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Recherche & Bestellung >> Rechercheführer >> Familie und Lebensdaten >> Familie und Lebensdaten: Vor dem Aufkommen der Kirchenbücher (ca. 16-18. Jh.)

Familie und Lebensdaten: Vor dem Aufkommen der Kirchenbücher (ca. 16-18. Jh.)

Rechercheführer - Lebensdaten vor 1600

Zurück bis ins 17. und 18., je nach Region sogar in das 16. Jahrhundert hinein sind die Kirchenbücher die am besten zugängliche Quelle, um Lebensdaten, Verwandtschaftsverhältnisse oder konkret die Vorfahren einer bestimmten Familie zu bestimmen.

Mit dem ältesten Kirchenbuch ist die Suche für viele Familien dann zu Ende. Dieser Zeithorizont liegt meistens in den 1630er Jahren, in denen der Dreißigjährige Krieg Südwestdeutschland am schlimmsten heimsuchte.

Auch wenn die Kirchenbücher enden oder für eine bestimmte Zeitphase fehlen, muss die Suche nach den eigenen Vorfahren noch nicht vorbei sein. Dieser Rechercheführer möchte Ihnen helfen, auch unter diesen Umständen erfolgreich tiefer in die Vergangenheit vorzudringen.

1. Literatur

2. Datenbanken

3. Quellen in den Archiven für die Zeit vor 1800

3.a) Wie gehen Sie vor?

3.b) Welche Quellenserien stehen Ihnen zur Verfügung?

3.c) Welche sonstigen, nichtseriellen Quellen stehen Ihnen zur Verfügung?

3.d) Vorsicht ist geboten bei Namensgleichheit


Welche Informationen benötigen Sie, bevor Sie mit der Suche beginnen?

Sie benötigen zum ältesten Ihnen noch bekannten Vorfahren

1. Literatur

Gedruckte oder online gestellte Publikationen können Informationen zu der gesuchten Person oder Familie enthalten.

Ortsfamilienbücher erarbeiten die familiären Zusammenhänge und Verwandtschaftsverhältnisse in einem oder mehreren benachbarten Orten. Über die derzeit vorhandenen Ortsfamilienbücher informiert der Verein für Computergenealogie unter wiki.genealogy.net/index.php/Kategorie:Ortsfamilienbuch.

Eine allgemeine familienkundliche Literaturdatenbank bietet derselbe Verein unter famlit.genealogy.net/fkld/maske.pl?db=fkld.

Wissenschaftlich überprüfte biographische Abrisse zu Personen, die durch ihre Leistungen gesellschaftliche Entwicklungen wesentlich beeinflusst haben, bietet die von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene Deutsche Biographie www.deutsche-biographie.de, sowie unter Einbeziehung weiterer biographischer Datenbanken auch zu Österreich und der Schweiz das Biographie-Portal: www.biographie-portal.eu.

Zu bekannten Personen und Persönlichkeiten aus dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg liegen eine ganze Reihe von Veröffentlichungen vor, siehe hierzu im Rechercheführer Hinweise zur Literatursuche unter "Literatur zu Personen".

2. Datenbanken

In den letzten Jahren werden von Archiven, Museen, genealogischen Vereinen und Unternehmen immer mehr Datenbanken zur Personen- und Familiengeschichtsforschung aufgebaut, von denen die meisten nichtkommerziell und öffentlich zugänglich sind.

Bitte übernehmen Sie die Daten, die Sie dort vorfinden, allerdings nicht ungeprüft. Gerade private und kommerzielle Datenbanken enthalten mitunter Fehler. Bitte beachten Sie zudem, dass Namensgleichheit nicht auch Verwandtschaft bedeuten muss und dass Personennamen früher je nach Schriftstück oft unterschiedlich geschrieben wurden.

Folgende Datenbanken betreffen u.a. das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs:

3. Quellen in den Archiven für die Zeit vor 1800

3.a) Wie gehen Sie vor?

Nachdem die Suche in den Kirchenbüchern (Rechercheführer "Ab dem Aufkommen der Kirchenbücher [16. bis 18. Jh.] bis 1870/74/76") abgeschlossen ist, stehen eine Vielzahl von Quellen im Archiv bereit, um tiefer in die Familiengeschichte vorzudringen. Anders als bei den Kirchenbüchern gibt es nun nicht mehr eine einzige, mehr oder weniger lückenlos durchlaufende Quellenserie, die (fast) alle Fragen beantworten würde. Stattdessen gilt es, eine ganze Reihe unterschiedlicher Quellenserien nach dem gesuchten Namen zu durchforsten.

Je nach Territorium oder Region bietet sich dabei eine andere Quellengattung für den ersten Schritt an. Für Oberschwaben sollte die weitere Suche in den Amtsprotokollen, für Franken hingegen in den Rechnungen beginnen, während für das Herzogtum Württemberg die Steuer- und Musterregister für das 16. und den Anfang des 17. Jahrhunderts wichtig sind, aber eben auch nur für diese Herrschaft in größerer Zahl vorliegen.

