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Archivale des Monats November 2002

"Stuttgart hat mich sehr ermüdet ..." Ein Brief von Hermann Hesse im Nachlass Robert Haußmann

Präsentation im Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 04.-29.11.2002

Hermann Hesse und die Familie Haußmann

Den ersten persönlichen Kontakt hatten der 1877 in Calw geborene Hermann Hesse und der zwanzig Jahre ältere Stuttgarter Politiker Conrad Haußmann im Jahr 1908 bei einer Zusammenkunft der Mitarbeiter des Albert-Langen-Verlages. Hesse war seit 1907 zusammen mit Albert Langen und Ludwig Thoma Herausgeber der kulturpolitischen Zeitschrift "März", für die auch der literarisch interessierte Conrad Haußmann einige Beiträge lieferte. Trotz des Altersunterschieds entwickelte sich zwischen Hesse und Haußmann eine Freundschaft, die sich in einem regen Briefwechsel widerspiegelt. Zahlreiche Briefe Hermann Hesses befinden sich im Nachlass Conrad Haußmann, der im Hauptstaatsarchiv Stuttgart als Bestand Q 1/2 verwahrt wird. Hesse vertraute Haußmann bald seine persönlichen Ängste und Probleme an: "Es geht mir dauernd schlecht, ich bin mit Nerven und Gemüt noch nie solange hintereinander auf dem Hund gewesen [...]. Irgendeine rechte Zerstreuung oder Betäubung ist das einzige, was mir fehlt; mit dem Saufen ist es nichts mehr, das habe ich ganz aufgegeben, mit den Weibern habe ich nie stark zu tun gehabt, und so bleibt nichts anderes als die Arbeit, täglich zwölf Stunden." (H. Hesse an C. Haußmann am 24.01.1913; HStAS Q 1/2 Bü 122). Hermann Hesse war häufig zu Gast im Hause der Familie Haußmann in Stuttgart, wobei er auch die Kinder Lotti, Robert und Wolfgang kennen lernte. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wohnte Hesse einige Zeit im Zimmer von Robert Haußmann und war in großer Sorge wegen dessen Kriegsverletzung. Conrad Haußmann blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1922 mit Hermann Hesse in enger Verbindung. In einem Brief an Romain Rolland schrieb Hesse im Jahr 1922: "Ich habe vor einigen Monaten einen lieben Freund verloren an dem deutschen Politiker Conrad Haußmann."

Literatur: Karin Rabenstein-Kirmaier: Conrad Haußmann (1857-1922). Leben und Werk eines schwäbischen Liberalen. Frankfurt am Main u. a. 1993. (Regensburger Beiträge zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft Reihe B; 55)

2. Seite des Briefs von Hermann Hesse an Helene Haußmann

Der Brief Hermann Hesses im Nachlass Robert Haußmann

Bei dem Archivale des Monats handelt es sich um einen Brief mit aquarelliertem Briefkopf von Hermann Hesse, der bei der Verzeichnung des Nachlasses Robert Haußmann im Juni 2002 zum Vorschein kam (Bestand Q 2/10 Bü 34). Das erarbeitete Findbuch sowie zwei Briefe und ein Gelegenheitsgedicht Hesses zur Hochzeit von Lotte Haußmann aus dem Nachlass Conrad Haußmann (Q 1/2 Bü 122) werden zusammen mit dem Archivale des Monats ausgestellt. Robert Haußmann (1891-1978) war ein Sohn des Politikers Conrad Haußmann. Anders als sein Vater, der dem württembergischen Landtag und dem Reichstag angehörte und sein Bruder Wolfgang, der langjährige Justizminister von Baden-Württemberg, ging Robert Haußmann nicht in die Politik, trat aber als Präsident der Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart in der Öffentlichkeit hervor. Im Todesjahr seines Vaters 1922 ließ sich Robert Haußmann in Stuttgart als Rechtsanwalt nieder und kümmerte sich zusammen mit seiner Mutter Helene um die Veröffentlichung des Buches "Schlaglichter. Reichtagsbriefe und Aufzeichnungen von Conrad Haußmann". Hermann Hesse erhielt ein Freiexemplar des Buches und dankte Helene Haußmann dafür in dem Brief vom 10. Dezember 1924. Der Briefkopf ist ein typisches Hesse-Aquarell, das ein Tessiner Städtchen darstellt. Inhaltlich geht Hesse in dem Brief zunächst auf das Buch-geschenk der Familie Haußmann ein. Besonders hebt er die bei den Friedensbestrebungen von 1917 hemmende Rolle Ludendorffs hervor, die offenbar von Conrad Haußmann (von Hesse "Nac" genannt) zunächst falsch eingeschätzt wurde. Hesse berichtet in dem Brief aber auch von einem Besuch in seiner schwäbischen Heimat und bemerkt, dass ihn "Stuttgart [...] sehr ermüdet" habe. Neben dem Nachlass von Robert Haußmann (Q 2/10) verwahrt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart die Nachlässe des Vaters Conrad Haußmann (Q 1/2) und des Bruders Wolfgang Haußmann (Q 1/22).