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Archivale des Monats April 2009

Württembergs Gesandter bei Kaiser Wilhelm II. - Dr. Axel Varnbüler von und zu Hemmingen in Berlin (1894-1918)

01.04.2009-24.04.2009

1. Kaiser Wilhelm II. Pate von Wilhelm Varnbüler
2. Kaiserjagd in Neudeck/Oberschlesien
3. Kieler Woche 1904
4. Mittelmeerreise 1905
5. Bälle und Konzerte
6. Eulenburg-Affäre
7. Abschied von Berlin
Lebensläufe
Plakat zum Archivale des Monats April 2009

1. Kaiser Wilhelm II. Pate von Wilhelm Varnbüler

Die Freundschaft Axel Varnbülers mit Philipp von Eulenburg-Hertefeld (Liebenberger Kreis) sowie die Bekanntschaft mit Fürst Guido Henckel von Donnersmark (Kaiserjagden) und der berufliche Kontakt zu Kaiser Wilhelm II. waren wohl Ausgangspunkte für die Übernahme der Patenschaft für den jüngsten Sohn Wilhelm durch den Kaiser. Seine Anwesenheit unterstreicht, dass sich beide über das normale Maß eines diplomatischen Vertreters eines Bundesstaats nahe Standen und Kontakte pflegten.

Kaiser Wilhelm II. mit Patensohn Wilhelm Varnbüler

2. Kaiserjagd in Neudeck/Oberschlesien

Als einer der reichsten Männer Deutschlands ließ Fürst Guido Henckel von Donnersmarck, Industrieller (1830-1916) in den Jahren 1868 - 1875 auf seinem Familiensitz in Neudeck/Oberschlesien ein neues Schloss nach dem Vorbild von Versailles erbauen, eine der größten Schloss- und Parkanlagen des Deutschen Reiches. Seinen politischen Einfluß machte er als Kreisabgeordneter in Tarnowitz, wo er auch Axel Varnbüler während dessen Tätigkeit als Landrat kennenlernte, als Landtagsmitglied und als erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses geltend. 1871 nimmt er an den Friedensverhandlungen mit Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg teil. Donnersmarck drängt auf eine Erhöhung der Reparationsforderungen an Frankreich. Beginn seiner langjährigen Freundschaft mit Otto von Bismarck (1815-1898). Oft war Kaiser Wilhelm II. bei ihm zu Gast, der nicht nur die Jagdveranstaltungen, sondern auch die ihm gelegentlich gewährten Kredite schätzte. Zum Dank erhob der Kaiser Guido Henckel von Donnersmarck am 18. Januar 1901 in den Fürstenstand

Schloss Neudeck in Oberschlesien

3. Kieler Woche 1904

Auf Einladung der Hamburg-Amerika-Linie nahm Axel und seine Frau Natascha Varnbüler auf der Yacht "Prinzessin Victoria Luise" an der "Kieler Woche" im Jahr 1904 teil. Kaiser Wilhelm II. war regelmäßiger Teilnehmer der Veranstaltung und lud sich Gäste an Bord seiner Jacht "Hohenzollern" ein. In seinem politischen Bericht nach Stuttgart schildert Axel Varnbüler den Prunk und Pomp der Kieler Woche, Eitelkeiten und Eifersüchteleien der Gäste, Eindrücke und politischen Gespräche eingehend.

Kieler Woche 1904

4. Mittelmeerreise 1905

Im März 1905 wurde Axel Varnbüler auf Wunsch des Kaisers zur Reise von Cuxhaven nach Neapel vom Oberhofmarschall August von Eulenburg eingeladen. Diese Reise, die über Cintra in Portugal, Tanger, Gibraltar nach Neapel führte, bekam mit dem Stop in Tanger weltpolitische Dimensionen. Mit dem demonstrativ Besuch des Kaisers am 31. März 1905, um der deutschen Forderung nach einem Mitspracherecht in Marokko Nachdruck zu verleihen, wurde die Erste Marokkokrise ausgelöst. Tatsächlich holte sich das Deutsche Reich mit der unnötigen Provokation eine deftige Abfuhr. Auf der internationalen Konferenz in der spanischen Stadt Algericas (Januar bis April 1906) sah sich das Deutsche Reich isoliert; Frankreich hingegen erhielt weitgehend freie Hand, um Marokko in seinen Einflussbereich zu ziehen.

