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Landeskunde & Bildung >> Präsentationen und Inventare >> Mittelalter und Frühe Neuzeit (bis ca. 1803/06) >> Von Mantua nach Württemberg: Barbara Gonzaga und ihr Hof >> Aus den Inventaren der Barbara Gonzaga: Kleidung und Stoffe, Silber und Schmuck >> Kleidung

Kleidung

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Nur wenige Kleidungsstücke aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts haben sich bis heute erhalten. Bildliche Darstellungen, Briefe sowie erhaltene Besitzinventare Barbara Gonzagas geben aufschlussreiche Einblicke in ihren fürstlichen Kleiderschrank. Barbara besaß eine große Anzahl ansehnlicher Kleidung, bestehend aus Ober- und Untergewändern, Röcken, Sommer- und Wintermänteln, ferner Reisekleidung, ein Reisemantel und Umhänge, und zuletzt Wäsche und Kinderkleidung. Das Inventar liest sich fast wie ein Modekatalog der Zeit. Barbaras Kleidungsstil war sicherlich geprägt durch ihre italienische Heimat, von wo sie regelmäßig Stoffe bestellte, um sich modische Gewänder anfertigen zu lassen. So bittet die Gräfin in einem Brief vom 5. November 1483 ihren Bruder Federico Gonzaga, ihr doch einen bestimmten dunkelbraunen samtenen Seidenstoff zu schicken, damit sie sich davon ein passendes Kleid für das kommende Turnier anfertigen lassen könne: Fradello mio caro prego vostra signoria se degna de mandarme el cittanino morello velutato …

Link zu A 602 Nr. 380, undatiertes Inventar, S.3



1. Übergewänder/Schauben

Die Schaube, ein repräsentatives Obergewand hochgestellter Frauen mit langen, röhrenförmigen Ärmeln, war zur Zeit Barbara Gonzagas ein sehr beliebtes Kleidungsstück. Viele dieser kostbaren und vornehmen Gewänder sind im Inventar pelzgefüttert aufgeführt. Im Spätmittelalter trug die Frau körperbetonte, eng anliegende Kleider, tiefe Ausschnitte und lange schleppende Röcke. Hauben verdeckten meist das Haar. Auf einer Stuttgarter Miniatur aus den 1470er Jahren tritt unter dem Kleid der Frau mit der roten Schaube noch die Spitze eines in dieser Zeit noch modernen Schnabelschuhes hervor. Barbaras Garderobe war neben gedeckterem Grau und Braun gekennzeichnet durch die Farben Weiß und Schwarz, Silber und Gold, Rot und Grün. Auffallend ist die verhältnismäßig hohe Zahl an schwarzen Gewändern. Unter dem Einfluss der burgundischen Mode galt im 15. Jahrhunderts neben Grau und Weiß vor allem Schwarz als sehr vornehme Farbe. Die im Inventar häufig auftauchende Farbbezeichnung "bron" bezeichnet eine Farbskala, die von Braun über Purpurrot bis hin zu Violett reichen konnte.

Mode 1


(Vorlage: UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 345, f. 16r )



2. Samt und Seide/Goldbrokat

Die Etikette bestimmte, wem Goldbrokatstoffe oder Samt und Seide als Kleidung zustanden, und wer Hermelin und Zobel tragen durfte. Kostbare Stoffe wie Seide, Samt und Brokat wurden für die repräsentativen Obergewänder verwendet. Diese unterstrichen den Fall der Falten und die Würde ihres Trägers. In Barbaras Inventar erscheinen auch einige Gewänder, die aus Wolltuch gefertigt waren. Viele Kleider sind unterfüttert mit Leinen, Baumwollstoff oder Wolltuch. Die junge Barbara Gonzaga, die auf dem Fresko in der Camera degli Sposi als etwa 15jährige im Kreise ihrer Familie abgebildet ist, trägt ein Kleid aus kostbarem geschnittenen gelb-schwarzen Samt. Ende des 15. Jahrhunderts ließ sich jeder Fürst, der etwas auf sich hielt, in Stoffen aus Gold abbilden, oft aus Samtbrokat gefertigt. Neben der Kleidung hochrangiger Persönlichkeiten findet man solche Stoffe auch bei Kissen, Vorhängen oder Throndecken.

