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Archivale des Monats März 2002

Die Wilden 50er Jahre - Die Geburt eines neuen Landes

Die Geburtsstunde des Landes Baden-Württemberg schlug am 25. April 1952 mit der Bildung der ersten vorläufigen Landesregierung. Diesem denkwürdigen Ereignis war ein erbittert geführter Kampf um den "Südweststaat" vorausgegangen, der tiefe Gräben zwischen den sog. Altbadenern und den Anhängern einer Länderneugliederung aufgerissen und sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt hatte. Nachdem sich die Mehrheit der Bevölkerung am 9. Dezember 1951 für den Südweststaat ausgesprochen hatte, stand dem Zusammenschluss der drei Nachkriegsländer Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden nichts mehr im Wege. Drei Monate nach der entscheidenden Volksabstimmung wurde am 9. März 1952 die 121-köpfige Verfassunggebende Landesversammlung gewählt, die sich am 25. März in Stuttgart konstituierte. Nach eingehenden Beratungen und langem politischen Tauziehen um die geradezu neuralgische "Schulfrage" erhielt das neue Land am 11. November 1953 seine Verfassung als tragfähige Grundlage eines mittlerweile 50-jährigen Zusammenlebens.

Die Landesverfassung

Das Original der baden-württembergischen Landesverfassung wird im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt. Neben der schlichten Ausfertigung vom 11./16. November 1953 stellte man für die Landesausstellung 1955 - auf Wunsch des Archivs - eine aufwändige, in Pergament gebundene Verfassungsurkunde her, die vom Präsidenten der Verfassunggebenden Versammlung und den Mitgliedern der vorläufigen Regierung nachträglich unterzeichnet wurde. Beide Exemplare werden nebeneinander präsentiert.

Aus dem Bereich der staatlichen Überlieferung werden überdies ausgewählte Schriftstücke gezeigt, in denen sich die politische Situation, aber auch das gesellschaftliche Empfinden der Fünfziger Jahre spiegelt: Zeitungskarikaturen, das Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), diplomatische Verwicklungen um König Faruks "Lieblingstänzerin" und die persische Kaiserin Soraya, Selbstzensur der Presse, Prüderie um den Kinofilm "Bonjour tristesse" und die Deutsche Fernsehschau 1956 in Stuttgart am Beginn des modernen Medienzeitalters.

Wirtschaftswunder - Wirtschaftswunder!

Das Leben genießen, die gröbsten Spuren des verlorenen Kriegs sind beseitigt ... Normalität hält Einzug in das tägliche Leben, der Aufbau neuen Wohnraums wird emsig fortgesetzt, Wohnungen müssen eingerichtet werden, die Lebensmittelkarten weichen der "Fresswelle", Autos werden zum Statussymbol, die ersten Urlaubsreisen werden gebucht, Rundfunk und Fernsehen dienen der Information und Bildung, vor allem aber der Entspannung und Unterhaltung nach einem langen und schweren Arbeitstag.

Im Vordergrund stand zuerst die Beschaffung von genügend Wohnraum. Baden-Württemberg als Land der "Häuslesbauer", mit der größten Dichte an Bausparkassen, war Spitzenreiter beim Bau von Eigenheimen. Beispiele für die architektonische Gestaltung von Eigenheimen lieferten die Bausparkassen. Für die Finanzierung der Inneneinrichtung standen die Sparkassen bereit, die in Broschüren wie "Wohnungen gut eingerichtet, 92 ausgewählte Beispiele" Vorschläge zur Inneneinrichtung machten. Wobei der röhrende Hirsch über dem Sofa nicht fehlen durfte.

Werbung und Nippes

Zusammen mit der Entwicklung der Wirtschaft begann in den 50er Jahren der atemberaubende Aufstieg der Werbung, der alle Lebensbereiche mit einbezog. Haushaltsgegenstände wie auch Autos, selbst wenn es nach heutigem Verständnis kaum nach Auto aussah, fanden ihre Käufer. Markenprodukte präsentierten sich im zeittypischen Erscheinungsbild.

Slogans wie "Alles fürs Kind" oder "Mutti ist die Allerbeste" plazierten sich schon bald in der Werbung und sollten von hier aus auch schnell in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Bravo-Hefte oder Kinoplakate mit James Dean stehen für eine neue Art von Jugendkultur, die mit der Werbung wuchs und von ihr getragen wurde. Der heute teilweise wieder in Mode kommende "Nippes" der 50er Jahre vermittelt bereits ein Bild von verhaltenem Wohlstand, der zu seiner Zeit sicher eher als progressiv denn als "spießig" verstanden wurde. Bei aller Prüderie waren es für viele eben doch die "Wilden Fünfziger Jahre".

Die hier ausgestellten Aktenstücke entstammen überwiegend der Überlieferung des baden-württembergischen Staats-, Innen- und Kultusministeriums (Bestände EA 1 - 3). Der Großteil der Plakate, Flugschriften und Broschüren wurden den Sammlungsbeständen J 152, J 153, J 154, J 155 und J 192 entnommen. Als Leihgebern danken wir Frau Regina Keyler, Herrn Andreas Sturitis und Frau Gabriele Würth für die authentischen dreidimensionalen Schmuckstücke aus den 50er Jahren.