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Landesarchiv >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Aktuelles der Außenstelle >> Hohenlohische Geschichte >> Das Kräuterbuch des Eucharius Rösslin

Das Kräuterbuch des Eucharius Rösslin

Was man im Hohenlohe-Zentralarchiv auch finden kann

Kräuterbuch HZAN (01)

Das Hohenlohe-Zentralarchiv verwahrt neben "klassischem" Archivgut wie Urkunden und Akten auch eine umfangreiche Büchersammlung, darunter zahlreiche naturwissenschaftliche Werke aus den einzelnen Bibliotheken der Familie Hohenlohe. Eines dieser Bücher ist das "Kreuterbuoch von aller Kreuter / Gethier / Gesteine und Metal / Natur / nutz unnd gebrauch. Mitt aller derenn leblicher Abconterfeytunge". Das im Jahr 1540 gedruckte Werk wurde vom Arzt Eucharius Rösslin dem Jüngeren verfasst. Es war so erfolgreich, dass es zu einem der Handbücher für Botanik im 16. Jahrhundert wurde. Rösslin zielte mit seinem Buch auf einen volkstümlichen und breiten Adressatenkreis. Sein Werk diente als Informationsquelle für Heilkundige, Bader, Kräutersammler und interessierte Laien.

Kräuterbuch HZAN (02)

Beachtung fanden diese Werke vor allem wegen des heute wie damals akuten Interesses am eigenen körperlichen Wohlergehen. Neben dem wissenschaftlichen Forschungsinteresse dürfte für die von Hohenlohe der Erwerb und Besitz dieses Buches einerseits repräsentative andererseits auch didaktische Gründe gehabt haben: Bibliotheken wurden aus Liebhaberzwecken, aber auch aus ernsthaftem wissenschaftlichem Forscherdrang eingerichtet. Als Territorialherren oblag den Grafen auch die Schul- und Universitätsbildung. Darüber hinaus waren die von Hohenlohe in ihrer Herrschaft auch für das Gesundheitswesen verantwortlich. Zur Bewältigung dieser vielfältigen Aufgaben war es unabdingbar, über eine ausreichende Quellenbasis zu verfügen.

Kräuterbuch HZAN (03)

Auf Erläuterungen zu Destilliertechniken zu Beginn des Buchs folgt ein Abschnitt über unterschiedliche heimische und exotische (Fabel-) Tiere. Dabei steht der Mensch am Anfang des Kapitels. Eine bildliche Darstellung veranschaulicht die menschlichen Organe. In einem weiteren Kapitel stellt Rösslin die Wirkung von Edelsteinen, Edelmetallen und anderen Materialien vor. Der umfangreichste Teil des Buchs ist sodann den Kräutern und Pflanzen gewidmet. Im Gegensatz zur vorgestellten Fauna, erweist sich das Kräuter-Kapitel als realitätsnäher und weniger fantastisch. Vielfach ist die Darstellung hier auf die Wirkungsweise der einzelnen Pflanzen beschränkt. Abgeschlossen wird Rösslins Werk von einem kurzen Kapitel über Krankheitsbilder, die sich anhand des Harns erkennen lassen. Farbige Illustrationen sind fast zu jedem Tier, zu jeder Pflanze und zu allen anderen Materialien vorhanden.

Kräuterbuch HZAN (04)

Im Kapitel über die Tiere finden sich bei der Darstellung häufig Verknüpfungen von naturwissenschaftlichen Beobachtungen mit Charakteristika, die auf theologisch-biblischen Aussagen basieren. Damit steht Rösslins Werk in der langen Tradition wissenschaftlicher Werke, die bis zum Physiologus, einem spätantiken Naturkundebuch, zurückreicht. Der Physiologus vereint in seinen Darstellungen heilsgeschichtliche-christliche Elemente mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Antike. Bevor Rösslin den Nutzen eines Tieres zur Krankheitsbehandlung erläutert, charakterisiert er einige Tiere ausführlicher, häufig mit der Erwähnung von Eigenschaften, die sich auch im Physiologus wiederfinden. Rösslin weist aber nicht mehr auf die theologische Bedeutung dieser Eigenschaften hin. Ein offensichtlicher theologischer Bezug geht somit verloren. Ganz selbstverständlich stellt Rösslins Buch auch Fabeltiere wie Drache, Basilisk, Phoenix und Greif vor. Diese Darstellungen sind einerseits dem Interesse an Kuriositäten und Exotik geschuldet, andererseits fanden sie in seinem Werk Aufnahme in dem Glauben, dass es diese Tiere wirklich gibt.

Kräuterbuch HZAN (05)

Auch Tiere, die nicht in Mitteleuropa beheimatet sind wie Kamel oder Elefant werden sorgfältig beschrieben. Als besonders wunderliches Heilmittel aus heutiger Sicht mag die Verwendung von Menschenfleisch als Arznei erscheinen. Rösslin empfiehlt den Gebrauch von Mumien zur Behandlung von Krankheiten wie dem phlegmatischen kalten Kopfweh oder Halsschmerzen.

Ganz gleich, ob die Behandlung der Fallsucht durch Koriander oder die Vertreibung von Gespenstern durch Korallen geschildert wird – das Kräuterbuch des Eucharius Rösslin ist ein aufschlussreiches Zeugnis für die Auseinandersetzung einer breiteren Bevölkerungsschicht mit Krankheit und Heilung am Beginn der Neuzeit.