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Archivale des Monats Juni 2017

Als Fahrräder zum Problem wurden - Plaketten und Ausweise für Radler

F 201 Bü 295 (Radfahrkarte)
Muster einer Radfahrkarte der Stadt Stuttgart, 1897 (StAL F 201 Bü 295)

Als am 12. Juni 1817 Freiherr Karl von Drais seine erste öffentliche Ausfahrt mit seiner Laufmaschine unternahm, konnte niemand ahnen, welchen Aufschwung dieses neue Verkehrsmittel einmal nehmen würde. Anfänglich von vielen belächelt, entwickelte sich das Zweirad oder Velociped spätestens seit der Erfindung des Kurbelantriebs zu einem Massenverkehrsmittel, das auch für weniger begüterte Bevölkerungsgruppen erschwinglich war.

Der zunehmende Radverkehr verlangte insbesondere in den größeren Städten bald nach polizeilicher Regulierung. Im Jahr 1888 erließ das württembergische Innenministerium Vorschriften zum Radfahrverkehr, in denen erstmals festgelegt wurde, dass dieses Verkehrsmittel nur auf Fahrwegen (und nicht auf dem Bürgersteig) benutzt werden durfte, dass auf der rechten Seite des Wegs zu fahren und langsamere Fahrzeuge auf der linken Seite zu überholen waren. Auch hatte man die Fahrräder mit Signalglocken und Laternen zu versehen. Diese Regelungen haben offenbar zumindest in Stuttgart schon bald nicht mehr ausgereicht. Knapp zehn Jahre später wurde in einem Ortsstatut festgelegt, dass jedes Fahrrad, dass auf öffentlichen Wegen benutzt werden sollte, mit einer Nummernplatte - heute würde man dazu Plakette oder Nummernschild sagen - versehen sein musste. Diese Nummernplatte musste beim Stadtpolizeiamt beantragt werden. Zusätzlich erhielt der betreffende Radfahrer eine Radfahrkarte, die ihn als Radfahrberechtigten auswies und die er stets mitzuführen hatte. Davon befreit waren nur Militärpersonen und Auswärtige.

Mit dem Ortsstatut wurden zudem weitere Beschränkungen des Fahrradverkehrs verfügt. So war beispielsweise auf der Königstraße das Radfahren um die Mittagszeit oder auf dem Schlossplatz und seiner Umgebung vor und nach den Vorstellungen des Hoftheaters untersagt. Ebenfalls verboten wurde das "Legen der Beine über die Lenkstange des Fahrrads" sowie das "Wegnehmen des Fußes von der Trittstange beim Bergabfahren".

Die Regelungen wurden allerdings schon bald durch weitere Einschränkungen aufgeweicht und dürften in der Praxis kaum durchsetzbar gewesen sein. So verwundert es nicht, dass man sie im Jahr 1922 ersatzlos aufgehoben hat. Die Idee, den wachsenden Verkehr mittels Verboten sowie Plaketten und Ausweisen zu steuern, hat - das zeigen die Überlegungen zu Fahrverboten für bestimmte Fahrzeugtypen in Stuttgart - allerdings nicht an Aktualität verloren.

Wer sich für die Geschichte des Fahrrads insgesamt interessiert, kann noch bis Ende Juni 2017 die Ausstellung "Als das Fahrrad laufen lernte" im Staatsarchiv Ludwigsburg besuchen.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg F 201 Bü 295.
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