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Barbara Gonzaga, Fresko von Andrea Mantegna in der Camera degli Sposi, Palazzo Ducale, Mantua (fertiggestellt 1474)



3. Accessoires/Schmuckformen

Auch die Fütterung der aus wertvollen Stoffen gearbeiteten Gewänder bestand aus kostbaren Materialien und war meist in einer Kontrastfarbe zum Hauptstoff gehalten. Neben Samt- und Seidenstoffen zierte Pelzbesatz die Säume der Röcke, der Ärmel und der Dekolletés. Bei Barbaras Gewändern werden unterschiedliche Pelzfütterungen aufgeführt: der Lasset, der Pelz einer Wieselart, Zobel und Hermelin (Marder) oder der Bauch- und Rückenpelz der Fähe (Füchsin).

Mode 3

Barbara Gonzaga auf einer Deckfarbenmalerei von 1588/89 (Vorlage: Wien, Österreichische Nationalbibliothek)

Das Gewand, das hier Barbara Gonzaga trägt, könnte aus karminrotem Samt sein, die teuerste aller Samtsorten. Ein weiteres Luxusabzeichen ist die Pelzeinfassung des Kleides. Stickereien und Applikationen wurden oft als zusätzlicher Schmuck an den Gewändern angebracht. Barbara ließ ihre Kleider mit aufgenähten Kettchen aus Gold oder Silber verzieren, oder verschönerte sie mit Gürteln, verschiedenfarbigen Stoffbesätzen, Brusttüchern, seidigen Borten, Fransen und Stickereien aus Gold- und Silberfäden, goldenen Knöpfen oder aufgenähten Perlen und Edelsteinen.

Mode

Altarflügel mit der Darstellung Paola Gonzagas, Schwester Barbaras und Gräfin von Görz, mit ihrem früh verstorbenen Töchterchen, um 1500-1510 (Vorlage: Ausstellungskatalog Ca. 1500, S. 83)

Einige Ärmel werden im Inventar einzeln aufgeführt. Sie waren nicht fest am Gewand angenäht, sondern wurden angeknöpft oder mit Bändern befestigt. Manche Kleider hatten daher nur kurze Ärmel, an denen ein farblich abgesetztes Ärmelstück mit Nadeln angesteckt wurde. Barbaras Schwester Paola Gonzaga (1463-1495/96) ist hier mit einem überaus wertvollen perlenbestickten und am Dekolleté ausgeschnittenen Gewand aus Goldbrokat mit einem Granatapfelmuster dargestellt. Dazu trägt sie eine auf das Kleid abgestimmte Haube. Ein feiner, fast durchsichtiger Schleier ist um Hals und Schulter gelegt.



4. Kopfbedeckungen

Die Kopfbedeckung der Frau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bestand oft aus Tüchern und Binden, die kunstvoll geknotet und gefaltet oder mit Nadeln zusammengesteckt wurden. Für die Hauben fanden Samt-, Seide- und Wollstoffe Verwendung. Neben diesen gab es auch gewirkte und gestrickte Hauben aus Seidengarnen oder Goldfäden sowie Pelzhauben aus den unterschiedlichsten Fellen. Das Inventar Barbaras verzeichnet einige kostbare Kopfbedeckungen, zum Beispiel einen warmen Hut aus Zobelfell oder perlenbestickte Hauben, sogar ein Perlenkrönchen.

Mode 5

Barbara Gonzaga, Chorfenster in der Stiftskirche zu Tübingen, um 1476/78 (Vorlage: Corpus Vitrearum, Freiburg)



Mode 6

Teller mit Profilbild einer Dame aus der 2. Hälfte 15.Jahrhundert, Mantua (Vorlage: Palazzo Ducale, Mantova)

Eine hohe Stirn galt im späten 15. Jahrhundert als Kennzeichen des weiblichen Schönheitsideals. Dabei wurde der natürliche Haaransatz der Damen an der Stirn ausrasiert und die Haare wurden hochgesteckt. Dies sollte das Gesicht- und Nackenprofil besser zu Geltung bringen. Stirnband und Haarnetz waren ein typisch modischer Kopfputz der Zeit.