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Stoffe/ Tapisserien

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Vielerlei Stoffe und Textilien, die in den Besitzverzeichnissen Barbara Gonzagas verzeichnet sind, dienten neben den Repräsentationspflichten vor allem auch den unterschiedlichen persönlichen Bedürfnissen im täglichen Leben einer Frau von gehobenem Stand. Neben prunkvoller Bettausstattung, Leinentüchern, Kissen, Tischtüchern, Handtüchern und Taschentücher erscheinen auch textile Einrichtungsgegenstände wie Wandbehänge, Teppiche, Kissen, Vorhänge und Banktücher. Das Besitzinventar Barbaras verrät uns, dass diese Textilien und anderer Hausrat in Kisten oder Truhen gelagert wurden.

Link zu A 602 Nr. 380 Inventar 1494/95 S.1



1. Seide und Brokat

Die Inventare überliefern aus dem Besitz Barbaras außerordentlich edle, verschiedenfarbige, gemusterte, bestickte, gewebte oder goldbroschierte Behänge und Decken aus unterschiedlichen leichten und schweren Stoffen: seidene goldbroschierte oder gewirkte Kissen, zum Teil mit Goldborten, Kordeln oder Knöpfen dekoriert, Decken aus rotem Goldbrokat, blaue und weiße mit Leinwand unterfütterte Bettdecken aus Seide, grüne, weiße, blaue und schwarze Betthimmel aus Seide sowie rote und schwarze Seidenvorhänge. Seide war ein sehr kostspieliger Artikel. Zudem erfuhr der Samt im 15. Jahrhundert eine stark steigende Nachfrage und setzte sich auf den Märkten als teuerster Stoff durch, er galt sogar noch als vornehmer als Seide.


Mode 7

Fresko von Andrea Mantegna in der Camera degli Sposi, Palazzo Ducale, Mantua, (fertiggestellt 14749

Die von Andrea Mantegna gemalten fingierten Wandbehänge in der Camera degli Sposi vermitteln heute noch andeutungsweise die dekorative Wirkung dieser prächtigen, mit Goldfäden durchwirkten Textilien mit Granatapfelmuster. Das Granatapfelmuster kam Anfang des 15. Jahrhunderts in Italien auf. Die zur Brokatherstellung benützten Seidenfäden wurden mit einem feinen Metallfaden umwickelt. Zentrum der Brokatherstellung war im 15. Jahrhundert Norditalien.

Diese teuren Stoffe wurden auch für Kissen verarbeitet. So sind in Barbaras Inventar sechs rote Brokatkissen aufgeführt Item sechß rotter guldiner kussin von ruchem gold sowie Kissen in Posamentierarbeit, d.h. mit Borten besetzt, die in der sogenannten Brettchenweberei angefertigt wurden. Ins Auge fallen eine rotgoldene, mit Hermelin gefütterte Decke ain rot gulden deckin mit hermlin gevietert und eine rotgoldene Decke, die mit dem Rückenpelz des Feh (Eichhörnchens) gefüttert ist, oder auch eine kleine rotgoldene Decke von Goldbrokat Item ain rotte claine guldin deckin von ruchem gold.

Mode 8

Wandbespannung aus Goldbrokat mit Granatapfelmuster, Italien um 1500 (Vorlage: Ausstellungskatalog Ca. 1500, S. 86)



2. Leinen

Im Haushalt waren Leinen unersetzlich. Daher verzeichnet auch das Inventar Barbara Gonzagas eine reiche Ausstattung: neben Tisch- und Betttüchern erscheinen Handtücher, Taschentücher, Hemden und sogar Kissen aus Leinen. Zudem offenbart ihr Inventar Bahnen aus Baumwolle und Tuche aus Flachs und Hanf, die in verschiedenen Herstellungsweisen gefertigt wurden, gröber und feiner, je nachdem für welche Nutzung sie bestimmt waren.

Link zu A 602 Nr. 380 Inv. 1494/95 S. 6

Mode 9

Leinendecke mit der Darstellung von Orpheus, beidseitige Flachstickerei in weißem Leinenfaden, um 1500, Italien (Vorlage: Ausstellungskatalog Ca. 1500, S. 165)



3. Tapisserien

Das Inventar über den Teppich- und Tuchbesitz Barbara Gonzagas führt zahlreiche wertvolle Tapisserien aus Italien und Burgund auf, die zur Ausstattung der Räume dienten: Bank- oder Rückentapisserien, Fußteppiche sowie gewirkte Prunkbetten und Wappentapisserien, die auf die Allianzstellung Württembergs mit Mantua verweisen. Die Gonzaga waren nicht nur begeisterte Sammler von Tapisserien, sondern waren auch in der Lage, in ihrer höfischen Manufaktur nach eigenen Entwürfen kleinere Tapisseriestücke anfertigen zu lassen. Der Hof der Gonzaga in Mantua besaß wie viele andere italienische Fürstenhöfe nach dem Vorbild des burgundischen Hofes eine eigene Tapisseriewerkstätte. Sie erlangte sogar größere Bedeutung, da Mantegna hierfür Entwürfe abgeliefert hat. Von den Tapisserien des 15. Jahrhunderts ist nichts mehr erhalten. Schön anzublicken waren sicherlich die drei kleinen gewirkten Tücher mit Blumen, die der Hof- und Kammerschneider Hans Hanner für Barbara auf der Frankfurter Tuchmesse eingekauft hat. Hierbei handelt es sich um Tapisserien mit einem sogenannten Millefleurs-Muster (Tausendblumen-Muster), die aus dem burgundisch-niederländischen Raum stammten und vor allem im 15. Jahrhundert sehr beliebt waren. Barbaras Inventar verzeichnet außerdem vier weitere Tapisserien mit Blumen sowie roten und weißen Rosen, offenbar ihren Lieblingsblumen. Zwei dieser Tapisserien waren an den Rändern mit kleinen Schellen verziert.

Item druw claine gewurckte tuecher mit blumen; die hat Hanns Hanner zu Frankfurt koft...

Item vier gewurckter deckine mit gewurckten plumen grien in grien und mit roten und wijssen roslin; und die zwu hond glocken

Link zu A 602 Nr. 380 Inv. 1494795 S.3

Mode 10

Tausendblumenteppich (Millefleur) aus Burgund (Vorlage: Historisches Museum Bern)

Neben den Millefleur-Tapisserien erscheinen im Inventar Barbaras auch zahlreiche Wappentapisserien, die wahrscheinlich in der Tapisseriemanufaktur der Gonzaga in Mantua gewebt wurden. Diese konnten als Altardecken, Thronsesselvorlagen, Behänge von Gebetpulten oder zur Ausstattung eines Raumes Verwendung finden. Zusammen mit den sogenannten Banktüchern gehörten sie zu den gängigen Arbeiten einer italienischen Tapisseriemanufaktur des 15. Jahrhunderts wie die der Gonzaga in Mantua, die vorwiegend solche kleineren textilen Arbeiten herstellte.