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Archivale des Monats März 2018

Südtiroler "Geisteskranke" in Zwiefalten: Verfolgung und Ermordung behinderter Menschen während der NS-Zeit

Euthanasie
Ankunft des Sonderzugs in Zwiefalten: "Auswaggonierung" der Patienten unter Aufsicht des Anstaltsleiters Prof. Alberto Rezza aus Pergine, 1940

Am Abend des 26. Mai 1940 fuhr auf dem Bahnhof in Zwiefalten ein Sonderzug mit 299 Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses Pergine in Südtirol ein. Nachdem die Patienten mit vier Omnibussen in die Heilanstalt Zwiefalten gebracht worden waren, erfolgte dort die Unterbringung der 160 Männer und 139 Frauen, die u. a. an Epilepsie und Schizophrenie litten.

Insgesamt kamen fast 500 psychisch Kranke und geistig Behinderte aus Südtirol nach Württemberg. Grund für die Umsiedlung war ein Abkommen zwischen Hitler und Mussolini von 1939. Die deutschsprachigen Südtiroler mussten sich zwischen der deutschen und der italienischen Staatsbürgerschaft entscheiden. Wer für das Deutsche Reich optierte, musste seine Heimat verlassen.

Nach Württemberg umgesiedelt, wurden die psychisch kranken Optanten der nationalsozialistischen Erbgesundheitspolitik unterworfen. Obwohl die Südtiroler von der Mordaktion "T4" ausgenommen waren, fanden die meisten in Württemberg ihren Tod.

Zwiefalten war eine von fünf staatlichen Heil– und Pflegeanstalten in Württemberg, deren Patienten — Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen — von Deportationen und Ermordungen betroffen waren. Unter Berufung auf die rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik waren schon ab 1934 Zwangssterilisierungen durchgeführt worden, um die Weitergabe von Erbkrankheiten zu verhindern. Ab 1939 fand im Rahmen der "Aktion T4" eine systematische Vernichtung "lebensunwerten Lebens" statt. Bei diesen als "Euthanasie" bezeichneten Morden an Kranken und Behinderten wurden in der Vernichtungsanstalt Grafeneck zwischen Januar und Dezember 1940 mehr als 10.000 Männer, Frauen und Kinder aus psychiatrischen Einrichtungen getötet. In der dezentralen "zweiten Mordphase" wurde in vielen Anstalten weiter gemordet, v. a. mit Mangelernährung und überdosierten Medikamenten.

Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart präsentiert vom 14. März bis 27. April 2018 die Wanderausstellung "erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus". Ergänzt wird die Dokumentation durch ausgewählte Schriftstücke und Zeitzeugnisse aus Württemberg. In ihnen spiegeln sich die Rahmenbedingungen der NS–Euthanasie, auch werden Verfolgte und Täter beispielhaft erkennbar.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden–Württemberg — Hauptstaatsarchiv Stuttgart E 151/53 Bü 423.