Mittelmeerreise 1905

5. Bälle und Konzerte

Im wilhelminischen Berlin fanden jährlich von Januar bis März große offizielle Feste, Bälle, Diners und Konzerte statt, zu denen die höfische, diplomatische, politische und gesellschaftliche Prominenz geladen wurde und die Teilnahme daran war Pflicht. Bei Hofbällen kam es durchaus vor, dass 800 Personen geladen waren. Diese offiziellen Anlässe und Einladungen wahrzunehmen war auch Aufgabe des Gesandten Varnbüler, bei diesen Veranstaltungen traf er auch immer wieder mit dem Kaiser zusammen. Auch der Gesandte selbst hatte selbstverständlich die Pflicht Diners zur Kontaktpflege auszurichten.

Einladung Hofkonzert 1906

6. Eulenburg-Affäre

Die Eulenburg-Affäre, war die Kontroverse um eine Reihe von Gerichtsverfahren wegen homosexuellen Verhaltens und den gegen diese Vorwürfe geführten Verleumdungsklagen. Betroffen waren prominente Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1907 bis 1909. Die Affäre wird auch als der größte Skandal des deutschen Kaiserreiches bezeichnet. Obwohl sie sich im Grunde nur um den Streit zwischen Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld (1847-1921) und dem Journalisten Maximilian Harden drehte, reichten die Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen aus, dass sich die Affäre schnell ausbreitete und dazu führte, dass der Begriff "Liebenberger Kreis" benutzt wurde, um den homoerotischen Zirkel um Kaiser Wilhelm II. zu beschreiben. Der Liebenberger Kreis bezeichnet den engeren Freundeskreis Kaiser Wilhelms II. zwischen 1886 und 1907, zu dem neben Eulenburg, Kuno von Moltke, Bernhard von Bülow und anderen auch Axel Varnbüler zählte. Der Name leitet sich von Schloss Liebenberg nördlich von Berlin ab, dem Landsitz Philipp zu Eulenburg-Hertefelds.

Billet Bülow

7. Abschied von Berlin

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, der Flucht Kaiser Wilhelms II. und der Abdankung König Wilhelms II. von Württemberg (1848-1921) im November 1918 ging die fast ein Vierteljahrhundert dauernde Tätigkeit von Freiherr Dr. Axel Varnbüler von und zu Hemmingen als Gesandter Württembergs in Berlin zu Ende. Am 11. November 1918 reichte er sein Abschiedsgesuch ein, dem die entsprach.