Diese Quellen bieten jedoch häufig nur mehr Einzelnamen und keine Angaben zu familiären Zusammenhängen, wie man es von den Kirchenbüchern gewohnt ist.

Beispielhaft könnte ein solcher Eintrag zum Jahr 1583 lauten: „Hans Müller aus Hürden gibt für sein Gütlein zwei Gulden [Steuer]“.

Halten Sie in einem ersten Schritt alle Erwähnungen des gesuchten Namens, ergänzende Daten und die Fundstellen fest.

In einem zweiten Schritt müssen die gefundenen Einzelbelege in einer Zusammenschau gemeinsam betrachtet werden, um die jeweiligen Personen auch zutreffend in die Generationenfolge einordnen zu können.

Gehen Sie hierbei kritisch vor: Betreffen alle drei Fundstellen zu Hans Müller – alle um 1580 für denselben Ort – wirklich dieselbe Person? Ist der zwanzig Jahre später fassbare Hans Müller dessen Sohn, doch noch der alte Hans Müller oder gar eine dritte Person?

Höchstwahrscheinlich werden am Ende nicht alle Angaben mit letzter Sicherheit zuzuordnen sein. Je weiter Sie in die Vergangenheit vordringen, desto mehr müssen Sie mit Wahrscheinlichkeiten leben. Halten Sie das genauso wie die Fundstellen der einzelnen Belege immer transparent in ihren Notizen fest, damit aus Wahrscheinlichkeiten keine vermeintlichen Gewissheiten werden.

3.b) Welche Quellenserien stehen Ihnen zur Verfügung?

In den im Folgenden aufgeführten seriellen Quellengattungen können Sie die gesuchten Namen am wahrscheinlichsten finden. Sollten in einem Ort mehrere Herrschaften über Rechte bzw. Besitzungen verfügt haben, liegen unter Umständen mehrere parallele Serien der im Folgenden genannten Quellen vor. Diese wären dann nebeneinander einzusehen. Unter den beigegebenen Links finden Sie Verweise auf die einzelnen Quellengattungen in der Südwestdeutschen Archivalienkunde. Wo die Archivalien zu finden sind, steht unter "Überlieferungslage".

Folgende Quellenserien sollten Sie vorrangig durchsehen:

1) Urbare, Rödel oder Lagerbücher (auch bezeichnet als Zinsbücher, Gültbücher, Salbücher, Beraine)

Dies sind Vorformen der Grundbücher, in der die einzelnen Liegenschaften und Besitzungen (Höfe und Häuser, Scheuern, Äcker, Wiesen, Wald, Weinberge u.ä.), die Namen der Besitzer und die Höhe der zu leistenden Abgaben und Dienste genannt werden. Durch die Nachtragung und Weiterführung lässt sich eine Besitzerabfolge oft lückenlos nachverfolgen.

2) Inventuren und Teilungen

Eine Aufnahme des gesamten Vermögens, dessen Bewertung und die Festsetzung der unmittelbar oder künftig anstehenden Aufteilung des Besitzes unter den Erbberechtigten. Gewöhnlich ist in den Unterlagen das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Erblasser und den (potentiellen) Erben genau beschrieben.

3) Steuerbücher und Steuerverzeichnisse

Nach Orten geordnete Verzeichnisse des Steueranschlags. Üblicherweise werden hierin die Haushaltsvorstände, unter Umständen aber auch weitere Personen genannt, die zum jeweiligen Haushalt gehörten. Je nach Ausführlichkeit wird auch der Besitz an Mobilien und Immobilien genauer beschrieben und bewertet.

4) Leibeigenenverzeichnisse bzw. –register

Nach Orten geordnete Verzeichnisse derjenigen Frauen mit ihren Kindern und Männern, die der jeweiligen Herrschaft „eigen“ waren. Beachten Sie hierbei, dass die Leibeigenschaft von der Mutter auf die Kinder „vererbt“ wurde.

6) Musterungslisten

In Musterungslisten wurde die wehrfähige Bevölkerung eines bestimmten Ortes bzw. Gebietes ganz oder zu Teilen samt der jeweiligen Bewaffnung und teilweise sogar dem Dienstrang aufgeführt.

7) Huldigungslisten

Bei den Erb- und Landeshuldigungen wurden ab dem 17. Jahrhundert in Listen festgehalten, welche Untertanen (Haushaltsvorstände inkl. Witwen) eines bestimmten Ortes an der Huldigung teilgenommen hatten und welche nicht.

8) Rechnungen

Rechnungen und die eventuell noch erhaltenen zugehörigen Belege führen alle Ausgaben einer bestimmten Institution auf. Sie enthalten die Namen zahlloser Personen, die Geld erhielten oder zahlen mussten.

