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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Digitale Präsentationen >> Rassenwahn und Erbgesundheit >> Erbgesundheitssache von Dorothea V. >> Sitzung des Erbgesundheitsgericht Herrenberg

Sitzung des Erbgesundheitsgericht Herrenberg

Gerichtsprotokoll vom 19. Juni 1934

StAL F 274 II_Bü 246
Gerichtsprotokoll StAL F 274 II Bü 246

Das Gerichtsprotokoll des Amtsgerichts Herrenbergs vom 19.07.1934 beschreibt Dorothea V.s Verfahren. Wie im Erbgesundheitsgesetz vom 14. Juli 1933 verlangt wurde, ist die Sitzung nicht öffentlich. Im heutigen Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland besteht ein Grundsatz der Öffentlichkeit in Gerichtsprozessen. Nur bei besonderen Anlässen findet ein Prozess mit Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Durch diesen Paragraphen im Erbgesundheitsgesetz konnten Außenstehende das Gericht nicht kontrollieren. Das Prinzip einer Transparenz zwischen staatlichen Gewalten und Volk sollte nicht stattfinden. Durch den Einsatz regimetreuer Ärzte und Richter war es sehr schwierig, im Laufe des Prozesses für Gerechtigkeit zu sorgen.
Erneut wird Dorothea V. durch einen Test nach ihrer Intelligenz geprüft. Die Tatsache, dass sie vor mehreren, älteren, fremden und oft akademisch gebildeten Personen ausgefragt wurde, kann spürbar machen, wie erniedrigend ein solcher Prozess sein musste. So zum Beispiel die Frage nach ihrem bisherigen Sexualleben.
Am Schluss entscheidet das Amtsgericht, dass Dorothea V. an „leichtem Schwachsinn“ leide. Da ihr Vater, Johannes V., bei der Gerichtssitzung einen intelligenten Eindruck machte und in der Familie keine erbkranken Vorfahren entdeckt werden konnten, wurde keine Entscheidung zur Zwangssterilisation gemacht. Ob es zu dieser kommen soll, müsse ein dritter Arzt entscheiden, weshalb Dorothea V. an Herrn Prof. Dr. Wetzel in das Bürgerhospital Stuttgart verwiesen wurde.

Ärztliches Gutachten des Bürgerhospitals Stuttgart

StAL F 274 II_Bü 246
Gutachten von Prof. Dr. Wetzel StAL F 274 II Bü 246

In einem 28-seitigen Gutachten schrieb dieser seine ärztlichen Überprüfungen nieder. Nach Prof. Dr. Wetzels Bericht solle zwischen Dorothea V.s Bildungsgrad und ihrem Charakter unterschieden werden. Dorothea V. sei eine junge Frau mit begrenztem Wissensstand, die jedoch dazu in der Lage sei eigenständig Probleme zu lösen und darüber hinaus guten Charakter besäße. Des Weiteren betonte der Arzt, dass Dorothea V. wichtige ladwirtschaftliche Arbeitskraft leiste, wodurch sich ihr Maß an „Nützlichkeit“ für die Gesellschaft steigere. Prof. Dr. Wetzel beschreibt, dass auch solche Eigenschaften wünschenswert seien und zu einem „guten Erbgut“ beitragen würden.

Gerichtsurteil

StAL F 274 II_Bü 246
Gerichtliches Urteil StAL F 274 II Bü 246

Aufgrund dieses Gutachtens ist Dorothea V. nicht zwangssterilisiert worden.
Ihr Schicksal macht das Schema und die Denkweise der nationalsozialistischen Ideologie erkennbar: Menschen sind in Kategorien einordbar. Egal ob „Rasse“, Intelligenz oder körperliche Verfassungen, für diese Ideologie blieb kein Raum Individualität anzuerkennen. Personen waren entweder „wertvoll“ oder „nicht wertvoll“. In Dorothea V.s Schicksal sollte dieser Wert anhand ihrer Effizienz für die Allgemeinheit, dem „deutschen Volk“, festgemacht werden. Genauer gesagt, stand die Behauptung im Raum, ihr Erbgut könne der Bevölkerung schaden.
Im Hinblick auf das Thema „Erbgesundheit und Rassenwahn“ lässt sich erkennen, welche Auswirkungen die „Gestaltung des sog. Volkskörpers“, auf der Opferseite hatte.