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Archivale des Monats Januar 2019

Archivale des Monats Januar 2019

Bürokratie des Todes

Todesmeldungen von Zwangsarbeitern an das Notariat Sachsenheim

StAL FL 312/122 II Nr. 1
Todesmeldung für die russische Zwangsarbeiterin Maria Karnauch (StAL FL 312/122 III Nr. 1)

Viele Jahre hatten Ehrenamtliche in Großsachsenheim versucht, die Toten, die auf dem sogenannten Russenfriedhof unweit der Gemeinde während des Zweiten Weltkriegs bestattet wurden, zu identifizieren. Bekannt war lange nur, dass es sich um Zwangsarbeiter und verschleppte Kriegsgefangene aus Russland gehandelt haben muss, die in einem Krankenlager unweit des Friedhofs zwischen 1943 und 1945 untergebracht waren. Für die Recherchen herangezogen werden mussten vor allem die Standesregister in Großsachsenheim und Gräberlisten des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Für die Gruppe war es ein große Hilfe, als im Zuge einer Aktenaussonderung im Großsachsenheimer Notariat kurz vor dessen Auflösung im Jahr 2017 ein Ordner mit Todesfallanzeigen von 624 Personen aus dem Krankenlager auftauchte. Mit diesen Meldezetteln ließ sich die Liste der Bestatteten ohne große Mühe komplettieren. Sie umfasst nunmehr 667 Namen. Auf einer Infotafel am Eingang des Friedhofs wird seit kurzem an sie erinnert.

Die Todesfallanzeigen erhielt das Notariat vom Standesamt in seiner Funktion als Nachlassgericht. Auch die Todesfälle der verschleppten Insassen des Krankenlagers wurden also ganz korrekt nach den Regeln der deutschen Bürokratie abgewickelt. Dass es bezüglich der Hinterlassenschaft in diesen Fällen in der Regel gar nichts zu veranlassen gab, spielte dabei keine Rolle. Die hier gezeigte Todesanzeige gehört zu den wenigen, auf denen der Notar eine Verfügung bezüglich des Nachlasses zu treffen hatte. In diesem Fall ging es um die sicherlich nicht allzu großen Ersparnisse der 18–jährigen Zwangsarbeiterin Maria Karnauch, über deren Verwendung eine nicht näher bezeichnete Reichsdienststelle zu verfügen hatte. Von dem Notar konnte daher auch dieser Todesfall rasch ad acta gelegt werden. Trotz ihres letztlich geringen und redundanten Informationsgehalts gehören diese Meldungen zu den wenigen Erinnerungen an diese Gruppe von Opfern des NS–Regimes, die sich erhalten haben und damit unbedingt erhaltungswürdig sind. Die Anzeigen wurden zwischenzeitlich komplett erschlossen und stehen in digitalisierter Form auch im Internet zur Verfügung.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg FL 312/122 III. Link zum Findbuch im Online-Findmittelsystem