Entlassungsschreiben Varnbülers

Lebensläufe

Dr. Axel Varnbüler von und zu Hemmingen
(geb. 10. 1. 1851 in Hemmingen,
gest. 9. 2. 1937 in Hemmingen)
Wilhelm II. Deutscher Kaiser und König von Preußen
(geb. 27. 1. 1859 in Berlin,
gest. 4. 6. 1941 in Doorn)
  • 1869 Studium der Rechts- und Staatswissenschaft in Berlin
  • 1870 Im Deutsch-französischen Krieg als Leutnant der Reserve im 1. Württ. Ulanenregiment
  • 1871 Jüngster Teilnehmer an der Kaiserproklamation in Versailles
  • 1879 Promotion zum Dr. jur. Assessor im preußischen Staatsdienst
  • 1882-1889 Preußischer Landrat in Tarnowitz
  • 1890-1893 Württembergischer Geschäftsträger in St. Petersburg
  • 1893-1894 Gesandter in Wien
  • 1894 Heirat mit Natascha Gawriliuk, gesch. von Siemens
  • 1894-1918 Gesandter in Berlin und stimmführender Bevollmächtigter zum Bundesrat. Im Ersten Weltkrieg gleichzeitig Delegierter des Kaisers beim Deutschen Roten Kreuz
  • 1895 Geburt des Sohnes Johann Conrad (+1918)
  • 1897 Geburt des Sohnes Waldemar Mortimer (+1929)
  • 1899 Geburt des Sohnes Wilhelm (Will) (+1945)
  • 1918 Ruhestand in Hemmingen
  • 1874-1877 Besuch des Gymnasiums in Kassel-Wilhelmshöhe
  • 1877 Aufnahme des Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften
  • 1881 Heirat mit Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg
  • 1888 Deutscher Kaiser und König von Preußen
  • 1890 Rücktritt von Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck
  • 1905/06 erste Marokkokrise
  • 1907 Artikelserie Maximilian Hardens diskreditiert das persönliche Umfeld des Kaisers, vor allem seinen Berater Philipp Fürst zu Eulenburg, als moralisch verwerflich ("Eulenburg-Affäre")
  • 1908 "Daily-Telegraph-Affäre"
  • 4.8.1914 Ausbruch des Ersten Weltkriegs
  • 9.11.1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. flieht in die Niederlande
  • 1921/22 Tod seiner Frau Auguste Viktoria, Heirat von Hermine von Reuß ältere Linie, verwitwete Prinzessin Schönaich-Carolath
  • 1931/32 empfängt Hermann Göring in Haus Doorn. Er erhofft sich von einer nationalsozialistischen Regierung die Wiedereinführung der Monarchie
  • 1940 gratuliert Adolf Hitler telegraphisch zur Einnahme von Paris.
"Wenn Eulenburg geglaubt hatte, sein Freund Axel Varnbüler von und zu Hemmingen werde sich zu einem politischen Erfüllungsgehilfen des Kaisers gegenüber Württemberg gebrauchen lassen, so sah er sich getäuscht. Über seine Schwester, die Baronin Spitzemberg, erlangte der Diplomat leicht Zutritt zur Berliner Gesellschaft... Mittnacht merkte rasch, daß Varnbüler der rechte Mann auf dem rechten Platz war. Er nahm die Interessen Württembergs in Berlin tatkräftig wahr und schickte inhaltsreiche Berichte nach Stuttgart. Statt die ihm vom Kaiser zugedachte Rolle als Gegenspieler des bayerischen Gesandten Graf Hugo von Lerchenfeld zu übernehmen, bemühte er sich mit sichtlichem Erfolg um ein gutes Einvernehmen mit diesem. So ging auch hier die Rechnung des Kaisers und seines Freundes Eulenburg nicht auf. Varnbüler blieb mehr als 24 Jahre, bis zur Revolution von 1918 und bis zum Sturz der Monarchie, auf seinem Berliner Posten."
(Sauer, Paul: Württembergs letzter König. Das Leben Wilhelms II., Stuttgart 1994, S. 192f)
Wilhelm war unsicher und arrogant, intelligent und impulsiv, vernarrt in die moderne Technik und zugleich verliebt in Pomp und Theatralik. Höflinge mit diplomatisierendem Charakter waren sein Umgang und bestimmten seine Personalauswahl. Seine Persönlichkeit hatte narzisstische Züge. Er begeisterte sich, wie in Adelskreisen nicht unüblich, für die Jagd. Bei der Jagd hatte Wilhelm auch seinen später engen Freund Philipp Graf zu Eulenburg, der zu den wichtigsten Beratern zählte, als auch Axel Varnbüler kennen gelernt. Wilhelm liebte das Segeln und war Stammgast bei der Kieler Woche.

Archiv der Freiherren von Varnbüler zu Hemmingen (Online-Findbuch)