9) Amts- bzw. Gerichtsprotokolle

In Protokollen werden die Verhandlungen vor einer bestimmten Behörde in chronologischer Folge aufgezeichnet. Entsprechend sind Protokolle wie die Gruppe der Rechnungen eine der unerschöpflichsten Quellen für Personennamen.

10) Kaufprotokolle bzw. -briefe und Handlohnbücher

In Kaufprotokollen oder eigenständigen Kaufbriefen wird der Kauf bzw. Verkauf einer Liegenschaft unter Nennung der Beteiligten festgehalten. Handlohnbücher notieren die Zahlung des Handlohns, der damaligen Grunderwerbsteuer, bei Tausch oder Kauf von Gebäuden oder Grundstücken.

11) Heiratsbriefe

In Heiratsverträgen werden die Besitzverhältnisse und Eheverpflichtungen eines Brautpaares geregelt, aber auch die Eltern genannt.

12) Vormundschafts- und Pflegschaftenbücher

Vormundschafts- bzw. Pflegrechnungen (auch Waisen- oder Waisenpflegrechnungen genannt) sind der schriftliche Niederschlag der unter Vormundschaft bzw. Pflegschaft stehenden Vermögensverwaltung von natürlichen Personen. Sie werden meist in den Gemeindearchiven oder im Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim aufbewahrt.

Je nach gesellschaftlicher Stellung oder Beruf der gesuchten Person bieten sich weitere Quellenserien an. War die Person beispielsweise im herrschaftlichen Dienst tätig, so finden sich Einträge in frühneuzeitlichen Dienerakten oder Bestallungsbüchern, genauso aber auch in den Akten des jeweiligen Verwaltungsbereichs. Für Pfarrer und Lehrer sind darüber hinaus die Akten zu Kirchen- und Schulvisitationen einschlägig. Bei Adel, gehobener Dienerschaft und höherem Bürgertum können gedruckte Leichenpredigten vorliegen. Zu manchen Handwerksberufen liegen Zunftbücher vor. Jüdische Personen können oftmals in Schutzbriefen nachgewiesen werden. Für Müller sollte man die Mühlenvisitationen einsehen.

3.c) Welche sonstigen, nichtseriellen Quellen stehen Ihnen zur Verfügung?

Lebensdaten wie auch Informationen über Verwandtschaftsbeziehungen oder die konkrete Lebensgeschichte können sich theoretisch in jedem denkbaren Archivale finden. Bei der Suche nach weiteren einschlägigen Quellen sollten Sie sich von den Ihnen schon bekannten Lebensumständen der Familie bzw. dem anzunehmenden Beruf der jeweiligen Person leiten lassen. Auch Kriminal- und Konsistorialakten sind immer einen Blick wert, zumal die gesuchte Person auch als Zeuge vernommen worden sein kann.

Weitere hilfreiche Stichworte in Findbuchregistern oder für eine Volltextsuche sind (Onlinedatenbank des Landesarchivs Baden-Württemberg: www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/suche/):

Appellationen, Armensachen, Bausachen, Civilia, Erbhuldigungen, Eheverträge, Frevel, Frondienste, Geburtsbriefe, Gülteinzugsregister, Güterverleihungen, Güterveränderungen, Handlohn, Heiratsbriefe, Justizsachen, Kaufverträge, Kontraktenprotokolle, Kriminalsachen, Lehensachen, Malefizsachen, Nachsteuer, Ruggerichtssachen, Schuldensachen, Steuerbeschreibungen, Steuerregister, Testamente, Urfehden, Zehntsachen.

Scheuen Sie sich nicht, Beratungsangebote des Archivs wahrzunehmen!

3.d) Vorsicht ist geboten bei Namensgleichheit

Namensgleichheit bedeutet keineswegs zwingend Verwandtschaft. Entsprechend schwierig und oft unmöglich ist die Identifizierung von Verwandtschaftszusammenhängen dann, wenn an einem Ort mehrere Personen desselben Namens zur gleichen Zeit gelebt haben. Auch das Vorkommen nur einer einzelnen Person des jeweiligen Namens darf aber nicht zur unhinterfragten Annahme einer Verwandtschaftsbeziehung führen. Schließlich wird in vielen Quellenarten nur ein Teil der Bevölkerung der jeweiligen Ortschaft erfasst, auch wenn tatsächlich mehrere Träger desselben Namens am jeweiligen Ort ansässig waren.

Wussten Sie schon:

Der Namenszusatz „der Ältere“ oder „der Jüngere“ weist nicht auf eine Verwandtschaft zwischen gleichnamigen Personen hin, sondern will die jeweilige Person nur aufgrund dieser relativen Altersangabe von einer gleichnamigen anderen Person in derselben Ortschaft unterscheiden. Entsprechend ist diese Bezeichnung an den Moment gebunden. „Der Jüngere“ kann somit im nächsten Moment zum „Älteren“ werden.

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