemien auf der Ostalb. Selbst Aufklärungsschriften zur Bekämpfung von Tripper oder Syphilis finden sich im Schriftgut des Generalkommandos. Auch Urteile des Ober–Kriegsgerichts wegen Körperverletzung, Militärspionage, Fahnenflucht und Beihilfe zur Abtreibung sind in den Unterlagen enthalten.

Alles in allem bildet der Bestand M 33/1 eine wahre Fundgrube für Forschungen zu unterschiedlichen Fragestellungen. Nicht nur Militärhistoriker, auch Sozial–, Technik,– Rechts,– und Medizinhistoriker können anhand der vorhandenen Materialien zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen.