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Aktuelles >> Presse/Berichte >> Bericht zur Fachtagung "Von der Monarchie zur Republik"

Bericht zur Fachtagung "Von der Monarchie zur Republik"

Ein Beitrag des Landesarchivs zur Erforschung der Demokratiegeschichte im deutschen Südwesten

Präsentation des Themenmoduls durch Prof. Dr. Gerald Maier
Präsentation des Themenmoduls durch Prof. Dr. Gerald Maier

Am 9. und 10. November 2017 fand an der Universität Stuttgart die Tagung "Von der Monarchie zur Republik. Forschungsperspektiven zur Demokratiegeschichte in der Frühphase der Weimarer Republik (1918–1923)" statt.

Aus regionalgeschichtlicher Perspektive wandten sich über 100 Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer dem demokratischen Aufbruch in Baden, Hohenzollern und Württemberg zu. Im Fokus des Interesses standen regionalgeschichtliche Aspekte, die gewöhnlich weniger bekannt als das Geschehen auf Reichsebene sind. Denn mit dem Beginn der Weimarer Republik verbindet man gemeinhin Ereignisse wie den Matrosenaufstand in Kiel, die Ausrufung der Republik am 9. November 1918 in Berlin oder die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags. Deshalb griff die Tagung im Speziellen Fragen nach dem revolutionären Geschehen im deutschen Südwesten, nach dem Wirken von Räte– und Frauenbewegungen auf regionaler Ebene und dem Wandel des gesellschaftlichen Zusammenlebens vor Ort auf.

Die Veranstaltung, die gemeinsam vom Landesarchiv Baden–Württemberg, der Universität Stuttgart und der Kommission für geschichtliche Landeskunde organisiert wurde, bildete den feierlichen Abschluss des gleichnamigen Forschungs– und Digitalisierungsprojekts "Von der Monarchie zur Republik". Dieses war vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden–Württemberg finanziert und vom Landesarchiv Baden–Württemberg gemeinsam mit der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart in einem Zeitraum von 2015 bis 2017 realisiert worden. Ergebnis des Projekts ist die thematische Zusammenstellung und Internet–Präsentation von 900.000 digitalisierten und erstmals in LEO–BW und im Online–Findmittelsystem des Landesarchivs verfügbaren Quellen mitsamt einer wissenschaftlichen Einführung zur Anfangsphase der Weimarer Republik in Baden, Hohenzollern und Württemberg.

Den Auftakt zur Tagung bildete die Vorführung der Quellensammlung am 9. November 2017 an der Universität Stuttgart. Der erste Vortrag von Dr. Andreas Neuburger, Dr. Simone Tibelius und Christina Wolf (Landesarchiv Baden–Württemberg) im Rahmen der Sektion I "Digitale Präsentation von Quellen zur Südwestdeutschen Demokratiegeschichte" stellte die im Projekt erarbeitete Quellensammlung vor. Dabei wurden die Funktionalitäten, der inhaltliche Zuschnitt und die sich anschließenden Perspektiven des Themenmoduls beleuchtet.

Vorstellung der Quellensammlung durch Dr. Andreas Neuburger, Dr. Simone Tibelius und Christina Wolf
Vorstellung der Quellensammlung durch Dr. Andreas Neuburger, Dr. Simone Tibelius und Christina Wolf

Ergänzend daran führten die Masterstudentinnen Amelie Bieg und Theresa Reich (Universität Stuttgart) anhand der Rolle der Beamten im sogenannten "Sigmaringer Titelstreit" zum einen in die Thematik des Übergangs von der Monarchie zur Demokratie ein und stellten zum anderen erste Ergebnisse im Umgang mit und Möglichkeiten der Auswertung des Quellenmaterials vor. Der Vortrag war im Rahmen des von Prof. Dr. Sabine Holtz an der Universität Stuttgart abgehaltenen Seminars "Von der Monarchie zur Republik. Südwestdeutschland in den Jahren 1917 bis 1923⁄24" im Wintersemester 2016⁄17 entstanden. Das Seminar zeigt die bereits zur Projektlaufzeit enge Zusammenarbeit zwischen Landesarchiv und Universität.

In der folgenden zweiten Sektion "Revolution und politischer Umbruch" legte Prof. Dr. Ursula Rombeck–Jaschinski (Universität Stuttgart) den Fokus ihres Vortrags mit dem Titel "Überlebte Tradition? — Das Ende der Monarchien in Südwestdeutschland" auf die Abdankung der badischen und württembergischen Monarchen 1918.

Prof. Dr. Angela Borgstedt (Universität Mannheim) warf danach ein Schlaglicht auf die Integration von Zwangsmigrantinnen und –migranten nach dem Ersten Weltkrieg, in dem sie Vertreibungen ab 1918 bis Mitte der 1920er Jahre von etwa 100.000 Menschen nach Baden nachzeichnete. Damit stellte Angela Borgstedt nicht nur ein politisch virulentes Thema vor, sondern zeigte auch die Auswirkungen von Grenzverschiebungen am Kriegsende und Herausforderungen des demokratischen Neubeginns in Grenzregionen.

Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Universität Münster) richtete den Blick auf Westfalen und fragte nach der Rolle der Arbeiter–, Bauern– und Soldatenräte im demokratischen Aufbruch. Während zu Beginn des Jahres 1919 viele Räte gegründet worden waren, wurden diese Ende 1919 erst gar nicht mehr gezählt. Er wertete das behördliche Desinteresse als Symptom ihrer sich bis Ende des Jahres entwickelnden Funktionslosigkeit und damit einhergehende Bedeutungslosigkeit.

Den öffentlichen Abendvortrag hielt Prof. Dr. Wolfram Pyta (Universität Stuttgart) zur Thematik "Verheißungen und Verwerfungen beim Beginn einer Demokratie". Damit brachte er kulturgeschichtliche Aspekte mit in die Überlegungen zur Frühphase der Weimarer Republik ein.

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion

Den zweiten Tagungstag und Sektion III "Gesellschaft im Wandel" eröffnete Prof. Dr. Sylvia Schraut (Universität München) mit ihrem Vortrag zu den Reaktionen der bürgerlichen Frauenbewegung des Kaiserreichs auf die neue politische Situation in der Weimarer Republik.

Anknüpfend daran beleuchtete Dr. Marco Birn (Kreisarchiv Reutlingen) das akademische Leben an südwestdeutschen Universitäten, die zum Beginn der Weimarer Republik mit einem Zustrom an von der Front zurückkehrenden Studenten und der Zulassung von Frauen zum Studium umzugehen hatten. Den Bogen zu einem praktischen Einsatz von archivalischen Quellen schlug Prof. Dr. Cord Arendes (Universität Heidelberg) mit der Vorstellung des mit Studierenden der Universität Heidelberg umgesetzten Projekts "Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben — lästige Ausländer in der Weimarer Republik". Ergänzt wurde die Projektvorstellung durch einen thematischen Vortrag der Masterstudentin Laura Moser (Universität Heidelberg), die aus dem Projekt heraus Einbürgerungsanträge in der Republik Baden analysiert und ausgewertet hat.

Ein weiteres Beispiel für den Umgang mit archivalischen Quellen und der Aufbereitung und Zugänglichmachung von Archivmaterialien für die breite Öffentlichkeit bot Dr. Peter Exner (Landesarchiv Baden–Württemberg) mit der Vorstellung der Ausstellung "Demokratie wagen? Baden 1818–1919".

Die beiden letzten Vorträge leiteten bereits zur Podiumsdiskussion über. In dieser wurde erörtert, welchen Beitrag Archive zur Erforschung der Demokratiegeschichte heute leisten können. Prof. Dr. Julia Angster (Universität Mannheim), Dr. Nicole Bickhoff (Landesarchiv Baden–Württemberg; Württembergischer Geschichts– und Altertumsverein), Dr. Andrea Hänger (Bundesarchiv Koblenz), Sven Felix Kellerhoff (Leitender Redakteur der WELT), Dr. Peter Exner und Dr. Franz–Josef Ziwes (beide Landesarchiv Baden–Württemberg) diskutierten dabei Potentiale, Grenzen und Perspektiven einer archivalischen Quellensammlung für ein zeitgemäßes Forschen und Lehren.

Direktlinks
Link zur Quellensammlung "Von der Monarchie zur Republik" im Online–Findmittelsystem des Landesarchivs
(www.weimarer-republik.landesarchiv-bw.de)
Link zur Quellensammlung als Themenschwerpunkt im landeskundlichen Themenportal LEO–BW
(www.leo-bw.de/aktuelles/von-der-monarchie-zur-republik).