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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Digitale Präsentationen >> Rassenwahn und Erbgesundheit >> Erbgesundheitssache von Dorothea V. >> Meldung zur Unfruchtbarmachung

Meldung zur Unfruchtbarmachung

Anzeige des Bürgermeisters

StAL F 274 II_Bü 246
Anzeige des Bürgermeisters StAL F 274 II Bü 246

Am 10.04.1934 wurde Dorothea V. vom Bürgermeister ihres Wohnortes Kuppingen beim Oberamtsarzt Dr. Mauthe in Herrenberg gemeldet. Er möchte die Beamten darauf aufmerksam machen, V. würde nicht den Intelligenzanforderungen des Durchschnitts entsprechen. Einen Beweis für seine Anschuldigung hat er dabei nicht. Auch ihr Schulzeugnis begründet seine Anschuldigungen nicht. So heißt es in der Anzeige, mit der jungen Frau sei trotz guter Schulleistungen keine Verständigung möglich.

Gesetz zur Verhütung Erbkranken Nachwuchses

StAL, Reichsgesetzblatt vom 14. Juli 1933
StAL Reichsgesetzblatt vom 14. Juli 1933

Das Gesetz besagt, dass nur der „Unfruchtbarzumachende“, sein gesetzlicher Vertreter, ein verbeamteter Arzt oder ein Anstaltsleiter, einen Antrag auf Unfruchtbarmachung stellen dürfen. Kuppingens Bürgermeister ist kein Arzt oder ein gesetzlicher Vertreter und Dorothea V. in keiner der aufgeführten Anstalten wohnhaft. Worin liegt also die Legitimität des Bürgermeisters?
In seinem Brief handelt es sich nicht um einen Antrag, sondern um eine Anzeige, also eine Form der Benachrichtigung. Den Antrag auf Unfruchtbarmachung an das Amtsgericht Herrenberg wird im Verlauf der Akte der Oberamtsarzt Herrenbergs, Dr. Mauthe stellen.
Was an diesem Beispiel spannend ist, dass eine außenstehende Person, nämlich der Bürgermeister, seine Mitmenschen nach „Auffälligkeiten“ untersucht und an höhere Instanzen meldet. Er ist am unwürdigen Verfahren, das Dorothea V. durchstehen musste, mitverantwortlich.
Der Bürgermeister könnte hier als Befürworter erbgesundheitlicher Fragen und Umsetzungen interpretiert werden, der möchte, dass sein Dorf diesen Anforderungen entspricht.

Antrag beim Amtsgericht Herrenberg

StAL F 274 II_Bü 246
Antrag auf Unfruchtbarmachung StAL F 274 II Bü 246

Datumsangaben in Archivalien zeigen oft interessante Merkmale auf. In diesem Fall meldete der Oberamtsarzt Herrenbergs, Dr. Mauthe, Dorothea V. schon einige Wochen später, am 25.05.1934 wegen angeborenen Schwachsinns beim Erbgesundheitsgericht an und stellte einen Antrag auf Sterilisation. „Belegt“ habe Dr. Mauthe seinen Antrag durch das von ihm durchgeführte medizinische Gutachten. Die geringen Zeitabstände machen deutlich, welche Rolle Erbgesundheitssachen zugeschrieben wurde.