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Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Digitale Präsentationen >> Archivale des Monats 2000–2010 >> Archivale des Monats Juli 2001

Archivale des Monats Juli 2001

Spiegel aus Spiegelberg - Die Entdeckung einer Musterkollektion zur Spiegelherstellung aus dem 18. Jahrhundert

Die Entdeckung

Die umfangreichen Aktenbestände des im Jahr 1805 aufgelösten württembergischen Kirchenrats im Hauptstaatsarchiv Stuttgart boten vor kurzem eine ungewöhnliche Entdeckung: Bei seinen Forschungen nach der Geschichte der Spiegelmanufaktur Spiegelberg (Lkr. Waiblingen) stieß der Historiker W. Loibl auf eine Reihe von Holzkästchen aus dem 18. Jahrhundert, die eine einzigartige Musterkollektion zur Spiegelherstellung bargen.

In unserer Präsentation werden drei von ursprünglich sechs Kästchen gezeigt, die sich als Anlage bei den Unterlagen des Kirchenrats befanden. Sie sind mit verschiedenen Materialienproben bestückt, welche von der Verwaltung der Spiegelglashütte Spiegelberg dem herzoglichen Kirchenrat als zuständiger Aufsichtsbehörde Mitte der 1780er Jahre übergeben wurden. Der Kirchenrat war damals an der Arbeit der Spiegelfabrik interessiert, da die Entscheidung anstand, ob die Glashütte renoviert und ausgebaut werden oder angesichts zunehmender Verluste die Schließung des Betriebs erfolgen sollte.

Die Holzkästchen aus dem 18. Jahrhundert, mit der einzigartigen Musterkollektion zur Spiegelherstellung

Die Bestände

Die Holzkästchen aus Spiegelberg befinden sich heute in der Überlieferung des württembergischen Kirchenrats unter den Signaturen A 284/88 Nr. 73-75. Die zugehörigen Aktenverzeichnisse werden unter den Unterlagen der sogenannten Ämterregistratur des Kirchenrats mit der Signatur A 282 Bü 1569 aufbewahrt. Hier sind auch Abbildungen über die Technik des Polierens von Glastafeln in der Spiegelfabrik St. Antoine (Paris) enthalten, wie sie in Spiegelberg angewendet wurde.

Zeitgenössische Zeichnung zur Spiegelherstellung

Zur Geschichte der Spiegelglashütte Spiegelberg

Errichtet worden war die Spiegelglashütte im Jahr 1705 auf dem Boden des damaligen Juxwaldes (heute Gemeinde Spiegelberg), der Eigentum des Klosters Steinheim war und nach dessen Aufhebung vom württembergischen Kirchenrat verwaltet wurde. Die Gründung erfolgte auf Initiative des Spiegelmeisters Johann Georg Gundelach aus Darmstadt. Er konnte den Kirchenrat und Herzog Eberhard Ludwig davon überzeugen, die fünf Jahre zuvor auf dem unweit gelegenen Juxkopf errichtete, unrentable Glashütte aufzugeben, und statt dessen im Tal der Lauter eine neue Hütte zur Spiegelglasherstellung zu gründen. Am 1. September 1705 wurde der Hütte per Dekret des Herzogs der Name "Spiegelberg" verliehen. Diese Bezeichnung sollte fortan auch für die sich rasch entwickelnde Siedlung im Umfeld der Fabrik Verwendung finden.

Nach wechselhaftem Erfolg der Spiegelglashütte verursachte ihr Betrieb dem Kirchenrat schließlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts immer größere Verluste. Durch den zunehmenden Holzmangel, die unruhige Zeit nach Ausbruch der Französischen Revolution 1789 und die viel zu kostspielige Verwaltung der Fabrik wurden die produzierten Glaswaren immer teurer und fanden keinen Absatz mehr. Im Jahr 1794 wurde daher die Produktion eingestellt und die Bewohner des jungen Ortes Spiegelberg mussten sich künftig anderen Erwerbszweigen zuwenden.

Zeitgenössische Zeichnung zur Spiegelherstellung

Eine Musterkollektion zur Spiegelherstellung

Die drei Holzkästchen enthalten auf zahlreiche Fächer verteilt vor allem Proben von Materialien, die zur Spiegelherstellung benötigt wurden. Eine besonders bemerkenswerte Substanz stellt die Glasgalle dar, die sich in einem der Kästchen fand. Dieses Material ist eigentlich ein Abfallprodukt, das bei der Glasherstellung anfällt. Es besteht aus Verunreinigungen, die auf der Glasschmelze schwimmen und abgeschöpft werden müssen. Die von dem Archäochemiker Dr. P. Kurzmann vorgenommene chemische Analyse bestätigte, dass es sich um Glasgalle handelt, die nur Dank der Überlieferung im Archiv erhalten werden konnte; im Boden hätte sich das Material längst verflüchtigt. Ein weiterer Fall von überlieferter Glasgalle ist bislang nicht bekannt; Dr. Kurzmann bewertet den im Hauptstaatsarchiv Stuttgart aufbewahrten Fund daher als "einmalig und sehr bedeutend".

Neben der Glasgalle befinden sich unter der Musterkollektion auch Zinnfolie, die auf eine Verspiegelung mit Zinnamalgan hinweist, verschiedene Poliermaterialien sowie ungeschliffene und fertig bearbeitete Glasscheiben. Die ebenfalls in einem der Kästchen aufbewahrte blaue Glaskugel, die wohl als Dekorationsstück Ver-wendung finden sollte, stammt offenbar ebenfalls aus Spiegelberger Fabrikation, da in der Spiegelglashütte neben Spiegeln auch andere Produkte, wie Brillengläser, Glasflaschen, Laternen und kleinere Kunstgegenstände hergestellt wurden. Vielleicht ist dieses Spiegelberger Kunststück ja sogar eine der ältesten Weihnachtskugeln?

Zeitgenössische Darstellung zur Spiegelherstellung