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Aktuelles >> Ausstellungen >> 1816 – Jahr ohne Sommer

1816 – Jahr ohne Sommer

Ausstellung zu den Hungerjahren 1816/17

15. August bis 30. September 2016

Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Lebensmittelpreise im Januar 1817
Lebensmittelpreise im Januar 1817 Vorlage: HStAS J 302 Nr. 57

"Das Jahr ohne Sommer" – unter diesem Schlagwort ging das Jahr 1816 in die kollektive Erinnerung der Menschen in Süddeutschland und vielen anderen Gegenden Europas ein. Wie man heute weiß, war es der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815, der die Landwirtschaft in Europa, Nordamerika und Asien in weiten Teilen in eine Krise stürzte. Die Tambora-Eruption zählt zu den stärksten jemals nachgewiesenen Vulkanausbrüchen. Sie setzte insgesamt rund 150 Kubikkilometer Asche und Gestein in die Atmosphäre frei, was zu einer erheblichen Abkühlung des globalen Klimas und regionalen Unwetterhäufungen sowie in deren Folge zu Misswuchs und Teuerungen führte.

Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart
vom 15. August bis 30. September 2016

Öffnungszeiten:
Montag 10.00 – 17.00 Uhr, Dienstag, Mittwoch 8.30 – 17.00 Uhr
Donnerstag 8.30 – 19.00 Uhr, Freitag 8.30 – 16.00 Uhr

Information:
Telefon 0711/212–4335
Telefax 0711/212–4360
E-Mail: hstastuttgart@la-bw.de
Internet: www.landesarchiv-bw.de/hstas

Eintritt frei

Königin Katharina von Württemberg
Katharina Pawlowna, Königin von Württemberg Vorlage: HStAS J 300 Nr. 251

Das Königreich Württemberg traf diese Ernte- und Hungerkrise besonders hart. Noch im Spätsommer des Jahres 1816 brachten die Ernteausfälle einen akuten Nahrungsmittelmangel mit sich, der zunächst eine massive Verteuerung der Lebensmittelpreise und schließlich im Frühjahr 1817 eine schwere Hungersnot zur Folge hatte. Mangelernährung und Hunger erhöhten die Sterblichkeit, und in vielen Orten waren die Menschen auf staatliche Armenunterstützung angewiesen. Verschärfend kam hinzu, dass im Zuge der Säkularisierung die kirchlichen Fürsorgeinstitute aufgelöst worden waren. Die traditionellen Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen, die sich jahrhundertelang bewährt hatten, waren damit weggebrochen, während sich neue kommunale, staatliche oder zivilgesellschaftliche Fürsorgemodelle noch nicht flächendeckend hatten etablieren können. Auch aus diesen Gründen kam es zu größeren Auswanderbewegungen. Allein im Hungerjahr 1816/17 sind rund 17.000 registrierte Auswanderer belegt.

Einlegebild des Stettnerschen Hungertalers
Einlegebild des Stettner’schen Hungertalers Vorlage: HStAS J 290 Nr. 32

Unterdessen suchte die Regierung in Württemberg nach Wegen, die Krise zu bewältigen. Wichtige Impulse brachte ein Regierungswechsel: Nach dem Tod König Friedrichs, der am 30. Oktober 1816 verstarb, trat inmitten der Krise mit dem Thronfolger Wilhelm (1781–1864) ein neuer Regent an die Spitze des Landes. Wilhelm I. war verheiratet mit der russischen Zarentochter Katharina Pawlowna (1788–1819). Das neue Königspaar inszenierte sich von Beginn an in bewusster Abgrenzung zur Regierung des verstorbenen Königs Friedrich als fürsorgliche und tatkräftige Wohltäter, wobei Königin Katharina eine Schlüsselstellung zukam. Zur Verhütung zukünftiger Ernte- und Hungerkrisen wurde durch den König im Jahr 1817 ein landwirtschaftlicher Verein zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Anbaumethoden gegründet, und ein Jahr später folgte mit der Landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt eine agrarwissenschaftliche Hochschule, die noch heute als Universität Hohenheim existiert. Der Förderung landwirtschaftlicher Innovationen sollte außerdem seit 1818 das Landwirtschaftliche Hauptfest dienen, das als Cannstatter Volksfest schon im ersten Jahr seines Entstehens die Massen anzog.

Erst die neue Ernte des Jahres 1817 brachte wieder einen ausreichenden Ertrag, womit die größte Not vorerst überwunden war. Für die Zeitgenossen bestand jedoch kein Zweifel, dass sie eine Jahrhundertkatastrophe überlebt hatten. Dies spiegelt sich in den unterschiedlichsten Erinnerungsstücken wider, die an Unwetter, Missernten, Teuerung und Hunger gemahnen. Die filigran gearbeitete Dosenmedaille mit ihren kolorierten Einlegebildern, die am Ende der Ausstellung zu sehen ist, gehört zu den berühmtesten und fand überregionale Verbreitung.